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20.08.2013

06:53 Uhr

Personalmangel bei Deutscher Bahn

Netzagentur droht im Fall Bebra mit Zwangsgeld

ExklusivDie Deutsche Bahn hat nicht nur am Mainzer Bahnhof mit Schwierigkeiten zu kämpfen: Nun deckt die Bundesnetzagentur auch Probleme am Bahnhof im nordhessischen Bebra auf. Auch hier gibt es Personalengpässe.

Nach dem Mainzer Hauptbahnhof ist die Deutsche Bahn nun auch wegen Bebra in Nöte geraten. Reuters

Nach dem Mainzer Hauptbahnhof ist die Deutsche Bahn nun auch wegen Bebra in Nöte geraten.

BerlinNach Mainz nun Bebra: Die Bundesnetzagentur nimmt systematisch die Schwachstellen im Netz der Deutschen Bahn aufs Korn und verschickt Bescheide mit Zwangsgeldandrohungen an die Bahn-Tochter DB Netz AG. Am Montag traf es das nordhessische Bebra. In dem jüngsten Bescheid, der dem Handelsblatt (Dienstagausgabe, hier als ePaper) vorliegt, wird die Bahn-Tochter „zur Beseitigung der Betriebsbeeinträchtigungen im Bahnhof Bebra“ verpflichtet. Falls das Unternehmen die Auflagen der Netzagentur nicht erfüllt, wird der DB Netz AG ein Zwangsgeld von 100.000 Euro angedroht. Einen ähnlichen Bescheid hatte die Netzagentur der DB Netz AG in der vergangenen Woche wegen der Probleme im Stellwerk Mainz geschickt.

„Die Bundesnetzagentur hat frühzeitig darauf hingewiesen, dass die Stellwerksprobleme in Mainz nur die weithin sichtbare Spitze eines Eisbergs sind“, sagte Jochen Homann, Präsident der Bundesnetzagentur, dem Handelsblatt. Der Bahnverkehrsknotenpunkt Bebra sei nun der zweite Fall, bei dem es zu massiven Behinderungen des Zugverkehrs komme, weil die Netztochter der Deutschen Bahn eine ausreichende Personalvorsorge versäumt habe, kritisierte Homann.

Die wichtigsten Fragen zum Bahnchaos

Ab welcher Verspätung bekommen Bahn-Fahrer eine Entschädigung?

Kommt ein Fahrgast mindestens eine Stunde zu spät am Ziel an, muss das verantwortliche Bahnunternehmen ihm 25 Prozent des Fahrpreises erstatten. Bei zwei Stunden Verspätung sind es 50 Prozent. Maßgeblich ist die Ankunftszeit am Zielort: Ist also ein erster Zug nur fünf Minuten verspätet, und kommt ein Bahnkunde durch einen dann verpassten Anschlusszug über eine Stunde später am Zielort an, erhält er eine Entschädigung. Wird im schlimmsten Fall eine Übernachtung nötig, muss die Bahngesellschaft die Kosten für ein Hotelzimmer tragen. Bei einer zu erwartenden Verspätung von 20 Minuten am Zielbahnhof kann der Fahrgast einen anderen Zug nehmen - auch einen höherwertigen.

Wie entschädigt die Deutsche Bahn Pendler mit Zeitkarten?

Besitzer von Streckenzeitkarten erhalten bei Verspätungen von einer Stunde eine pauschale Entschädigung. Bei Zeitkarten im Nahverkehr - aber auch bei Länder-Tickets und dem Schönes-Wochenende-Ticket - gibt es in der zweiten Klasse 1,50 Euro. Im Fernverkehr werden pauschal fünf Euro gezahlt. Grundsätzlich werden bei Zeitkarten maximal 25 Prozent des Fahrkartenwertes erstattet.

Wann muss die Bahn kein Geld zahlen?

Die Bahn zahlt Entschädigungen erst ab einer Bagatellgrenze von vier Euro. Bahn-Kunden mit Zeitkarten im Nahverkehr müssen also mindestens drei Verspätungen von mindestens 60 Minuten im Gültigkeitszeitraum der Fahrkarte einreichen, um eine Entschädigung zu erhalten. Nicht für Verspätungen haften müssen Bahnunternehmen, wenn die Ursache der Verspätung nicht in der Organisation des Bahnbetriebs liegt, also beispielsweise bei bestimmten Unfällen oder bei Folgen von Unwetter und Streiks, welche für die Bahn nicht beherrschbar sind.

Können Bahn-Fahrer bei einer Verspätung auch von einer Reise zurücktreten?

Zeichnet sich eine Verspätung von mehr als 60 Minuten ab, kann der Reisende auch auf die Fahrt verzichten und den kompletten Fahrpreis zurückverlangen. Ebenso kann er die Fahrt zu einem späteren Zeitpunkt beginnen und dann auch eine andere Streckenführung wählen.

