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10.08.2015

07:12 Uhr

Parteiübergreifende Forderung

Fernbusse sollen Maut zahlen

Die Lkw-Maut gibt es schon seit 2005. Was mehr wiegt als 7,5 Tonnen, muss zahlen. Bis zu 18 Tonnen schwere Reisebusse sind bislang mautfrei unterwegs. Einige Politker wollen das bald ändern. Aber nicht alle sind dafür.

Für die bis zu 18 Tonnen schweren Reisebusse fordern einige Verkehrspolitiker jetzt eine Mautabgabe ähnlich der Lkw-Maut, die im Jahr 2005 eingeführt wurde. dpa

Fernbusse werden immer beliebter

Für die bis zu 18 Tonnen schweren Reisebusse fordern einige Verkehrspolitiker jetzt eine Mautabgabe ähnlich der Lkw-Maut, die im Jahr 2005 eingeführt wurde.

BerlinDie in Deutschland zunehmend beliebten Fernbusse sollen laut einem Zeitungsbericht in Zukunft ebenfalls eine Maut zahlen. Dies fordern Verkehrspolitiker von CSU, SPD und der Opposition, wie die „Süddeutsche Zeitung“ berichtet. Es sei „wenig realistisch, dass nach der Einführung einer Pkw-Maut am Ende die Busse die einzigen Kraftfahrzeuge wären, die keine Maut bezahlen“, sagte demnach Bayerns Verkehrsminister Joachim Herrmann (CSU). „Wir müssen deshalb mit der Einführung der Pkw-Maut einen geeigneten Weg finden, die Busbranche gerecht in das System einzubinden.“

Seit der Marktöffnung des Linienverkehrs über 50 Kilometer fahren immer mehr Menschen mit dem Fernbus. Im vergangenen Jahr zählte die Branche dem Bericht zufolge etwa 19 Millionen Fahrgäste. Für 2015 rechnen Marktforscher demnach mit 30 Millionen Kunden.

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Der Markt für Fernbusse wächst stark, bereits jetzt fahren mehr als 800 quer durch die Republik. Die Hersteller profitieren jedoch bislang kaum davon. Das könnte sich im nächsten Jahr ändern.

Die bis zu 18 Tonnen schweren Busse dürfen die Straßen kostenlos nutzen, obwohl von Oktober 2015 an auch Lkws mit mehr als 7,5 Tonnen Gewicht in das Mautsystem einbezogen werden. Züge müssen für die Nutzung der Schienen hingegen Gebühren zahlen. Bayerns Verkehrsminister Herrmann forderte deshalb in der „SZ“ eine „Diskussion über die gerechte Verteilung von Lasten auf alle Verkehrsträger“.

Die verkehrspolitische Sprecherin der SPD, Kirsten Lühmann, verlangte in der „SZ“ ebenso, nach einer Maut für Lkw ab 7,5 Tonnen müssten „auch andere Fahrzeuge dieser Gewichtsklassen in die Nutzerfinanzierung miteinbezogen werden“. Eine Maut müsse „dann für alle Busse, auch für Reisebusse, anfallen“.

Linke und Grüne sprachen sich ebenfalls Straßennutzungsgebühren für Fernbusse aus: „Die externen Kosten durch Schäden an den Straßen oder Feinstaub dürfen nicht auf die Allgemeinheit abgewälzt werden“, sagte die verkehrspolitische Sprecherin der Linken-Fraktion, Sabine Leidig, der „Süddeutschen“. Der verkehrspolitische Sprecher der Grünen, Stephan Kühn, argumentierte: „Fernbusse tragen in erheblichem Maße zur Abnutzung der Fernstraßen insbesondere der Brückenbauwerke bei.“

Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) verfolgt nach eigenen Angaben aber derzeit „keine Pläne zur Einführung einer Fernbusmaut“. Dabei soll es nach einer früheren Vereinbarung der Koalition auch bis zu den nächsten Bundestagswahlen im Herbst 2017 bleiben. Eine Maut würde mit „0,2 Cent pro Fahrgast je Kilometer den aktuellen harten Wettbewerb mit der Bahn auch nicht relevant verändern“, sagte Dobrindt der „SZ“.
Die Umsetzung der Pkw-Maut hatte er bis auf Weiteres gestoppt, solange die EU-Kommission juristisch gegen seine Pläne vorgeht.

