Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

13.02.2013

21:37 Uhr

Pannen-Airport

Neuer Flughafenchef ist nicht in Sichtweite

Der Aufsichtsrat des neuen Hauptstadtflughafens hat getagt und präsentiert einen Namen: Wilhelm Bender. Der Ex-Fraport-Chef wird jedoch nur Berater und nicht neuer Geschäftsführer. Die Suche kann noch lange dauern.

Ex-Fraport-Chef Wilhelm Bender wird Berater des Hauptstadtflughafens. dpa

Ex-Fraport-Chef Wilhelm Bender wird Berater des Hauptstadtflughafens.

BerlinDer frühere Frankfurter Flughafenchef Wilhelm Bender wird Chefberater für die Geschäftsführung des noch unfertigen Hauptstadtflughafens Berlin Brandenburg. Das sagte Aufsichtsratschef Matthias Platzeck (SPD) am Mittwoch am Rande einer Sitzung des Kontrollgremiums. Bender werde sich künftig mindestens zwei Tage pro Woche in Berlin aufhalten.

Der 68-Jährige war als neuer Geschäftsführer für die Berliner Flughafengesellschaft im Gespräch, hatte diese Aufgabe aber abgelehnt. Die Führungsfrage bei der Flughafengesellschaft bleibt damit weiter offen. Der Ex-Fraport-Chef soll die Zeit überbrücken, bis ein neuer Geschäftsführer gefunden ist. Dies werde „einen längeren Zeitraum“ in Anspruch nehmen, sagte Platzeck.

Die Schlüsselfiguren des Flughafenbaus

Rainer Schwarz

Der ehemalige Sprecher der Flughafen-Geschäftsführung war monatelang unter Beschuss. Er soll den Aufsichtsrat zu spät und unvollständig über die Riesenprobleme mit der Gebäudetechnik informiert haben. Mitte Januar musste Schwarz gehen.

Horst Amann

Der Technikchef und erfahrene Planungsmanager wurde im August als Retter des Projekts aus Frankfurt nach Berlin geholt. Er versprach die Flughafeneröffnung im Oktober 2013, konnte das aber nicht halten.

Klaus Wowereit

Der regierende Bürgermeister von Berlin ist nach massiven Attacken als Chef des Flughafen-Aufsichtsrats zurückgetreten. Im Aufsichtsrat sitzt er jedoch nach wie vor. Die Opposition aus Grünen, Linken und Piraten im Berliner Abgeordnetenhaus hatte einen Misstrauensantrag wegen des Flughafen-Desasters gegen Wowereit eingebracht, der jedoch scheiterte.

Matthias Platzeck

Der brandenburgische Ministerpräsident war zuerst Stellvertreter Wowereits im Aufsichtsrat und folgte ihm Mitte Januar als Chefaufseher. Angesichts der schwierigen Lage stellte Platzeck im brandenburgischen Landtag die Vertrauensfrage.

Peter Ramsauer

Der Bundesverkehrsminister hat in der Krise die Rolle des drängenden Aufklärers eingenommen. Im Ministerium richtete er eine Sonderkommission ein. Ramsauer verlangte massiv die Ablösung des ehemaligen Flughafenchefs Schwarz.

Rainer Bomba

Der Staatssekretär im Bundesverkehrsministerium ist Ramsauers Mann im Aufsichtsrat. Die Entscheidungen zu den Terminverschiebungen trug er ebenso mit wie die Erhöhung des Kostenrahmens um 1,2 Milliarden Euro.

Die Flughafengesellschaft sucht derzeit einen Personalberater, der Kandidaten für den Posten des zukünftigen Geschäftsführers vorschlagen soll. Entscheidungskompetenz habe Bender nicht, sagte Platzeck. Aber er ergänzte: „Wir wollen seinen Rat. Und weil wir das wollen, ist das prägend für das, was er tun kann und tun wird.“ Den langjährigen Chef Rainer Schwarz hatte der Aufsichtsrat im Januar rausgeworfen. Wegen der Probleme mit der Brandschutzanlage ist die Eröffnung des neuen Flughafens auf unbestimmte Zeit verschoben worden.

Zugleich bestätigte Platzeck, dass der Flughafen Berlin-Tegel mit bis zu 20 Millionen Euro modernisiert werden soll. Der Flughafen-Aufsichtsrat habe Investitionen „zwischen 10 und 20 Millionen Euro ins Auge gefasst“, sagte Platzeck in Schönefeld. Details sollen in der nächsten Sitzung am 8. März festgelegt werden.

