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04.04.2016

19:25 Uhr

Panama Papers

Alitalia-Chef soll Briefkastenfirma geführt haben

Alitalia-Chef Luca Cordero di Montezemolo soll 2007 eine Briefkastenfirma in Panama gegründet haben. Das melden Medien unter Berufung auf die sogenannten Panama Papers. Montezemolo war früher Chef von Fiat und Ferrari.

Wird es jetzt eng für Luca Cordero di Montezemolo? Der Chef der Fluglinie Alitalia und frühere Boss von Fiat und Ferrari soll eine Briefkasten-Firma in Panama geführt haben. AP

Luca Cordero di Montezemolo

Wird es jetzt eng für Luca Cordero di Montezemolo? Der Chef der Fluglinie Alitalia und frühere Boss von Fiat und Ferrari soll eine Briefkasten-Firma in Panama geführt haben.

RomVon den Enthüllungen über Briefkastenfirmen in Panama sind laut Medienberichten auch etwa 1000 Italiener betroffen, darunter Alitalia-Chef Luca Cordero di Montezemolo. Dieser habe eine 2007 in Panama gegründete Firma namens Lenville geführt, meldete das Magazin „L'Espresso“ am Montag unter Berufung auf die sogenannten Panama Papers.

Montezemolo war damals Chef von Fiat und Ferrari. Nach Angaben des Magazins wollte er sich zu dem Bericht nicht äußern.

Ein internationaler Verbund investigativer Journalisten hatte vertrauliche Daten der Beratungsfirma Mossack Fonseca zu mehr als 200 000 sogenannter Offshore-Firmen durchkämmt. Die Gründung solcher Briefkastenfirmen ist zwar legal, sie werden aber häufig genutzt, um Vermögen vor Steuer- und Finanzbehörden zu verstecken.

Fragen und Antworten zu den Panama Papers

Welchen Umfang hat das Datenleck?

214.488 Offshore-Firmen, 11,5 Millionen Akten und Daten mit einer Masse von 2,6 Terabyte: Die sogenannten Panama Papers haben dubiose Finanzgeschäfte unfassbaren Ausmaßes offengelegt. Aktive und frühere Staatschefs, Prominente, Spitzensportler und Kriminelle sollen Banken, Anwaltskanzleien und Briefkastenfirmen genutzt haben, um ihr Vermögen in der Ferne zu verstecken.

Was sind Offshore-Konten?

Offshore-Bankkonten und Finanzgeschäfte in anderen Ländern können dazu genutzt werden, Regulierungsaufsichten und Steuerverpflichtungen zu umgehen. Unternehmen und Privatpersonen gebrauchen Strohfirmen, die zunächst mit keinen bedeutenden Vermögenswerten oder Tätigkeiten verbunden sind, häufig zum Verschleiern des Besitzes der beteiligten Mittel.

Wo befinden sich die meisten Offshore-Konten?

Panama, die karibischen Kaimaninseln und die Bermudas zählen zu mehr als einem Dutzend kleinen Steueroasen, die darauf spezialisiert sind, die Geschäfte und Investitionen von nicht ansässigen Unternehmen zu regeln.

Wie sieht die Rechtslage aus?

Firmen oder Konzerne können sich nach Angaben der Arbeitsgruppe für finanzielle Maßnahmen gegen Geldwäsche (FATF) in Offshore-Standorten niederlassen, um dort ganz legitim Geschäftsfinanzen sowie Fusionen und Übernahmen abzuwickeln oder Steuerplanungen vorzunehmen.

Wozu dürfen Offshore-Konten nicht verwendet werden?

Strohfirmen und vergleichbare Körperschaften können von Terroristen und anderen Kriminellen missbraucht werden, um die Herkunft von Geld und Besitz zu verschleiern. Nach Angaben des ICIJ enthalten die Akten von Mossack Fonseca Informationen von 214.488 Offshore-Einheiten, die in Verbindung mit 14.153 Kunden in 200 Ländern und Regionen stehen.

Was wird gegen Steueroasen unternommen?

Die Arbeitsgruppe für finanzielle Maßnahmen gegen Geldwäsche und andere Regulierungsbehörden veröffentlichen Gutachten, in denen sie Schwachstellen des Kampfes gegen Geldwäsche und Terrorfinanzierung durch bestimmte Länder und Regionen aufdecken. Weil Anwälten und Bankern in manchen Fällen nicht bewusst ist, dass sie es mit verbotenen Transaktionen zu tun haben, werden Finanz- und Rechtsprofis darin geschult, mögliche Verstöße zu erkennen. Die EU hat ihre Bemühungen hochgefahren, Steuerhinterziehung von multinationalen Konzerne zu verhindern.

Wer war an früheren Offshore-Skandalen beteiligt?

Das vielerorts gesetzlich geschützte Bankgeheimnis sorgt häufig dafür, dass Offshore-Geschäfte im Unklaren bleiben. Die Enthüllung anderer durchgesickerter Dokumente durch das ICIJ und anderer Organisationen brachten Ende 2014 allerdings Steuer-Deals an die Öffentlichkeit, die Luxemburg multinationalen Unternehmen und ultrareichen Einzelpersonen angeboten hat. In den 1980er Jahren war es die von einem pakistanischen Geldgeber gegründete und international tätige Bank of Credit and Commerce International, die in weitreichende Geldwäsche und eine Reihe anderer illegaler Finanzgeschäfte verwickelt war.

Laut „L'Espresso“ tauchen in den Papieren auch die Namen der Banken UniCredit und Ubi Banca auf. UniCredit soll Mossack Fonseca genutzt haben, um 80 Offshore-Firmen zu managen. 2010 soll sich die Bank dann von den Geschäften distanziert haben. Die Bank reagierte mit der Erklärung, dass Mossack Fonseca „nicht als Finanzberater der Gruppe auftauchte“.

Laut „L'Espresso“ soll Ubi Banca Verbindungen zu etwa 40 Offshore-Firmen in Panama und auf den Seychellen gehabt haben. Die Bank erklärte, man habe keine Töchter in diesen Ländern und habe Kunden stets in Einklang mit geltenden Regeln unterstützt.

Von

ap

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