Busreisen – ein Markt im Wandel

Aufteilung

Der Markt teilt sich je nach Einsatzzweck in Linienbusse und Reisebusse auf. Die Amerikaner sprechen hier von Buses and Coaches. Deutlich besser ausgestattet sind Reisebusse, deshalb verdienen die Hersteller hier auch mehr Geld.

Kunden

Bustouren hatten lange Jahre das biedere Image von Kaffeefahrten und Rentnerausflügen. Mit Aufkommen der Fernbusse hat sich das geändert. Mittlerweile reisen vor allem preisbewusste junge Menschen mit Bussen.

Werbebotschafter

Etliche Hersteller positionieren sich mit ihren Bussen im Sport. Die Weltmeister des Deutschen Fußball Bundes (DFB) fahren seit Jahren traditionell Daimler. Viele Bundesligisten sind in auffällig gestalteten Bussen von MAN unterwegs, die eine halbe Million Euro teuer sind. Der Hersteller nutzt das auch für aufwendige Kampagnen („München fährt MAN“, „Dortmund fährt MAN“ etc).

Der verkehrspolitische Sprecher der Unionsfraktion, Ulrich Lange (CSU), machte geltend, auf dem gerade erst geschaffenen Fernbus-Markt seien viele mittelständische Unternehmen noch in der Aufbauphase. „Da wollen wir keine Steine in den Weg legen“, sagte er der „SZ“. Dobrindt rät demnach der Bahn stattdessen, die eigene Fernbuslinie auszubauen und in ihren Fernzügen mit guten Angeboten zu reagieren, zum Beispiel mit einem kostenlosen Zugang zum Internet in allen Zügen.

Bahnchef Rüdiger Grube hatte im Frühjahr eine Mautpflicht für Fernbusse verlangt, weil diese „in Sachen Steuern und Abgaben im Vergleich zur Bahn massiv bevorzugt werden“. Andere Anbieter auf der Schiene fordern dies ebenfalls.

Kommentare (4)

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Herr Fred Meisenkaiser

10.08.2015, 07:37 Uhr

Es würde zeit werden für die Maut! Warum sollen die fernbusse durch die Steuerzahler subventioniert werden? Die Bahn muß Trassengebühr für die Nutzung der Gleise zahlen, alo wäre eine Maut für Fernbusse überfällig.
Gerade in Zeiten maroder Autobahnen ein Gebot der Stunde.
Dobrint will ja auch die PKW-Maut durchsetzen. Egal wie es ausgeht, sollte die Höhe der Maut durch das Verursacherprinzip festgelegt werden.
Unterstellt man einen 2-t Pkw und einen 18t Fernbuss mit 3 Achsen, so wäre dessen Maut ca. 2000mal höher als die des PKW anzusetzen. Es müssen also 2000 Pkw fahren, um den gleichen Fahrbahnverschleiss wie der Fernbuss zu erreichen!
Alles andere ist Subventionierung der Fernbussunternehmen. Grundlage ist das allseits anerkannte "Vierte Potenzgesetz" im Straßenbau. (Siehe Wikipedia.de)
Übrigens, ein 30t-LKW mit 3 Achsen müßte das 15000fache vom Pkw zahlen!
Das bedeutet, dass der PKW erst nach 15000 Überfahrten so viel Schaden anrichtet wie der LKW beim einmaligen Befahren der Straße. Daraus lässt sich ableiten, dass ein Großteil der Schäden in den Straßen durch den Schwerlastverkehr hervorgerufen wird und PKWs nur einen sehr geringen Teil dazu beitragen.

Account gelöscht!

10.08.2015, 08:09 Uhr

Und wieder einmal ein Gesetz, dass in den Markt eingreift. Diese deutsche Gesellschaft wird nochmal an ihren eigenen Gesetzen und Verordnungen ersticken. Des wohlstandsschaffenden Marktes wird durch die Bürokratie und Gesetzgebung die Luft immer mehr abgeschnürt.

Herr Fred Meisenkaiser

10.08.2015, 10:39 Uhr

In den Markt greift man ein, indem man die Steuerzahler für die Autobahnen zahlen lässt, und nicht die Nutzer entsprechend ihres Beitrages zum verschleiß. Warum soll jemand, der die Autobahn gar nicht, oder nur gering nutzt, für die LKW zahlen, die Nachbars Tausende Päckchen fahren?

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