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18.02.2015

12:44 Uhr

Pauschal-Airlines

Fliegen mit Flatrate

VonTobias Döring

Erstmals geht in Europa eine Airline mit dem Flatrate-Prinzip an den Start. Das Geschäftsmodell hat in Kalifornien großen Erfolg. Doch bis Take Air zum „Netflix der Airlines“ wird, ist es noch ein weiter Weg.

„Das ist ein gewagtes Geschäftsmodell“, meinen Luftfahrtexperten zum Start der belgischen Take Air. Imago

Geschäftsreisende können nun mit „Flat“ fliegen

„Das ist ein gewagtes Geschäftsmodell“, meinen Luftfahrtexperten zum Start der belgischen Take Air.

DüsseldorfEs ist der Traum eines jeden Vielfliegers: So oft und so viel fliegen wie man will – und nur einmal zahlen. Für 1650 Euro im Monat bietet das nun die neue belgische Fluggesellschaft Take Air an. Telefonieren, Surfen, Essen oder Trinken – vieles lässt sich mittlerweile mit Flatrate konsumieren. Jetzt also auch Fliegen.

In Europa ist Take Air damit der Vorreiter. Zwar gab es bei der mittlerweile insolventen österreichischen Gesellschaft Robin Hood Aviation mal ein ähnliches Angebot – für die beiden Flugzeuge mit den putzigen Namen „Little John“ und „Maid Marian“ war eine begrenzte Zahl von „Unlimitticket“-Kontingenten verfügbar –, doch Take Air ist die erste Airline, die auf das reine Flatrate-Prinzip setzt.

Ganz neu ist das Geschäftsmodell in der Luftfahrt dennoch nicht: Im US-Bundesstaat Kalifornien gibt es eine Fluggesellschaft, die mit Flatrate-Fliegen Erfolg hat. Kann das auch in Europa funktionieren? Luftfahrt-Experten sind skeptisch, weil der Markt in Europa anders tickt – allein schon wegen der geringeren Entfernungen. „Das ist ein gewagtes Geschäftsmodell“, sagt Christoph Kohler, der mit seinem Marktforschungsinstitut WINGX Advance den Geschäftsreiseverkehr in der Luft analysiert. „Der Markt in Europa ist übersättigt: Es gibt rund 1500 Anbieter mit 4800 Flugzeugen.“

Mit diesen Flugzeugen heben Geschäftsleute ab

Platz 10

Citation II - 18.957 Starts
Der Flugzeugbauer Cessna ist gleich fünfmal in den Top 10 der Business-Flugzeuge in Europa vertreten. Den Anfang macht die Citation II. Zusammen mit ihrem Nachfolgemodell Citation Bravo verlor der zweistrahlige Jet aber 9,4 Prozent aller Abflüge. Die Citation II ging Ende der 70er-Jahre erstmals in die Luft.

Quelle: Die Rangliste basiert auf Angaben von WINGX Advance. Das Marktforschungsinstitut hat dafür die Daten der europäischen Luftverkehrskontrolle Eurocontrol für 2014 ausgewertet.

Platz 9

Challenger 600 - 23.847 Starts
Im Jahr 1978 schickte Bombardier die erste Version des zweistrahligen Jets an den Start. Seitdem hat sich die Challenger zu einem der beliebtesten Privatjets gemausert. Zusammen gab es für die Flugzeuge der 600er-Reihe 2014 allerdings Einbußen – die Starts gingen um 4,2 Prozent zurück.

Platz 8

PC-12 - 24.316 Starts
Der Turboprop-Flieger ist der Gewinner unter den Business-Flugzeugen 2014. Die PC-12 des Schweizer Herstellers Pilatus legte bei den Abflügen in Europa um 17,1 Prozent zu. Der Zuwachs ist aber zum Großteil damit zu erklären, dass das finnische Militär die PC-12 verstärkt zur Sicherung der Grenzen mit Russland einsetzt, hat WINGX Advance analysiert.

Platz 7

Citation CJ2 - 25.394 Starts
Der Businessjet des US-Flugzeugbauers Cessna ist seit dem Beginn des Jahrtausends auf dem Markt. Um 0,5 Prozent nahmen die Abflüge in Europa zuletzt zu. Mit knapp 800 Stundenkilometern geht es mit der Citation CJ2 knapp 3000 Kilometer weit.

Platz 6

Citation Jet - 26.794 Starts
Der Citation Jet und das Nachfolgemodell CJ1 von Cessna waren 2015 in Europa weniger gefragt. Die Abflüge nahmen um 5,5 Prozent ab. Beim CJ1 wurde vor allem die Elektronik verbessert, zudem wurde der Businessjet effektiver. Seit 2011 wird er jedoch nicht mehr produziert.

