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08.03.2006

13:01 Uhr

Ordentliche Bilanz 2005

Air Berlin geht an die Börse

Deutschlands zweitgrößte Fluggesellschaft nach der Lufthansa, Air Berlin, zieht es an die Börse. Der Zeitpunkt scheint günstig, denn das Geschäft brummt. Es bleiben allerdings noch etliche Fragen offen.

Über mangelnden Zuspruch von Kundenseite kann sich Air Berlin nicht beschweren. Foto: dpa

Über mangelnden Zuspruch von Kundenseite kann sich Air Berlin nicht beschweren. Foto: dpa

HB BERLIN. „Die Würfel sind gefallen. Weil wir unsere Marktchancen wahrnehmen wollen, gehen wir an die Börse“, sagte Air-Berlin-Chef Joachim Hunold am Mittwoch in Berlin auf der Reisemesse ITB. Die bisherigen Gesellschafter hätten am Vorabend diesen Schritt beschlossen. Die Vorbereitungen seien schon weit fortgeschritten. Das Eigenkapital sei um 130 Mill. erhöht worden. Zeitpunkt und Umfang des Börsengangs seien allerdings noch offen. Das Handelsblatt hatte schon im Januar aus Bankenkreisen erfahren, Air Berlin wolle noch vor der Sommerpause den Sprung aufs Parkett wagen.

Air Berlin sei inzwischen in eine britische Aktiengesellschaft umgewandelt worden, strebe aber eine Notierung im Premium Standard der Frankfurter Börse an, sagte Hunold weiter. Die bisherigen Gesellschafter, darunter auch Hunold selbst, wollten nach dem Börsengang Aktionäre des Unternehmens bleiben. Er rechne damit, dass der Billigflugmarkt in Europa seinen Anteil am Gesamtmarkt in den nächsten Jahren nochmals verdoppeln werde, sagte Hunold zu den Chancen des Börsenkandidaten.

Zumindest im vergangenen Jahr lief es für Air Berlin nicht schlecht. Der Umsatz legte um 17 Prozent auf 1,22 Mrd. Euro zu, die Passagierzahl stieg um 12,5 Prozent auf 13,5 Mill. gesteigert. Den Gewinn nannte Hunold jedoch nicht, lediglich das wenig aussagekräftige Ebitdar, das operative Ergebnis vor Zinsen, Steuern, Abschreibungen und Leasingkosten. Hier nannte Air Berlin 153 Mill. Euro, 13 Prozent mehr als im Jahr zuvor. Die Nachrichtenagentur Dow Jones Newswires erfuhr jedoch aus Unternehmenskreise, es sei ein positives Jahresergebnis erreicht worden. 2004 hatte Air Berlin von einem einstelligen Millionen-Euro-Überschuss gesprochen. Die Fluggesellschaft ist innerhalb weniger Jahre vom Charter-Anhängsel deutscher Reisekonzerne zu einer führenden Kraft in Europas Billigflugmarkt aufgestiegen.

Der Börsengang soll das Wachstum weiter vorantreiben. Insgesamt soll die Emission bis zu 700 Mill. Euro einspielen, hieß es in Bankenkreisen Mitte Januar. Damit würde Air Berlin zu den größeren Börsengängen 2006 zählen. Im Vorjahr gab es in Deutschland mit dem Bezahlsender Premiere, der Heimwerkerkette Praktiker und dem Turbinenhersteller MTU lediglich drei Neuemissionen mit einem Volumen von mehr als 500 Mill. Euro.

Morgan Stanley und die Commerzbank sollen den Börsengang nach früheren Handelsblatt-Informationen betreuen. Die Mandatsvergabe kommt für Branchenkenner überraschend, weil Air Berlin bisher sehr eng mit der UBS zusammengearbeitet hat. Wegen der anziehenden Kurse halten Finanzmarktexperten das Klima für Börsengänge zwar für günstig. Potenzielle Investoren sahen aber bisher einen Hemmschuh darin, dass das Unternehmensgebilde Air Berlin kaum zu durchschauen ist. Inzwischen sollen die Beraterbanken eine klarere Struktur durchgesetzt haben, hieß es in Unternehmenskreisen.

Geschäftsführer Joachim Hunold ist mit 5 Prozent an Air Berlin beteiligt, weitere Anteile halten die Privatinvestoren Kim Lundgren, Hans-Joachim Knieps, Severin und Rudolf Schulte, Werner Huehn sowie Johannes Zurnieden.

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