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28.08.2016

12:10 Uhr

Online statt Optiker

Das Geschäft mit dem Besser-Sehen im Internet

Millionen Deutsche tragen eine Brille. Inzwischen kämpfen sich Online-Händler mit neuen Vertriebswegen in den Optikmarkt. Aber warum eröffnen die Start-ups trotzdem noch normale Läden?

Viele Start-ups aus der Optiker-Branche setzen sowohl auf Online als auch Offline-Handel. dpa

Brillengeschäft

Viele Start-ups aus der Optiker-Branche setzen sowohl auf Online als auch Offline-Handel.

BerlinEs tut sich was im Brillenmarkt – und viele kriegen es nicht mit. Ein Laden in Berlin, Betonwände, Hornbrillen. Die Modelle heißen hier „Keith“, „Floyd“ oder „Ivy“. Ein Mädchen probiert herum. Ob sie online Brillen kaufen würde? „Eher nicht“, sagt sie. „Ich bin eher jemand, der in den Laden geht.“ Was sie bislang nicht wusste: Der Shop, in dem sie steht, gehört zum Start-up Ace & Tate. Und das setzt vor allem auf eins: den Verkauf im Internet.

Immer neue Optik-Unternehmen versuchen ihr Glück im Online-Handel. Mister Spex, Brillen.de und andere Firmen setzen auf einen wachsenden Markt: das Geschäft mit dem Besser-Sehen. Im vergangenen Jahr wurden und 5,8 Milliarden Euro mit Augenoptik in Deutschland umgesetzt – gut 3,6 Prozent mehr als im Vorjahr, wie Zahlen des Zentralverbands der Augenoptiker und Optometristen (ZVA) zeigen. Es wurden mehr Brillen und mehr Brillengläser verkauft. Analysten sehen auch in der alternden Gesellschaft Wachstumsperspektiven für die Branche.

Das sind Deutschlands größte Optiker

Platz 10

Die Kette Eyes and More eröffnet mit einem Jahresumsatz im Jahr 2014 von 33,2 Millionen Euro die Top Ten. 2006 eröffnete in Lübeck die erste Filiale. Mittlerweile hat das Unternehmen mit Sitz in Bad Segeberg ein rasantes Wachstum hingelegt und 79 Filialen, die in Eigenregie oder Franchising betrieben werden.

Platz 9

Krass Optik machte 2014 in Deutschland 38,3 Millionen Euro Umsatz. Die Kette mit Sitz in Dornach-Aschheim hatte zu diesem Zeitpunkt 67 Filialen.

Platz 8

Abele Optik liegt mit 38,5 Millionen Euro Jahresumsatz auf dem achten Platz. 1945 in Würzburg gegründet betreibt die Optiker-Kette heute 72 Filialen. Die Anzahl der Geschäfte ist seit Jahren stabil.

Platz 7

Die Kette Binder Optik macht mit ihren deutschen Niederlassungen einen Jahresumsatz von 40,1 Millionen Euro. 49 Filialen betreibt das Unternehmen in Deutschland. Binder Optik wurde 1975 von Helmut und Gabriele Baur in Böblingen gegründet und ist vor allem im Süden Deutschlands vertreten. Es gibt aber auch Filialen auf Mallorca.

Platz 6

Optik Matt ist nach Umsatz die sechstgrößte Kette in Deutschland. Das Unternehmen machte mit seinen 71 deutschen Filialen 2014 einen Umsatz von 43 Millionen Euro. Optik Matt wurde 1955 von Hannelore und Bernhard Matt in Regensburg gegründet.

Platz 4

Mit einem Jahresumsatz von 47 Millionen Euro liegt Optiker Bode auf Rang fünf. Die Kette betrieb Ende 2014 insgesamt 74 Filialen in Deutschland. Hans Bode eröffnete 1938 in Hamburg-Barmbek die erste Filiale.

Platz 4

Die Aktivoptik Service AG liegt mit einem Jahresumsatz von 48,3 Millionen Euro auf Rang vier der Liste. Inklusive Franchisepartner hatte das Unternehmen 2014 insgesamt 79 Filialen. Die erste wurde 1989 in Gensingen eröffnet. Das Unternehmen bietet mittlerweile auch Hörgeräte an.

Platz 3

Die Kette Pro Optik liegt mit 112 Millionen Euro Jahresumsatz auf dem dritten Platz in Deutschland. Inklusive Franchisepartnern hat betreibt das Unternehmen 126 Filialen. Pro Optik wurde 1985 von Rainer Hildebrandt und Peter Hoppert gegründet. Das Unternehmen hat seinen Sitz in Wendlingen und in den vergangenen Jahren ein kräftiges Wachstum bei den Filialen hinter sich.

Platz 2

Mit einem Jahresumsatz von 426 Millionen Euro ist Apollo Optik die Nummer zwei in Deutschland. Das Unternehmen betreibt mit seinen Franchisepartner die meisten Filialen in Deutschland. 2014 waren es 751. Doch am Branchenprimus in Deutschland kommt Apollo Optik beim Umsatz nicht vorbei.

Platz 1

Fielmann ist die unumstrittene Nummer eins in Deutschland. 2014 machte das Unternehmen einen Umsatz von 973 Millionen Euro mit seinen Niederlassungen in Deutschland. 582 davon betrieb die börsennotierte AG Ende 2014. Das Unternehmen wuchs damit in den vergangenen Jahren leicht. 2009 waren es noch 551 Optik-Geschäfte.

Quelle: ZVA

Im Internet eine Brille bestellen, da scheinen viele aber noch skeptisch zu sein. Der Online-Handel macht bislang nur einen kleinen Teil im Optikmarkt aus: Knapp 4 Prozent des Umsatzes seien vergangenes Jahr online gemacht worden, schätzt der ZVA. Auf Kontaktlinsen entfällt davon fast die Hälfte. Und der Online-Handel ist zuletzt auch langsamer gewachsen. Läuft es online also doch schlechter als von manchen gehofft?

Neben Händlern, die Marken anbieten, werben Start-ups nun jedenfalls auch mit günstigen Eigenproduktionen. So etwa die Schweizer Firma Viu. Und auch Ace & Tate. Vor drei Jahren gründete Mark de Lange das niederländische Start-up. Er sei in New York gewesen und habe ein Brillengestell gekauft – zurück daheim wollte er sich Gläser einsetzen lassen. „Ich habe unglaublich viel für das Gestell gezahlt. Und dann noch einmal unglaublich viel für die Gläser“, sagt er. Brillenpreise seien sehr intransparent – obwohl das Produkt gar nicht so kompliziert und teuer sei.

Sein Unternehmen designt die Gestelle selbst, lässt sie extern produzieren und verkauft sie dann an Kunden. Zum Preis von 98 Euro, inklusive Gläsern. Wie soll das gehen? Sie hätten bestimmte Schritte, an denen normalerweise andere Leute mitverdienten, einfach ausgelassen, sagt de Lange. Es gebe keinen Lizenzgeber, der seine Marke verkaufe, und keinen Großhändler. Und bei den Gläsern gibt es eine Standardvariante, keine größere Auswahl.

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