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04.12.2014

19:38 Uhr

Pakete bleiben liegen

Verdi zeigt Post vor Nikolaustag die Rute

Am Samstag könnte es bei der Deutschen Post zu Beeinträchtigungen der Paket-Auslieferung kommen – ausgerechnet am Nikolaustag. Der Grund: In 31 der bundesweit 33 Paketzentren werden Betriebsversammlungen abgehalten.

Pakete der Deutschen Post könnten vereinzelt später zugestellt werden. dpa

Pakete der Deutschen Post könnten vereinzelt später zugestellt werden.

DüsseldorfPaketzustellungen durch die Deutsche Post könnten sich am Nikolaustag verzögern. In 31 der bundesweit 33 Paketzentren des Bonner Konzerns sollen der Gewerkschaft Verdi zufolge am Freitag zwischen 18 und 21 Uhr Betriebsversammlungen abgehalten werden, sagte ein Gewerkschaftssprecher am Mittwoch. Die dreistündigen Treffen könnten zu einem „Stau in der Paket-Logistik“ und damit zu Beeinträchtigungen der Paket-Auslieferung am Samstag, dem Nikolaustag, führen. Eine Post-Sprecherin räumte ein, durch die Versammlungen seien „Verzögerungen an einzelnen Standorten“ möglich. Der Konzern werde aber alles für eine rasche Auslieferung der Pakete tun.

Bei den Betriebsversammlungen soll auch eine von Verdi heftig kritisierte Zunahme befristeter Beschäftigungsverhältnisse erörtert werden. Der Bonner Konzern treibe die Zahl der befristet beschäftigten Mitarbeiter systematisch in die Höhe, hatte die stellvertretende Verdi-Bundesvorsitzende Andrea Kocsis erst im November in einem Gespräch mit der Nachrichtenagentur Reuters kritisiert: „Die Post nutzt dabei das Teilzeit- und Befristungsgesetz in skandalöser Weise aus.“ Derzeit seien rund 24.000 Menschen befristet beschäftigt, das entspreche einem Anteil von 18 Prozent bei 131.000 Beschäftigten im Brief- und Paketbereich.

Wo Pakete am Wunschtermin kommen

Deutsche Post DHL

Die Deutsche Post will künftig allen Paketempfängern den Lieferzeitpunkt auf vier Stunden genau mitteilen. Kunden erhalten am Vortag der Zustellung eine E-Mail, in der das Zeitfenster genannt wird. Dafür gibt der Absender des Pakets, zum Beispiel ein Onlineshop die E-Mail-Adresse des Empfängers an DHL weiter. Über das Portal Paket.de können Empfänger auch Wunschtag und Wunschort für die Lieferung festlegen, müssen sich hierfür allerdings registrieren. DHL bietet Versendern außerdem kostenpflichtig an, Pakete per Expresszustellung vor einer bestimmten Uhrzeit zu liefern. Bei den Selbstbedienungs-Packstationen des Konzerns können Kunden rund um die Uhr ihre Lieferungen abholen.

GLS

Der Paketlieferant kann den Zustellzeitpunkt für Empfänger zwischen einer und vier Stunden eingrenzen - je nachdem, wie dicht besiedelt das Liefergebiet ist. Meist kann das Unternehmen nach eigenen Angaben den Liefertermin auf zwei Stunden genau vorhersagen. Das Angebot ist für den Versender kostenfrei. Kann ein Paket weder dem Empfänger direkt zugestellt, noch einem Nachbarn übergeben werden, geht es zur Abholung durch den Kunden in einen Paketshop.

DPD

DPD bietet Versendern die kostenpflichtige Möglichkeit, ein Zeitfenster für Paketlieferungen festzulegen. Dieses Zeitfenster beläuft sich nach Angaben des Unternehmens „auf bis zu drei Stunden“, soll aber künftig nur noch 30 Minuten betragen. Empfänger werden am Zustelltag per SMS oder E-Mail über den erwartbaren Zustellzeitpunkt informiert. Alternativ bietet DPD Empfängern an, sich Pakete in einen DPD-Paketshop in der Nähe schicken zu lassen anstatt an die eigene Adresse.

UPS

Der Paketdienst UPS nennt Empfängern bei Standardsendungen kein bestimmtes Zeitfenster für die Lieferung. Die Zustellung erfolgt demnach "üblicherweise zwischen 09.00 und 17.00 Uhr (und manchmal später) an Privathaushalte". Bis zu drei Zustellversuche würden unternommen, Wochenenden und Feiertage sind bei der Zustellung ausgeschlossen. Als Service können Versender die Expresszustellung vor einer bestimmten Uhrzeit hinzu buchen, wie etwa vor 09.00 Uhr oder vor 10.30 Uhr, ebenso wie teils auch die Samstagszustellung.

Hermes

Der Zustelldienst des Versandhändlers Otto will Empfängern ab kommendem Jahr auf ein bis zwei Stunden genau mitteilen, wann sie beliefert werden. Auch will das Unternehmen künftig verstärkt nach Feierabend liefern, wie Hermes-Chef Hanjo Schneider dem "Handelsblatt" im Februar sagte. Bislang liefert Hermes nach eigenen Angaben von montags bis samstags zwischen acht und 20.00 Uhr. Ein bestimmtes Zeitfenster für die Lieferung ist nach Firmenangaben bislang nicht möglich. Auch Hermes leitet Sendungen auf Wunsch der Empfänger in Paketshops weiter.

Der Post zufolge sind rund 14.700 Menschen befristet beschäftigt, dazu kämen rund 9000 saisonale Arbeitskräfte. Die Post stockt die Mitarbeiterzahl in den Verteilzentren traditionell zur Weihnachtszeit auf, um die dann brandende Paketflut besser bewältigen zu können.

Auf den Konzern könnten 2015 weitere Auseinandersetzungen mit der Gewerkschaft zukommen. Im nächsten Jahr stehen Tarifverhandlungen für 131.000 Beschäftigte in Deutschland an. Zudem läuft der zuletzt 2011 bis Ende 2015 verlängerte Beschäftigungspakt aus, der betriebsbedingte Kündigungen verhindert. Ein Vertrag, der die Vergabe von weiteren Paketzustellbereichen an Dienstleister verbietet, endet dann ebenfalls. Konzernchef Frank Appel und Finanzchef Larry Rosen hatten mehrfach beklagt, die Kosten im Konzern stiegen zu schnell. Die Post zahle schon jetzt deutlich höhere Löhne als ihre Wettbewerber. Kocsis sieht dagegen Raum für eine Lohnerhöhung.

Von

rtr

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