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07.09.2011

13:14 Uhr

Online‐Kampf um Kunden

Textilmulti Zara greift in den USA an

VonCarina Kontio

Der weltgrößte Mode‐Einzelhändler Inditex steigt mit seiner Kette Zara in den Online‐Ring gegen die Rivalen Gap, H&M und Abercrombie & Fitch. Die Chancen stehen gar nicht schlecht.

Das Web verspricht für Zara ein dickes Geschäft. Reuters

Das Web verspricht für Zara ein dickes Geschäft.

Inditex? Den Namen kennen wohl nur die wenigsten Konsumenten. Dabei ist Inditex (Industria de Diseno Textil) der weltgrößte Modehändler, zu dessen Reich neben Massimo Dutti und Bershka die dann schon eher populäre Hauptmarke Zara gehört. Jetzt sollen auch kauffreudige Kunden in den USA shoppen, bis die Tastatur qualmt ‐ und den Rivalen Gap und Abercrombie & Fitch (A&F) ein paar Prozent Marktanteile abjagen.

Mit dem virtuellen Store betritt der Konzern, der weltweit mehr als 5.000 Ladengeschäfte in 77 Ländern betreibt, allerdings kein Neuland. Dass keine zukunftsfähige Marke mehr am Internet vorbei kommt, hat Inditex schon 2007 erkannt. Damals ging der Online‐Store von Zara Home an den Start, 2010 folgte die Marke Zara ins Netz. Sie ist online inzwischen in 16 Ländern vertreten, in denen die Kunden die bestellte Ware entweder in einer Zara‐Filiale abholen, oder sie sich nach Hause liefern lassen können. Nur eben bislang noch nicht in den USA.

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Den Anfang zum Vorstoß in Amerika macht Zara mit einem Flagship‐Store in New York ‐ mit 324 Millionen Dollar einer der teuersten Immobilien‐Deals des Landes; gemessen in Dollar pro Quadratfuß (0,09 Quadratmeter). Auf der Fifth Avenue beziehen die Spanier Räume, die zuvor von der National Basketball Association genutzt wurden. Im nächsten Jahr soll der Store eröffnen.

Mit etwa 49 Filialen, verstreut über Ost‐ und Westküste, investierte der Konzern bislang eher halbherzig in den US‐Markt. "Priorität haben momentan die Wachstumsmärkte Asien und Europa, aber mittel‐ und langfristig ist der US‐Markt ebenso interessant für uns", sagte Pablo Isla, CEO des spanischen Mutterkonzerns Inditex, in einem Gespräch mit dem Wall Street Journal (WSJ). Den Online‐Launch und die Eröffnung des Flagship‐Stores bezeichnet er als wichtigen strategischen Schritt und einen Meilenstein für das Unternehmen.

Die Macht der Bits und Bytes

„Die Mode war lange Jahre sehr vorsichtig und hat das Internet nur versuchsweise benutzt“, sagte Armado Branchini, Chef der Unternehmensberatung Intercorporate und Vorsitzender des italienischen Modeverbands Altagamma vor kurzem im Gespräch mit dem Handelsblatt. „Aber seit zwei Jahren steigt sie massiv ein.“ Die Online‐Offensive von Inditex hat zur Folge, dass der Kampf um Marktanteile in den USA schärfer wird und im Internet mittlerweile genauso intensiv ausgetragen wird wie in jeder Fußgängerzone. In Amerika konkurrieren der US‐Filialist Gap und A&F schon seit Jahren um die Kundschaft im Netz. Hier verdienen die Modekonzerne nicht schlecht, wie das Wall Street Journal schreibt. A&F erwirtschaftete zuletzt elf Prozent seines Umsatzes im Internet (Q2) und bei Gap stiegen die Umsätze im zweiten Quartal um 20 Prozent auf 309 Millionen Dollar; ihr Anteil am Gesamterlös liegt bei neun Prozent.

Zwar rückt das Textil‐Imperium Inditex keine Verkaufszahlen zu den einzelnen Ländern raus, Branchenexperten schätzen aber, dass die Gruppe derzeit 250 Millionen Euro pro Jahr mit den US-Läden
einnimmt ‐ nur ein Bruchteil des weltweiten Umsatzes von 12,5 Milliarden Euro im vergangenen Jahr. Der Online‐Handel könnte den Spaniern zusätzlich eine schöne Summe Geld in die Kasse spülen. ING Einzelhandelsanalyst Jan Meijer geht davon aus, dass sich die Umsätze in den USA bis 2014 vervierfachen lassen.

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