Platz 5

Citation Mustang - 27.470 Starts
Die Klasse der „Very Light Jets“ liegt voll im Trend. Daher ist es auch nicht verwunderlich, dass die Citation Mustang zu den Gewinnern 2014 in Europa zählt. Der kleinste Jet der Citation-Reihe - maximal fünf Passagiere finden darin Platz - legte bei den Starts um 10,3 Prozent zu.

Platz 4

Falcon 2000 - 27.594 Starts
Die zweimotorige Maschine gehört zu den Klassikern des französischen Dassault-Konzerns. Er wird in verschiedenen Varianten ausgeliefert, die sich hinsichtlich ihrer Konfiguration unterscheiden. 2014 gingen die Abflüge des Business-Flugzeugs leicht um zwei Prozent zurück.

Platz 3

Hawker 700-900 - 34.372 Starts
Unter dem Dach des US-Konzerns Raytheon begann bereits in den 60er-Jahren die Entwicklung des zweistrahligen Businessjets. Nach etlichen Weiterentwicklungen gehören die Hawker-Modelle heute unter dem Dach von Beechcraft zum Cessna-Hersteller Textron. Die Jets werden aber nicht mehr gebaut, es sind nur noch Update-Programme verfügbar. 2014 gingen die Starts leicht um 3,8 Prozent zurück, doch das reicht für das Treppchen in Europa.

Platz 2

Super King Air 200 - 51.991 Starts
Eines der beliebtesten Business-Flugzeuge in Europa ist eine Turboprop-Maschine: Auf Platz zwei der Rangliste findet sich die Super King Air 200 von Beechcraft (gehört zum Cessna-Hersteller Textron) wieder. Die erste King Air hob bereits in den 60er-Jahren ab. Trotz eines Rückgangs bei den Starts um 2,1 Prozent 2014 ist die Flugzeugreihe nicht wegzudenken.

Platz 1

Citation Excel - 54.051 Starts
Spitzenplatz verteidigt: Die Citation Excel (und ihre Weiterentwicklungen XLS und XLS+) von Cessna ist das gefragteste Business-Flugzeug des Kontinents. Seit dem Jahr 1998 werden die Flieger ausgeliefert, die maximale Flugstrecke der aktuellsten Version beträgt knapp 3500 Kilometer. 2014 wuchs die Anzahl der Starts leicht um 0,1 Prozent.

Schon vor dem ersten Start einer Take-Air-Maschine ist daher klar: Die Airline kann nur überleben, wenn sie erfolgreich Nischen besetzt. Die Belgier fangen erst einmal bei null an. „In den ersten Wochen müssen wir beobachten und lernen“, sagt Gründer und Geschäftsführer Matthieu Dardenne. Take Air startet am 30. März daher zunächst mit lediglich einer Strecke. Es geht von der Diamantenstadt Antwerpen ins Bankenzentrum Zürich mit täglich zwei Flügen in jede Richtung.

Ab September bietet Take Air mit Paris-London dann auch eine europäische Rennstrecke an, die stark nachgefragt, aber auch häufig angeboten wird. Eine weitere neue Verbindung ab September ist noch nicht benannt, jedes halbe Jahr sollen dann zwei neue hinzukommen. Luftfahrt-Experten überzeugt das bisher nicht. Gerald Wissel von der Hamburger Luftfahrtberatung Airborne Consulting vermisst zunächst einen Dreiecksflug Zürich-Paris-London im Programm.

Marktforscher Kohler von WINGX Advance findet insbesondere Paris-London schwierig: „Allein in dem Sektor gibt es täglich rund 60 Business-Flüge. Es sind viele Flüge verfügbar, die Preise sind attraktiv.“ Auf der Strecke konkurriert Take Air dann unter anderem mit der britischen Blink oder der österreichischen Globe Air.

Nach eigenen Angaben hat Take Air bisher gut 30 Kunden gewonnen, die 1000 Euro Mitgliedsgebühr bezahlen und die Flatrate für 1650 Euro im Monat lösen. „Bei 100 bis 120 Mitgliedern erreichen wir die Gewinnschwelle“, erklärt Take-Air-Chef Dardenne gegenüber Handelsblatt Online. „Ganz schön knapp kalkuliert“, findet Wissel das Konzept – für den Beginn. Die Frage sei aber: „Ab der wievielten Strecke ist das Konzept profitabel?“

Das US-Vorbild Surf Air macht vor, wie das geht.

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