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01.03.2012

15:37 Uhr

„Paula“ gegen „Flecki“

Oetker unterliegt im Puddingstreit mit Aldi

Das Landgericht Düsseldorf hat einen Eilantrag des Unternehmens Dr. Oetker zurückgewiesen. Das Unternehmen scheiterte somit zunächst, den Verkauf eines Puddings der Handelskette Aldi europaweit zu unterbinden.

Rund um die Fleckenkuh „Paula“ gibt es mittlerweile eine Produktfamilie.

Rund um die Fleckenkuh „Paula“ gibt es mittlerweile eine Produktfamilie.

DüsseldorfPaula muss Flecki dulden: Puddingkönig Dr. Oetker ist vorläufig mit seinem Versuch gescheitert, ein Konkurrenzprodukt des Discounters Aldi Süd namens „Flecki“ verbieten zu lassen. Das Landgericht Düsseldorf wies am Donnerstag den Eilantrag von Dr. Oetker für ein europaweites Flecki-Verkaufsverbot zurück.

Demnach darf Aldi Süd seinen Schoko-Vanille-Pudding weiterhin verkaufen. „Flecki“ unterscheide sich genügend stark von der Oetker-Süßspeise (Az.: 14c O 302/11). Oetker hatte sein Produkt „Paula“ 2006 auf den Markt gebracht und die Technik patentieren lassen. Außerdem ließ sich das Unternehmen das sogenannte Geschmacksmuster über das Designrecht schützen.

„Flecki“ ist erst im November vergangenen Jahres herausgekommen. Hervorstechendstes Merkmal beider Produkte ist die gelb-braun-gefleckte Zusammensetzung. Das Gericht sah weder eine Verletzung des Designrechts noch die von Dr. Oetker behaupteten Wettbewerbsverstöße. Aldi Süd begrüßte das Urteil.

Warum Aldi billig ist

Es ging ums Sattwerden

Es ist eine Gretchenfrage: Wie viele Artikel biete ich meinen Kunden an? 1946 ging es um nichts mehr als ums Sattwerden. Die Aldi-Brüder schauten auf ihren Tages- und Wocheneinkauf. Erst im Laufe der Jahre kamen Non-Food-Artikel hinzu – anfangs waren sie verpönt.

Zahl der Artikel

Mit der Zeit pendelte man sich bei 400 Artikeln ein. Inzwischen – in Zeiten der feiner werdenden Nuancen – ist die Zahl auf 900 Artikel gewachsen. Der Stellplatz in den Filialen hat natürliche Grenzen. Zudem ist Produktpflege ein aufwändiges Geschäft.

Das oberste Gebot

Von Beginn an galt bei den Albrechts das Gebot der Warengleichheit: In allen Filialen sollten die Kunden dieselben Produkte finden. Schnell ging es soweit, dass sie es sogar an derselben Stelle fanden.

Die Revolution

Eine echte Revolution war die Einführung von Kühlware in den 70er-Jahren. Sowohl bei Aldi Nord als auch bei Aldi Süd gingen Grundsatz-Diskussionen voraus. Entgegen der Behauptungen gab es darüber aber keinen brüderlichen Zwist. Allerdings musste der vorpreschende Karl Überzeugungsarbeit leisten beim abwägenden Theo. Doch die Kühltruhe kam, erst im Kleinformat, dann immer mehr.

Markenartikel? Nein, Danke!

Seit Jahren macht andere Discounter wie Netto (vorher Plus) gute Geschäfte mit Markenartikeln. Aldi hat stets eine Aversion gegen sie gehabt. Auf der anderen Seite taten sich die Hersteller von Markenartikeln anfangs auch sehr schwer, bei einer Billigkette zu listen, als die Aldi galt.

Aldis Problem

Vereinfacht gesagt besteht Aldis größtes Problem darin, die erforderlichen Liefermengen von mehreren Anbietern zu beziehen. Bei vergleichenden Qualitätsstandards heißt es immer wieder: Bedarfsdeckung versus Preis. Gerade zu Ostern und Weihnachten ist es eine Sisyphusarbeit in Planung und Organisation, für ausreichend Waren zu sorgen und sie auf die Filialen zu verteilen.

Harte Gespräche mit Lieferanten

Die Preisfindung in diesem „Wettkampf“ ist das eigentliche Erfolgsrezept Aldis. Als Marktführer, ausgestattet mit dem Hebel der Mengemacht, hat man hier natürlich Vorteile. Dabei bündeln Aldi Nord und Aldi Süd ihre Einkaufsstrategie in vielen Sortimenten. Auf der anderen Seite hat Aldi auch kein Interesse, die Lieferanten so sehr zu schröpfen, dass sie in den Ruin gehen. 

Die große Verlockung

Lieferanten unterliegen leicht der großen Verlockung, mit Aldi so zu verhandeln, dass die eigentlichen Kapazitätsgrenzen überschritten werden. Zwar kann man mit Aldi vermögend werden, aber das Risiko, sich zu sehr abhängig zu machen, ist groß. Denn Aldi streicht durchaus schnell einen Lieferanten. Fachleute raten dazu, maximal 50 Prozent seiner Produkte an Aldi zu verkaufen.

Das Preisdiktat

Die Wettbewerber sind dem Preisdiktat ausgesetzt. In den vergangenen Jahres war gut zu beobachten, was passiert, wenn Aldi die Preise für Alltagsprodukte wie Milch senkte: Die Konkurrenz zog innerhalb weniger Stunden nach. Preisvergleich und Preispolitik sind Tagesaufgaben.

Wie preissensibel ist der Kunde

Doch warum agieren die Discounter eigentlich so nah am „gerechten Preis“? Die Frage ist durchaus berechtigt, denn die Durchschnittskunde ist eigentlich sehr wenig mit den Preisen vertraut. Er stellt seinen Warenkorb den Bedürfnissen und Gepflogenheiten zusammen. Die meisten gehen nicht mit offenen Augen durch die Läden. Angebote werden auch bei Aldi sehr deutlich mit andersfarbigen Schildern gekennzeichnet, damit sie überhaupt auffallen. Umso wichtiger ist also, dauerhaft der Preisführer zu sein – und dieses Image zu pflegen.

Dr. Oetker will das Urteil zunächst prüfen. „Dann werden wir entscheiden, ob wir weitere juristische Schritte einleiten“, sagte Konzernsprecher Jörg Schillinger. Das wäre eine Berufung zum Oberlandesgericht Düsseldorf. Grundsätzlich müsse es einem Wettbewerber möglich sein, „ein Milchprodukt zur kindgerechten Gestaltung in die Nähe einer Kuh und deren Fell zu bringen“, meinten die Richter. Gleichzeitig müsse aber auch sichergestellt sein, dass der Käufer nicht über den Hersteller getäuscht werde. Also dass der Kunde glaubt, „Paula“ zu kaufen, in Wahrheit aber „Flecki“ bekommt. Dies sei im Streitfall durch die abweichende Detailgestaltung des Produkts geschehen.

Für die Beurteilung hatten die Richter sehr genau hingesehen. „Zwar sei das Produkt „Flecki“ in der Seitenansicht ähnlich gefleckt wie das Geschmacksmuster, in der Draufsicht jedoch - vom Geschmacksmuster deutlich abweichend - nahezu einfarbig“, hieß es in der Mitteilung. Die „Paula“-Flecken seien scharf abgegrenzt, die „Flecki“-Felder dagegen durch Stege miteinander verbunden. Auch die Aufmachung unterscheide sich deutlich. Paula sei die coole Kuh mit Sonnenbrille, Flecki die eher magere, weiße Kuh mit Glocke.

Von

dpa

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