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28.05.2014

15:38 Uhr

Personalchaos am BER

Mehdorns Hoffnungsträger im Korruptionssumpf

Das Chaos am BER ist perfekt: Die Baustelle wird immer teurer und nun verliert Flughafenchef Mehdorn auch noch seinen Technikchef. Die Staatsanwaltschaft hat Ermittlungen aufgenommen. Der Vorwurf: Bestechlichkeit.

Der Leiter Technik des BER: Jochen Großmann steht unter Korruptionsverdacht. dpa

Der Leiter Technik des BER: Jochen Großmann steht unter Korruptionsverdacht.

Neuruppin/SchönefeldEs sollte die Krönung seiner langen Karriere werden, doch sein Job als Chef des neuen Hauptstadtflughafens wird für Hartmut Mehdorn zum Waterloo. Eigentlich sollte der ehemalige Bahnchef das Chaos auf der Langzeitbaustelle beenden. Doch unter seiner Führung wird das Chaos nur noch größer. Es zeichnet sich ab, dass der Flughafen weitere Finanzspritzen braucht. Und nun geht Mehdorn auch noch sein Hoffnungsträger von der Stange.

Jochen Großmann, BER-Technikchef, steht unter Korruptionsverdacht und ist deswegen sogar beurlaubt worden. Die Ermittler haben Großmann bereits im Visier: Man werte das sichergestellte Beweismaterial aus, verkündete der Neuruppiner Staatsanwalt Frank Winter im RBB-Rundfunk. Gegen den Technikchef wird wegen Bestechlichkeit ermittelt. Öffentlich will sich Großmann nicht zu den Vorwürfen äußern. Doch das Desaster ist bereits perfekt – und eine Blamage für Mehdorn.

Großmann ist derjenige, der die Probleme mit der Entrauchungsanlage an dem Airport in Berlin-Schönefeld lösen sollte. Trotz der Vorwürfe hält Mehdorn an dessen Plänen für den Umbau im Terminal fest. „Wir werden auch in neuer personeller Zusammensetzung den beschrittenen Weg weitergehen“, teilte Mehdorn am Mittwoch in Schönefeld mit, ohne Großmanns Namen zu nennen. Die Auswirkungen auf das Projekt sollten so gering wie möglich gehalten werden. „Es steht und fällt nicht mit einem einzelnen Mitarbeiter.“

Der steinige Weg zum Hauptstadtflughafen

1990er Jahre

Januar 1992: Beginn der Planungen für den Flughafen mit dem Projektnamen Berlin Brandenburg International, BBI.
Juni 1996: Der Ausbau des Flughafens Schönefeld sowie die Schließung der Flughäfen Tegel und Tempelhof werden beschlossen.

2004-2005

August 2004: Das Genehmigungsverfahren für den BBI wird mit dem Planfeststellungsbeschluss abgeschlossen.
April 2005: Das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig verhängt im Eilverfahren einen weitgehenden Baustopp.

2006-2008

März 2006: Das Gericht genehmigt in letzter Instanz den Bau des BBI unter verschärften Lärmschutzauflagen.
Juli 2008: Erster Spatenstich für das Flughafen-Terminal.
Oktober 2008: Nach 85 Jahren schließt der Flughafen Tempelhof.

2010-2011

Juni 2010: Unter anderem wegen der Pleite einer Planungsfirma wird die Eröffnung von Ende Oktober 2011 auf 3. Juni 2012 verschoben.
Oktober 2011: Das Bundesverwaltungsgericht gibt grünes Licht für nächtliche Flüge in Stunden am späten Abend und am frühen Morgen.

Januar 2012

Das Bundesaufsichtsamt für Flugsicherung legt die umstrittenen künftigen Flugrouten fest.

Mai 2012

Vier Wochen vor dem Termin wird wegen Problemen mit der Brandschutzanlage die Eröffnung des Flughafens erneut abgesagt. Später wird Chefplaner Manfred Körtgen entlassen.

August 2012

Der Aufsichtsrat lässt - anders als geplant - weiter offen, ob der BER wirklich am 17. März 2013 eröffnet werden kann, und verschiebt die Entscheidung. Eine Finanzspritze soll den Flughafen vor der Zahlungsunfähigkeit retten.

September 2012

Auf Vorschlag des neuen Technikchefs Horst Amann wird die Eröffnung noch einmal verschoben und auf den 27. Oktober 2013 terminiert. Die Gesellschafter beschließen, 1,2 Milliarden Euro für Mehrkosten nachzuschießen.

