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08.12.2014

20:17 Uhr

Pannenflughafen

BER-Chef Mehdorn vor dem Abflug

ExklusivBerlin und Brandenburg haben genug von Hartmut Mehdorn. Der Manager der Flughafenbaustelle BER steht vor der Ablösung. Headhunter sind auf der Suche nach einem Nachfolger – und haben konkrete Namen auf dem Zettel.

BER-Chef Hartmut Mehdorn: Sein Vertrag läuft noch bis Februar 2016.

BER-Chef Hartmut Mehdorn: Sein Vertrag läuft noch bis Februar 2016.

BerlinDie Tage von Hartmut Mehdorn als Chef des Berliner Pannenflughafens BER scheinen gezählt zu sein. Zwei der drei Eigentümer, die Länder Berlin und Brandenburg, haben die aktive Suche nach einem Nachfolger für den umstrittenen Airport-Manager gestartet.

Nach Informationen des Handelsblatts wurde bereits ein Headhunter eingeschaltet. Ein erstes Gespräch mit einem potentiellen Kandidaten wollen Dietmar Woidke, der Ministerpräsident von Brandenburg, und der designierte Berliner Regierungschef Michael Müller am 15. Dezember führen, hieß es in Unternehmenskreisen. Genannt wird dabei der Name von Michael Garvens, Chef des Flughafens Köln-Bonn.

So stiegen die Kosten des neuen Hauptstadtflughafens

Mehrkosten und kein Ende in Sicht

Schon in der 15-jährigen Planungsphase stiegen die Kosten für den neuen Hauptstadtflughafen in Schönefeld. Nach Baubeginn war es nicht anders. Ein Überblick über die Entwicklung:

September 2006

Erster Spatenstich für den Airport mit einer Jahreskapazität von 22 Millionen Passagieren. Der Betreiber gibt die Kosten mit 2 Milliarden Euro an, die Bruttogeschossfläche des Terminals mit 220.000 Quadratmetern.

Juli 2007

Die Kapazität steigt auf 25 Millionen Passagiere, die Investitionssumme erreicht 2,2 Milliarden Euro. Die Fläche wächst auf 300.000 Quadratmeter.

Juni 2009

Der Flughafen wird erneut größer – und teurer: 27 Millionen Passagiere, 2,5 Milliarden Euro Investitionskosten. Für die Kredite von 2,4 Milliarden Euro bürgen Berlin, Brandenburg und der Bund.

Mai 2012

Nach der Absage der für Juni geplanten Eröffnung sickert durch, dass der Bau in Wirklichkeit mindestens 3 Milliarden Euro kostet. Dazu tragen Umbauten nach geänderten Sicherheitsbestimmungen bei, aber auch Beschleunigungsversuche auf der Baustelle. Die Terminalfläche erreicht 340.000 Quadratmeter.

September 2012

Erste Finanzspritze: Bund und Länder wollen 1,2 Milliarden Euro nachlegen, so für Baukosten, Betriebskosten des leeren Terminals und den falsch veranschlagten Schallschutz. Neuer Finanzrahmen: 4,3 Milliarden Euro.

Juni 2014

Die zweite Finanzspritze steht bevor: Der Flughafen benötigt nach eigenen Angaben weitere 1,1 Milliarden Euro, um den Bau und den Schallschutz für die Anwohner fertigzustellen. Geben die Gesellschafter das Geld frei, dehnen sie den Finanzrahmen damit auf über 5,4 Milliarden Euro aus.

Allerdings ist Garvens offensichtlich nicht der einzige Kandidat. Auch der Münchener Flughafenmanager Thomas Weyer wird genannt. Beide Namen waren bereits Anfang 2013 aufgetaucht, als ein Nachfolger für den damals geschassten Flughafenchef Rainer Schwarz gesucht wurde.

Auch die Möglichkeit, Kandidaten jenseits der Luftfahrtbranche zu finden, etwa bei Investmentbanken, werde derzeit noch untersucht, heißt es in Branchenkreisen. Mehdorns Vertrag läuft noch bis Februar 2016.

Nach Informationen der „Berliner Morgenpost“ und der Zeitung „B.Z.“ soll auch der neuer Aufsichtsratschef feststehen: Der frühere Daimler- und Rolls-Royce-Manager Axel J. Arendt soll den Posten bekommen. Das Land wolle den 65-jährigen Luftfahrt-Experten vorschlagen, schreiben die Kollegen. Der Posten wird nach dem Rückzug des Berliner Regierenden Bürgermeisters Klaus Wowereit (SPD) frei. Laut „B.Z.“ wollen Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) und Finanzminister Christian Görke (Linke) die Personalie am Dienstag im Kabinett präsentieren.

Regierungssprecher Thomas Braune wollte die Berichte so nicht bestätigen. Er sagte der Zeitung lediglich: „Die Brandenburger Landesregierung wird sich morgen mit den Fragen der Entsendung der Brandenburger Mitglieder des Aufsichtsrates beschäftigen.“ Das Gremium kommt an diesem Freitag zu seiner nächsten Sitzung zusammen.

Der amtierende BER-Chef Mehdorn hatte zuletzt seinem Ärger über mangelndes Vertrauen in seine Person in einem Wutbrief an Aufsichtsratschef  Klaus Wowereit (SPD) Luft gemacht. Darin warf er seinem Arbeitgeber „Misstrauenskultur“ und „Zynismus“ vor und forderte vom Aufsichtsrat der Berliner Flughafengesellschaft mehr Rückhalt ein. „Ein Aufsichtsrat muss Vertrauen in seine Geschäftsführung haben. Entweder er traut seiner Geschäftsleitung, oder er sucht sich eine neue. Dazwischen gibt es nichts“, sagte Mehdorn dem „Tagesspiegel am Sonntag“.

Mehdorn in der Krise

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Mehdorn in der Krise: Wird der BER-Flughafen jemals eröffnet?

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Hintergrund des Briefes: Der Manager hatte sich zuletzt gegen externe Kontrolleure in seinem Unternehmen gewehrt. Die Gesellschafter Berlin, Brandenburg und der Bund wollen laut „Bild am Sonntag“ externe Gutachter auf die Baustelle schicken, um die anhaltenden Probleme zu beleuchten. Laut der vertraulichen Auftragsbeschreibung soll insbesondere untersucht werden, „ob der Aufsichtsrat (...) von der Geschäftsführung rechtzeitig, im richtigen Maß/Format sowie verständlich in der gebotenen Qualität (...) unterrichtet wurde“. Ganz ähnlich hatte vor anderthalb Jahren der Auftrag an Wirtschaftsprüfer und Juristen geklungen, um den damaligen Flughafenchef Rainer Schwarz endgültig zu entlassen.

Kommentare (12)

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Herr Fritz Yoski

08.12.2014, 18:48 Uhr

Am besten einen Leiharbeiter anheuern, dann ist wenigstens der Rausschmiss billger. Von der Leistung her duerfte sich das nichts nehmen, beide nahe Null.

Herr Horst Meiller

08.12.2014, 18:51 Uhr

Unser Loddar hat doch wieder mal viel Zeit...! (o:)

Herr Thomas Ungläubig

08.12.2014, 18:52 Uhr

@Herr Fritz Yoski:
Unterschätzen Sie mal nicht die Leiharbeiter, D I E haben meist noch Luft nach oben ;–))

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