Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

20.03.2013

14:14 Uhr

Optimistischer Ausblick

Airlines erwarten weltweit Milliardengewinne

In ihrem Jahresausblick gibt der Weltluftfahrtverband Iata eine optimistische Prognose ab. Die Gewinne der Airlines dürften wieder zulegen. Doch einige Gefahren bedrohen die Bilanz der Fluggesellschaften.

Zur Sonne, zum Profit: Die Luftfahrtbranche wächst wieder. dpa

Zur Sonne, zum Profit: Die Luftfahrtbranche wächst wieder.

GenfTrotz gestiegener Treibstoffkosten gewinnt die internationale Luftfahrtbranche an Zuversicht. Der Weltluftfahrtverband Iata schraubte am Mittwoch seine Ergebnisprognose für dieses Jahr um rund ein Viertel nach oben. Insgesamt sollen die Airlines im laufenden Jahr einen Gewinn von 10,6 Milliarden Dollar vorweisen. Bereits im Dezember hatte die Iata die Erwartungen auf 8,4 Milliarden Dollar angehoben.

Nicht nur beim Gewinn, auch beim Umsatz legen die Airlines weltweit zu - gemeinsam kommen sie nach der Iata-Prognose auf 671 Milliarden Dollar. "Vor dem Hintergrund verbesserter Aussichten für die Weltwirtschaft, ist die Passagier-Nachfrage stark und die Frachtgeschäfte beginnen wieder zuzulegen", erläuterte Verbandschef Tony Tyler. 2012 flogen die Fluggesellschaften weltweit einen Überschuss von 7,6 Milliarden Dollar ein.

Beim Passagiergeschäft rechnet der Verband 2013 nun mit einem Zuwachs von 5,4 Prozent, nach bislang 4,5 Prozent. Auch beim Frachtverkehr, einem Barometer für das weltweite Handelsgeschäft, hellten sich die Aussichten auf: Die Iata-Prognose liegt nun bei einem Plus von 2,7 Prozent und damit beinahe doppelt so hoch wie bisher.

Wo die Luftfahrt wachsen soll

Asien

Die Airlines im asiatisch-pazifischen Raum liefern den größten Anteil am Erfolg der Branche, prognostiziert die Iata. Mit einem Gesamtgewinn von 4,2 Milliarden Dollar wurden die Erwartungen erneut erhöht. Asiatische Fluggesellschaften machen rund 40 Prozent des Lufttransport-Geschäfts aus und die Nachfrage soll weiter steigen. Um dem prognostizierten Nachfragezuwachs von 4,9 Prozent gerecht zu werden, soll auch die Kapazität um fünf Prozent steigen.

Nordamerika

Die nordamerikanischen Airlines sollen nach Iata-Prognose 2013 einen Gewinn von 3,6 Milliarden Dollar erwirtschaften. 2012 hatten sie noch einen Gewinn von 2,3 Milliarden Dollar ausgewiesen. Durch ein enges Kapazitätsmanagement und trotz der hohen Treibstoffpreise soll die Nachfrage um 1,3 Prozent steigen. Auch die Kapazität soll um 1,1 Prozent zulegen.

Europa

Die europäischen Fluggesellschaften sollen 2013 einen gemeinsamen Gewinn von 800 Millionen Dollar ausweisen. Damit können die Europäer zwar wieder in die Gewinnzone zurückkehre, mit einer Rentabilität von 0,4 Prozent schneiden die Airlines aber weiterhin im globalen Vergleich schlecht ab. Zudem bedroht die Eurokrise die Bilanz. Der europäische Heimatmarkt wird sich darum auch 2013 schwach entwickeln, prognostiziert die Iata. Dafür dürften die Langstreckenflüge in die Wachstumsmärkte die Bilanzen aufpolieren. Insgesamt soll die Nachfrage um 2,6 Prozent wachsen, die Kapazität um 2,5 Prozent.

Mittlerer Osten

Die arabischen Airlines sind schon seit Jahren auf Wachstumskurs und dürften an Bedeutung zunehmen. Die Fluggesellschaften erwarten für 2013 einen Gewinn von 1,4 Milliarden Euro, nach 900 Millionen im Jahr 2012. Als Umschlagplatz für Langstreckenflüge gewinnen Dubai und Abu Dhabi an Relevanz. Die Nachfrage soll um 13,7 Prozent zulegen, das Angebot um 12,8 Prozent. Die Profitmarge ist mit 3,4 Prozent weltweit am dritthöchsten.