Kommentar: Berlins neuer Flughafenchef hat nichts zu verlieren

Kommentar

Berlins neuer Flughafenchef hat nichts zu verlieren

Die Suche geht weiter: Wilhelm Bender wird nur Berater und nicht Chef des Pannen-Airports. Es gibt offenbar keinen unbeliebteren Posten als den des Flughafenchefs von Berlin. Dabei kann der neue Boss doch nur gewinnen.

Tegel trägt bis zur Eröffnung des Hauptstadtflughafens in Schönefeld die Hauptlast des Berliner Luftverkehrs. Vor der Aufsichtsratssitzung war über eine Summe von bis zu 50 Millionen Euro für Tegel spekuliert worden. Während Fluggesellschaften eine zügige Sanierung forderten und jegliche Kapazitätseinschränkungen ablehnten, warnten Anwohner vor Sicherheitsrisiken durch einen möglichen Ausbau. Der Airline-Verband Barig teilte dagegen mit: „Die Fluggesellschaften erwarten auch in Tegel reibungslose Abläufe und eine einwandfreie Infrastruktur.“ Leistungsminderungen seien nicht weiter hinnehmbar.

Das Kontrollgremium der staatlichen Betreibergesellschaft wollte auch die Bestandsaufnahme auf der Baustelle vorantreiben und erwartete dazu Antworten des Technikchefs Horst Amann. Zudem sollte es dem Vernehmen nach um eine neue Kostenschätzung gehen. Vom Baustart 2006 bis zum vergangenen Herbst waren die Kosten von 2 auf 4,3 Milliarden Euro gestiegen. Es wurde im Vorfeld jedoch nicht erwartet, dass die Verantwortlichen nach vier geplatzten Terminen einen neuen Eröffnungstermin nennen - zu groß sind die Planungsfehler, Baumängel und Technikprobleme.

Thema der Politiker - neben Platzeck auch Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) und der Verkehrsstaatssekretär des Bundes, Rainer Bomba (CDU) - waren auch Planänderungen am Neubau. Zu einem möglichen Anbau am Terminal C, das der größte Kunde Air Berlin nutzt, gab es noch keine Entscheidung. Dagegen gibt es in der rot-roten Koalition in Brandenburg Widerstand.

Offen bleibt auch, ob vor der Eröffnung die nördliche Start- und Landebahn saniert und die Kapazität des Flughafens erweitert wird, etwa durch weitere Gepäckbänder und Abfertigungsschalter innerhalb des Terminals. Hier will der Aufsichtsrat erst eine neue Verkehrsprognose abwarten. „Klar ist: Wir werden keine unnötigen Risiken im Hinblick auf die Eröffnung des BER eingehen“, sagte Platzeck.

Die Starttermine für den Flughafen BER

30. Oktober 2011

Dieser Termin wird 16 Monate zuvor gekippt. Begründung: Neue Sicherheitsvorschriften und die Pleite zweier Planungsfirmen. Tatsächlich ist der Bau schon ein Jahr im Rückstand.

3. Juni 2012

Nur vier Wochen vorher wird der Start abgeblasen. Begründung: Die Brandschutzanlage funktioniere nicht. Tatsächlich ist in dem Neubau noch viel mehr nicht fertig.

17. März 2013

Dieses neue Datum wird nach neuerlicher Verschiebung im Mai 2012 genannt und einen Monat später schon wieder in Zweifel gezogen. Anfang September wird klar: Auch dieser Termin wird nicht zu halten sein.

27. Oktober 2013

Nach einer Analyse des neuen Technikchefs Horst Amann legt der Aufsichtsrat diesen Termin am 7. September als neuen Eröffnungstag fest.

Frühestens 2014

Anfang Januar 2013 wurde bekannt, dass auch der Termin im Herbst des Jahres nicht zu halten sein wird. Frühestens 2014 wird das Großprojekt nun seiner Bestimmung übergeben werden können.

Kommentare (1)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Numismatiker

13.02.2013, 18:37 Uhr

Wer tut sich dieses Desaster denn freiwillig an.

"Geschäftsführer BER": das ist so ziemlich das Letzte, was man in seinem Lebenslauf gebrauchen kann.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×