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11.07.2014

09:52 Uhr

Onlinehändler

Amazon beantragt Auslieferung per Drohne

Paket per Drohne: Diese Vision könnte bald Wirklichkeit werden. Amazon hat eine entsprechende Genehmigung bei der US-Flugaufsicht beantragt. Die ist zwar skeptisch – doch Amazon hat ein starkes Druckmittel.

So könnten uns künftig Pakete von Amazon geliefert werden: per Drohne. Reuters

So könnten uns künftig Pakete von Amazon geliefert werden: per Drohne.

Seattle Der US-Onlineeinzelhändler Amazon will in seiner Heimatstadt Seattle offenbar ernst machen mit der Kundenauslieferung per Drohne. Die US-Flugaufsicht hat in dieser Woche ein Schreiben von Amazon auf einer Regierungswebseite veröffentlicht, in dem die Ausweitung eines Feldversuchs zum Betrieb von zivilen Drohnen für die Kundenbelieferung beantragt wird. Bislang testet Amazon die Drohnen lediglich auf dem Gelände eines eigenen Forschungslabors in Seattle, hieß es darin.

Geplant ist laut dem Schreiben die Auslieferung von Bestellungen, die weniger als 2,3 Kilogramm wiegen, mittels ziviler Drohen. Die unbemannten Fluggeräte sollen Geschwindigkeiten von bis zu 80 Stundenkilometern erreichen. Ziel sei die schnellere Belieferung des Kunden. Etwa 86 Prozent der Amazon-Bestellungen sind leicht genug, um auf diese Weise ausgeliefert zu werden, wie Amazon in dem Schreiben feststellte. Mit mehr als 27 Kilogramm Gewicht sind die Drohnen schwerer als ähnliche Fluggeräte, die man heute kaufen kann.

Aufstieg mit Schattenseiten: Wie funktioniert Amazon?

Wie fing Amazon an?

Jeff Bezos gründete amazon.com im Jahr 1995. Den deutschen Ableger amazon.de gibt es seit 1998. Groß wurde das Unternehmen mit dem Versand von Büchern, Videos und Musik-CDs. Seit dem Jahr 2000 können auch fremde Händler ihre Produkte bei Amazon anbieten. Mittlerweile macht der Konzern mit Sitz in Seattle zwei Drittel seines Umsatzes mit Waren wie Computern, Digitalkameras, Mode oder Lebensmitteln. Amazon ist auch einer der Vorreiter bei elektronischen Büchern sowie Musik- und Video-Downloads. Zweites großes Standbein neben dem Handel sind die Webservices mit dem Cloud Computing.

Wie konnte der Konzern so mächtig werden?

Amazon fährt eine riskante Wachstumsstrategie: Der Konzern lockt die Kunden mit günstigen Preisen sowie einer schnellen und vielfach kostenlosen Lieferung. Zudem investiert er kräftig, in die Versandzentren wie auch in die Entwicklung neuer Technologie. Dieser Wachstumskurs hat jedoch eine Kehrseite: Die Gewinnmargen sind eher dünn. 2012 machte Amazon einen Verlust von 39 Millionen Dollar. Im Jahr 2013 blieben unterm Strich 274 Millionen Dollar (204 Millionen Euro) – bei einem Nettoumsatz von 74,45 Milliarden Dollar im Jahr 2013.

Wie relevant ist der deutsche Markt?

Es ist der größte Auslandsmarkt. 2012 setzte Amazon hierzulande 8,7 Milliarden Dollar um, umgerechnet sind das derzeit etwa 6,5 Milliarden Euro. Damit lag Deutschland noch vor Japan mit 7,8 Milliarden Dollar und Großbritannien mit 6,5 Milliarden Dollar. Der wichtigste Markt überhaupt ist allerdings Nordamerika mit 34,8 Milliarden Dollar. Amazon wuchs in seiner Heimat zuletzt auch deutlich schneller als im Ausland.

Wie wichtig ist Amazon für Deutschland?

Gemessen am Einzelhandelsumsatz insgesamt ist die Rolle von Amazon überschaubar. Etwa 1,5 Prozent trägt Amazon zum Branchenumsatz von fast 428 Milliarden Euro bei. Das meiste sind jedoch Lebensmittel. Betrachtet man den Online-Handel von Unterhaltungselektronik bis hin zu Büchern, sieht die Sache ganz anders aus: Amazon hält hier fast ein Viertel des Marktes.

Wie ist der Konzern aufgestellt?

In Deutschland unterhält das Unternehmen Logistikzentren in Graben bei Augsburg, Bad Hersfeld, Leipzig, Rheinberg, Werne, Pforzheim, Brieselang und Koblenz. Dort arbeiten nach Auskunft von Amazon etwa 10.000 fest angestellte Vollzeitmitarbeiter. In Spitzenzeiten wie dem Weihnachtsgeschäft kommen in jedem dieser Zentren Tausende Saisonkräfte hinzu. Weltweit arbeiteten 124.600 Mitarbeiter (Stand: März 2014) im Unternehmen.

Die US-Flugaufsicht Federal Aviation Administration (FAA) hat bis zur Ausarbeitung eines Regelwerks für den zivilen Drohnenverkehr einen solchen komplett verboten. Zumindest vorläufig, hieß es von der FAA, soll ein Projekt wie das von Amazon beschriebene nicht genehmigt werden.

Amazon ist nach eigenen Angaben derzeit nur in der Lage, das Projekt auf dem eigenen Testgelände oder in anderen Ländern zu erproben. Das Unternehmen erhöht aber den Druck auf die US-Behörden: „Amazon möchte den Schwerpunkt. die Arbeitsplätze und die Investitionen dieses wichtigen Projektes in den USA halten und die Forschung und Entwicklung im Raum Seattle weiterführen“, hieß es in dem Schreiben, das vom Amazon-Spitzenmanager Paul Misener unterzeichnet wurde.

Amazon-Chef Jeff Bezos hatte die Idee, kleine Artikel den Kunden mit automatischen Drohnen zuzustellen, Ende vergangenen Jahres präsentiert. Inzwischen testete unter anderem auch die Deutsche Post das im kleinen Rahmen in der Firmenzentrale aus.

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