Lateinamerika

Die lateinamerikanischen Airlines dürften im laufenden Geschäftsjahr einen Gewinn von 600 Millionen Dollar ausweisen. Damit fällt die Prognose um 100 Millionen Dollar schlechter aus als noch im Dezember. Damit fallen die Gewinne aber immer noch doppelt so hoch aus wie im Vorjahr. Trotz der hohen Volatilität der Heimatmärkte geht die Iata von einem Nachfragewachstum von 8,1 Prozent aus, obwohl die Kapazität nur um 6,7 Prozent steigen dürfte.

Afrika

Auch die afrikanischen Airlines dürften nach einem Verlust von 100 Millionen Dollar im Jahr 2012 wieder in die Gewinnzone zurückkehren. Für 2013 erwartet die Iata einen Gesamtgewinn von 100 Millionen Dollar. Die Nachfrage soll um 6,5 Prozent steigen, die Kapazität um 6,4 Prozent.

Sämtliche Prognosen beruhten aber auf der Annahme weiterer Stabilität in der Euro-Zone, betonte der Branchenverband. „Die Zusagen der Europäischen Zentralbank und die langsame wirtschaftliche Erholung der US-Wirtschaft sollte zu einem dauerhaften aber schwachen Aufschwung führen", sagte Tyler. Gegenwärtig riskiere die Währungsgemeinschaft aber ein Wiederauflodern der Krise wegen Zypern.

Die Treibstoffkosten werden die Airlines aber auch im neuen Jahr belasten. Die Iata erwartet einen Anstieg der Kerosinpreise auf 130 Dollar pro Barrel, noch im Dezember war der Verband von 124,3 Dollar pro Barrel ausgegangen. Damit steigen die gesamten Treibstoffkosten der Branche auf 216 Milliarden Dollar - und machen damit ein Drittel aller Airline-Kosten aus.

Dafür soll die Effizienz der Branche steigen. Konsolidierung und Joint-Ventures hätten die Unternehmen in den vergangenen Jahren rentabler gemacht. Die Auslastung dürfte von 76,1 Prozent im Jahr 2006 auf 79,8 Prozent im Jahr 2013 steigen.

"Der einzige Weg aus den derzeitigen wirtschaftlichen Schwierigkeiten ist Wachstum", sagt Tyler. Erneut kritisierte der Verbandschef daher die wachsenden Kosten durch neue Passagierrechte in Europa. Zum 1. April sollen zusätzlich die Flugsteuern angehoben werden. Auch die nach dem US-Fiskalstreit zu erwartenden Kürzungen bei der Flugsicherung und der Grenzkontrolle würden mehr neue Kosten verursachen. Die staatlichen Abgaben seien bei einer Profitmarge von 1,6 Prozent eine Gefahr für die Airline. "Der Puffer zwischen Gewinn und Verlust ist sehr klein", sagte Tyler.

Die größten Fluggesellschaften der Welt

Platz 10

US Airways (USA) - 66 Millionen Passagiere

Durch die Fusion mit American Airlines steigt die Fluggesellschaft ab Herbst 2013 zur größten der Welt auf. Im vergangenen Jahr schaffte die Airline nur knapp den Sprung in die Top Ten.

Platz 9

China Eastern Airlines (China) - 73 Millionen Passagiere

Mitte 2011 wurde die chinesische Airline ins SkyTeam aufgenommen. Die 285 Flugzeuge steuern im wesentlichen Ziele im Inland an, aber auch Flughäfen in Nordamerika, Europa und Australien. Größter Anteilseigner der Fluggesellschaft ist die chinesische Regierung.

Platz 8

Air France-KLM (Frankreich) - 77 Millionen Passagiere

Die Franzosen leiden unter dem schwachen Geschäft in Europa. Billig-Airlines und Kerosinpreise verhageln das Geschäft. Darum wurde zuletzt sogar eine Kooperation mit dem aufstrebenden arabischen Konkurrenten Etihad eingegangen, um der Lufthansa ihren Spitzenplatz abzujagen.