Januar 2013

6. Januar: Es wird bekannt, dass der 27. Oktober als Eröffnungstermin nicht zu halten ist.
16. Januar: Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck übernimmt den Aufsichtsratsvorsitz von Berlins Regierungschef Klaus Wowereit (beide SPD). Der Aufsichtsrat entlässt Flughafenchef Rainer Schwarz. Bis ein Nachfolger gefunden ist, soll Technikchef Amann die Betreibergesellschaft führen.

Februar 2013

13. Februar: Der frühere Chef des Frankfurter Flughafens, Wilhelm Bender, soll Chefberater für die Geschäftsführung werden, kündigt Platzeck an. Bender war zunächst als neuer Flughafenchef im Gespräch.
19. Februar: Rot-Rot in Brandenburg will ein Volksbegehren für ein strengeres Nachtflugverbot mittragen und löst heftigen Streit mit Berlin aus.

März 2013

4. März: Bender wird nicht Chefberater des Flughafens. Er sagt nach Querelen hinter den Kulissen ab.
7. März: Die Idee, Technikchef Amann einen Berater zur Seite zu stellen, ist nach Angaben von Platzeck vorerst vom Tisch. Es solle zügig ein neuer Flughafenchef gefunden werden.
8. März: Der frühere Chef von Deutscher Bahn und Air Berlin, Hartmut Mehdorn, wird neuer Geschäftsführer der Flughafengesellschaft, teilt Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) mit.

Mehdorn widersprach damit Forderungen, Großmanns Lösung für die Entrauchungsanlage auf den Prüfstand zu stellen. Zuvor hatte Mehdorn den Ingenieur beurlaubt, Großmann mit der fristlosen Kündigung rechnen. Seine Aufgaben übernimmt vorübergehend der Oberbauleiter Frank Röbbelen. Mehdorn betonte, der Flughafen verfolge beim Korruptionsfällen eine „Null-Toleranz-Linie“. Das Vergaberegelwerk sei in Ordnung, die Mechanismen hätten gegriffen. „Gegen kriminelle Energie Einzelner sind wir jedoch nicht gefeit“, so der Flughafen-Chef.

„Nach unserem bisherigen Erkenntnisstand geht es um rund eine halbe Million Euro Bestechungsgeld“, hatte Mehdorn zuvor erklärt. Die Flughafengesellschaft machte den Fall am Dienstag publik, ohne Großmanns Namen zu nennen. Auch die Staatsanwaltschaft Neuruppin hielt sich beim Namen zunächst bedeckt.

Der Verdächtige sei für die Auftragsvergabe für den neuen Hauptstadtflughafen zuständig gewesen und soll von einem Auftragnehmer Vorteile gefordert haben, teilte das Unternehmen mit. Staatsanwalt Winter sprach von einem „klassischen Modell von Bestechlichkeit im geschäftlichen Verkehr“. Bisher gebe es keine Hinweise auf weitere Korruptionsfälle beim Flughafen. Laut Mehdorn hat sich der Verdacht „nach einem Gespräch mit dem Repräsentanten eines im Bereich der technischen Planung tätigen internationalen Unternehmens ergeben“. Die Flughafengesellschaft habe abgewartet, „ob die Staatsanwaltschaft einen Anfangsverdacht bestätigen würde“. Nach den Durchsuchungen werde das Unternehmen nun „gegen die Beteiligten entsprechende Konsequenzen ziehen“.

Kommentare (12)

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28.05.2014, 10:30 Uhr

Oberpeinlich! Für die Misswirtschaft der Politik müssen ander den Kopf hinhalten und Mehrdorn ist auch kein Manager sondern ein willfähriger Politkasper der in Staatsbetriebe eingesetzt wird!

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28.05.2014, 10:50 Uhr

es ist schon sehr traurig in unserem land geworden. die vetterleswirtschaft blüht und generiert derartige zustände. man muß sich schon fragen welche kriterien gelten bei der pöstchenvergabe. es tauchen immer wieder dieselben köpfe auf, obwohl sie noch nie etwas sinnvolles zu wege gebracht haben. der fisch stinkt bekanntlich vom kopfe her. in deutschland hat er offensichtlich schon längst den zustand der verwesung erreicht. konsequenzen für die verantwortlichen - fehlanzeige -.

Account gelöscht!

28.05.2014, 11:00 Uhr

Mehdorn selbst ist auch das Problem. Er hat bereits Heidelberger Druck, DB und Air berlin ruiniert.

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