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19.01.2017

08:47 Uhr

Onlinehandel

Wie Fake-Tests die Verbraucher täuschen

VonFlorian Kolf

Viele Webseiten werben mit angeblichen Produkttests, die so nie stattgefunden haben. Sie locken damit Kunden, die auf der Suche nach Orientierung sind. Woran man seriöse Anbieter erkennt.

Eine der verdächtigen Websites, die bei der Eingabe der Suchworte „Testsieger Staubsauger“ auftaucht. Screenshot

Staubsauger.net

Eine der verdächtigen Websites, die bei der Eingabe der Suchworte „Testsieger Staubsauger“ auftaucht.

DüsseldorfDer Titel klingt vielversprechend. Die Website staubsauger.net nennt sich „Test & Ratgeber“, es werden „die besten Bodenstaubsauger“ oder „die besten Staubsauger mit Beutel“ angepriesen. Doch schon der zweite Blick macht misstrauisch. Die Liste der Produkte scheint völlig ungeordnet, es gibt keine erkennbaren Testnoten.

Die Auflösung kommt beim Klick auf den Button „Details“. Es handele sich „um eine Einschätzung unserer Autoren und Experten“, heißt es da. Ob diese angeblichen Experten das Produkt jemals wirklich in der Hand gehalten haben, ist nicht klar. Nach welchen Kriterien geprüft worden sein soll, bleibt vage.

Die Texte lesen sich stellenweise wie aus Werbebroschüren abgeschrieben. Manche Passagen dagegen sind unfreiwillig komisch: „Wir haben den Staubsauger, der in der Energieklasse B gelistet ist, auf den Prüfstein gelegt, in dem wir uns einmal ein paar Kundenrezensionen angeschaut haben.“

Es ist nicht die einzige verdächtige Website, die bei der Eingabe der Suchworte „Testsieger Staubsauger“ auftaucht. Reihenweise erscheinen in der Suchliste Seiten, die wie seriöse Testmagazine erscheinen, aber im Grunde wohl reine Verkaufsplattformen sind. „Fake-Testseiten sind am Markt leider keine Einzelfälle, sondern haben sich in den Google Suchergebnissen breit gemacht“, sagt Daniel Brückner, der sich mit seinem Blog „Toptestsieger“ auf die Enttarnung von Fake-Seiten spezialisiert hat.

Für das Portal „Testbericht.de“ hat Brückner jetzt systematisch diese angeblichen Testseiten analysiert. Er startete 100 Google-Anfrage mit jeweils der Suchbegriffskombination „Produktkategorie + Testsieger“ und überprüfte die jeweils zehn ersten Treffer in der Ergebnisliste.

Das Ergebnis ist ernüchternd: Bei 94 Prozent der ersten Suchergebnisseiten habe er mindestens eine Fake-Testseite gefunden. Dabei führten 34,6 Prozent aller Suchergebnisse auf der jeweils ersten Suchergebnisseite bei Google zu Fake-Testseiten. „Dabei ist das nur die Spitze des Eisbergs“, so Brückner. In die Wertung eingegangen seien nur Seiten, bei denen es offensichtlich ist, dass gar nicht wirklich getestet wurde.

Kommentare (23)

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Account gelöscht!

19.01.2017, 09:14 Uhr

Zum "Faken" gehören immer zwei Seiten. Der, der "fackt" und der, der sich "facken" lässt.
Es wird Zeit, dass der Deutsche Bürger seiner Selbstverantwortung nachkommt und sich mit seinen Verstand und Vernunft Sinn über eine Produkt bzw. Information erst einmal von mehrer Seiten eine Meinung einholt bevor er ein Produkt kauft bzw. einer Information glauben schenkt. Zu einen modernen aufgeklärten Vernunft und Verstand Bürger gehören die Alternativen (mehrer Informationsquellen) und keine Alternativlosigkeit (Blinder Glauben an eine Informationsquelle). Danke!

Herr Percy Stuart

19.01.2017, 10:06 Uhr

Ein sehr gutes Beispiel dafür sind z. Bsp. auch HiFi Audio- und Lautsprecherkabel.
D werden zum Teil abenteuerliche Verprechungen über angebliche Klangqualitäten von Kabeln gemacht, die den pysikalischen Tatsachen und einem Blindhörtest niemals standhalten würden.
Eine regelrechte Gelddruckmaschine für die Hersteller, die zudem, die Kabel oft billigst in „Made in P.R.C.“ andere Bezeichnung für „Made in China“ herstellen lassen und hier dann teuer an die gutgläubigen Kunden weiterverkaufen. Das gleiche Billigproduktionsprinzip wie bei Sportschuhen und „Marken“bekleidung. Das Tragische daran ist, das man als Endkunde in vielen Warenbereichen nicht einmal mehr die Alternative hat, auf inländisch produzierte Waren zurückgreifen zu können. Hier im Inland wurden über die Jahre die Arbeitsplätze vernichtet, Existenzen zerstört. Zudem nahm die Qualität der angebotenen Artikel immer mehr ab. Vieles sind nur nach materialmässig billigst produzierte Wegwerfprodukte (maximale Lebensdauer knapp über 2 Jahre), für die man aber hier im Land teuer bezahlen muss. Vergleichen Sie einfach mal ein HiFi Gerät aus den 80er Jahren mit heutigen Angeboten,

Herr Percy Stuart

19.01.2017, 10:06 Uhr

Da werden zum Teil abenteuerliche Verprechungen über angebliche Klangqualitäten von Kabeln gemacht, ...

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