Platz 7

Ryanair (Irland) - 79 Millionen Passagiere

Ryanair-Chef Michael O'Leary ist berühmt für seine ausgeflippten Auftritte. Durch seine Billigstrategie sind die Iren mittlerweile die größte Fluggesellschaft Europas. Zuletzt wollten die Iren erneut den heimischen Konkurrenten Aer Lingus übernehmen.

Platz 6

China Southern Airlines (China) - 87 Millionen Passagiere

Asiens größte Fluggesellschaft verfügt über eine Flotte von 360 Maschinen - darunter auch ein Airbus A380. Damit soll die Expansion noch lange nicht abgeschlossen sein, die Flotte soll in den kommenden Jahren um 121 Flugzeuge ausgebaut werden.

Platz 5

Lufthansa (Deutschland) - 103 Millionen Passagiere

Die größte deutsche Fluggesellschaft macht rund 75 Prozent ihrer Umsätze im Passagiergeschäft. Besonders das Geschäft in Europa sorgte zuletzt aber für Millionenverluste. Viele europäische Strecken wurden darum auf die Billigtochter Germanwings umgestellt.

Platz 4

American Airlines (USA) - 108 Millionen Passagiere

Ende 2011 musste die Fluggesellschaft noch Insolvenz anmelden - bald könnte sie durch die Fusion mit US Airways zur größten der Welt aufsteigen.

Platz 3

Southwest Airlines (USA) - 109 Millionen Passagiere

Die bunten Texaner sind die größte Inlandsfluggesellschaft der Welt. Nachdem die Passagierzahl in der Finanzkrise zuletzt heftig gesunken war, erreichte sie 2012 wieder ein Rekordniveau weit über der 100-Millionen-Marke.

Platz 2

United Continental (USA) - 140 Millionen Passagiere

Die Airline aus Chicago verpasst den Spitzenplatz nur knapp. Als Mitglied der Star Alliance ist United auch ein wichtiger Partner der Lufthansa.

Platz 1

Delta Airlines (USA) - 165 Millionen Passagiere

Die Amerikaner sind noch die größte Fluggesellschaft der Welt - müssen ihren Titel aber bald abgeben. Durch die Fusion von American Airlines und US Airways dürfte Delta als größte Fluggesellschaft abgelöst werden. 752 Flugzeuge gehören zur Flotte, weitere 125 sind bestellt.

Kommentare (2)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Account gelöscht!

20.03.2013, 16:38 Uhr

Komisch, als Schlagzeile in meinem örtlichen Tagesschmieranzeiger stand heute "Autoabsatz auf historischem Tief- Winterkorn sieht äußerst schwierige mittelfristige Zukunft."

Entweder verstehe ich keinerlei wirtschaftliche Zusammenhänge mehr oder die Flugreisen werden in Zukunft vom Sozialstaat gezahlt. Anders kann ich mir den optimistischen Ausblick nicht erklären..

RobR

25.03.2013, 15:44 Uhr

In Europa sind die Aussichten keineswegs so rosa. Einseitige Belastungen wie Luftverkehrssteuer in Deutschland, CO2-Abgaben und völlig überhöhte und überzogene Kompensationssummen, kombiniert mit Nachtflugverbote sorgen für einen wesentlich trüberen Ausblick. Während andere Staaten ihr Airlines hätscheln, werden sie hier als Melkküge angesehen.
In Deutschland und Europa sind mittlerweile eine ganze Reihe Airlines in die Insolvenz getzrieben worden: Hamburg Airlines, Spanair, Malev, Cirrus Airlines, bmi, ContactAir, OLT-Express, bei Augsburg Airways ist die Betriebsschließung beschlossen. Die SAS fliegt noch, wie lange weiss niemand. Air Berlin nagt am Hungertuch und für Lufthansa hängen die Trauben ebenfalls ziemlich hoch. Dasselbe Bild bei fast allen Airlines in Europa, lediglich die "Lowcoster" kommen einigermßen über die Runden, nicht zuletzt aufgrund versteckte Subventionen und zu Lasten des Personals.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×