Wie kann ich eine Entschädigung beantragen?

Die meisten Bahnunternehmen haben ein gemeinsames Beschwerdeformular, das etwa in den Servicezentren der Deutschen Bahn oder im Internet auf einer Gemeinschaftsseite der Anbieter erhältlich ist (http://www.fahrgastrechte.info). Das Formular können Reisende beim Anbieter einreichen, dessen Zug ausgefallen ist - entweder beim Begleitpersonal im Zug oder in den Fahrkarten-Verkaufsstellen an den Bahnhöfen. Wer keine Bestätigung für die Verspätung hat, nur eine Kopie der Fahrkarte einreichen will oder etwa eine Zeitkarte besitzt, muss sich per Post an das Servicecenter Fahrgastrechte wenden. Entschädigungen müssen die Bahn-Anbieter auf Wunsch bar auszahlen, ansonsten als Gutschein oder per Überweisung.

Wo gibt es Hilfe bei Streitfällen?

Die Bahnunternehmen müssen Beschwerden von Fahrgästen nach spätestens drei Monaten bearbeitet haben. Bei Streitfällen vermittelt die Schlichtungsstelle für den öffentlichen Personenverkehr (SÖP) zwischen Kunden und Unternehmen. In mehreren Bundesländern wie Nordrhein-Westfalen gibt es auch regionale Schlichtungsstellen.

Auslöser für den Bescheid waren nach Angaben der Behörde Beschwerden von Eisenbahnverkehrsunternehmen über die Verwehrung oder Beeinträchtigung der Nutzung bereits verbindlich zugewiesener Zugtrassen in Bebra. Nach Angaben der Behörde hatte die DB Netz AG zwar im April zugesagt, die Personalengpässe im Stellwerk von Bebra zu beseitigen. Das Unternehmen habe jedoch „keine langfristige und nachhaltige Behebung des Personalproblems“ nachweisen können.

Netzagentur-Präsident Homann kritisiert im Zusammenhang mit den Problemen in den Stellwerken das Scheitern des Eisenbahnregulierungsgesetzes. Es hätte eine verschärfte Regulierung des Netzbetriebs der Bahn ermöglicht und dem den Anreiz gegeben, die Mittel für die Netze effizienter zu verwenden, sagte Homann. Das Eisenbahnregulierungsgesetz war in diesem Frühjahr am Widerstand der Länder gescheitert.

Zugausfälle in Mainz

Bahn-Chaos: Reisende müssen weiter mit Verspätungen rechnen

Zugausfälle in Mainz: Bahn-Chaos: Reisende müssen weiter mit Verspätungen rechnen

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Kommentare (7)

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GEFAHRbahn

20.08.2013, 08:20 Uhr

esrt wenn tote aus havarierten zügen gezogen werden wachen staatsanwaltschaft und beteiligte aufsichtsbehörden auf.

klar eigentümer ist der bund und deren vertreter vorab dem privatisierungslobbyisten ramsauer mit der großen klappe wagen die nicht anzugehen.

ein skandal höchster güte.

jedem spediteur mit ähnlichen problemen würde der laden abgeschlossen und der prozeß gemacht

Charly

20.08.2013, 08:31 Uhr

"Netzagentur droht im Fall Bebra mit Zwangsgeld"

Was soll dieser Dummfug!
An der Menge von Gehirnschiss sind Politganoven und nichtsnutzige Beamte nicht zu überbieten !

Der Staat als Eigentümer der DB kassiert nun selber ein Zwangsgeld.
Abartiger geht es nicht mehr.

Richtig wäre die Manager hinter Gittern zu bringen, stattdessen gibt der Staat Typen wie Mehdorn mit BER die Möglichkeit weiteren Schaden anzurichten.

Wo war die Netzagentur die ganzen Jahre??, da haben diese nichtsnutzigen Typen gepennt. Die Netzagentur ist mitschuldig am Desaster !!

vvoelzke

20.08.2013, 08:34 Uhr

Erstaunlich: Fast alle Kommentare der Verantwortlichen gehen komplett am Thema und den wirklichen Ursachen vorbei. Es handelt sich hier in erster Linie um ein massives Führungsproblem. Solche Probleme wäre schlicht unvorstellbar in Unternehmen, wo die Mitarbeiter mit vollem Einsatz und Begeisterung hinter dem Unternehmen und der Führungsmannschaft stehen.
In meinem Blog finden Sie dazu eine ausführlichere Analyse: http://www.new-pace.com/spitzenleistungs-blog/wieviel-mainzer-deutsche-bahn-ist-in-ihrem-unternehmen

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