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23.06.2014

21:32 Uhr

Personenverkehr

Fernbusbranche verdoppelt Umsatz bis 2016

Die Deutsche Bahn räumt ein, den Wachstum des Fernbusmarkts unterschätzt zu haben. Trotz eigener Angebote rechnet die Bahn mit mehr als doppelt so hohen Umsatzeinbußen wie im vergangenen Jahr.

Oft eine Frage der Preise: Fernbusse luchsen Zügen immer mehr Kunden ab. dpa

Oft eine Frage der Preise: Fernbusse luchsen Zügen immer mehr Kunden ab.

BerlinDie Deutsche Bahn sagt dem Fernbusmarkt in Deutschland bis 2016 eine Umsatzverdoppelung voraus. "Wir werden 2014 in einer Größenordnung von 150 bis 200 Millionen Euro herauskommen", sagte der für den Personenverkehr verantwortliche Bahn-Vorstand Ulrich Homburg am Montagabend in Berlin. 2016 dürfte der Umsatz der Branche schon bei 350 bis 400 Millionen Euro liegen. "Die Geschwindigkeit der Entwicklung haben wir sicherlich unterschätzt", sagte Homburg, dessen Unternehmen mit seinen Angeboten BerlinLinienBus und IC Bus zu den drei größten Anbietern neben MeinFernbus und Flixbus gehört.

Die Bahn geht davon aus, in diesem Jahr durch die wachsende Konkurrenz der Busse mehr als 50 Millionen Euro an Umsatz und Gewinn zu verlieren. 2013 waren es etwa 20 Millionen Euro. Homburg zufolge wurden etwa 44 Prozent der Bus-Fahrgäste der Bahn abspenstig gemacht, hauptsächlich wegen günstigerer Preise. Preissenkungen der Bahn auf breiter Front als Reaktion auf die wachsende Konkurrenz hält Homburg für keine gute Idee. Das käme "einem Selbstmord aus Angst vor dem Tod" gleich. Auf der Kostenseite könne die Bahn nicht mit dem Busverkehr mithalten, weil die Kosten für die Schieneninfrastruktur so hoch seien.

Die wichtigsten Fragen zum Fernbus

Welche Linien fahren welche Städte an?

In Deutschland gibt es Busgesellschaften, die zum Teil nur einzelne Fernbuslinien bedienen, während andere Anbieter fast alle großen Städte des Landes und auch Ziele im europäischen Ausland ansteuern. Alle Routen und ihre Preise zu vergleichen, ist für den Reisenden fast unmöglich.

Wo kann man Fahrkarten kaufen?

Fahrkarten für den Fernbus können bei den jeweiligen Busgesellschaften erworben werden. Am einfachsten geht das über deren Internetseiten. Einige Anbieter verkaufen ihre Tickets auch über Reisebüros oder andere Verkaufsstellen in größeren Städten.

Was kosten Fernbus-Karten?

In der Regel ist die Fahrt mit dem Fernbus günstiger als mit allen anderen Verkehrsmitteln – selbst mit der Bahn. Wer direkt beim Anbieter bucht, geht meist sicher, dass er den günstigsten Fahrpreis zahlt. Reist man mit mehreren Personen, ist mitunter auch eine Gruppenermäßigung drin.

Wo findet man Sparangebote und Aktionen?

Der zunehmende Wettbewerb zwischen den Anbietern von Fernbusfahrten kommt dem Kunden zugute. Sie profitieren von Spar- und Aktionspreisen sowie Rabatten, beispielsweise für Frühbucher. So sind Fahrpreise von wenigen Euro selbst für lange Strecken keine Seltenheit. Zu finden sind die Angebote auf den Internetseiten der Busgesellschaften.

Sind Fahrkarten übertragbar?

Je nach Anbieter können bereits gekaufte Fahrkarten auf einen anderen Namen ausgestellt werden. Dabei kann eine Gebühr anfallen, insbesondere wenn die Änderung des Namens kurzfristig erfolgt.

Lassen sich Karten umbuchen oder stornieren?

Häufig ist eine Umbuchung auf eine andere Zeit – zum Teil auch kostenlos – möglich, allerdings unterscheiden sich die Bedingungen der Anbieter in Bezug auf die Gebühren und auch den Zeitraum, indem eine Umbuchung möglich ist. Eine Stornierung ist wie die Buchung meist problemlos über das Internet möglich, jedoch fällt hier meist eine Stornogebühr an.

Wie viel Gepäck ist erlaubt?

Üblich im Fernbus sind Gewichte und Mengen wie beim Fliegen, dennoch gibt es Unterschiede zwischen den Anbietern. Reist man mit mehr als nur Handgepäck, empfiehlt es sich daher, vor Fahrtantritt genauerer Informationen bei der jeweiligen Busgesellschaft einzuholen. Schwere und sperrige Gegenstände wie Sportgeräte, Musikinstrumente oder große Koffer können meist gegen eine zusätzliche Gebühr mitgenommen werden. Rollstühle und Kinderwagen fahren kostenlos mit. Wichtig: Sperrgepäck rechtzeitig anmelden!

Darf ein Fahrrad mit?

Manche Busgesellschaften erlauben die Mitnahme eines Fahrrades. Dafür fallen in der Regel Extra-Kosten von einigen Euro an.

Darf ein Haustier mit?

Das Mitnehmen von Haustieren ist meist nicht erlaubt. Davon ausgenommen ist das Mitführen eines Blindenhundes.

Sind Fernbusse barrierefrei?

Im Zuge der Novellierung des Personenbeförderungsgesetzes wurde auch die Barrierefreiheit von Fernbussen beschlossen. Demnach muss jeder Fernbus mit zwei Plätzen für Rollstuhlfahrer ausgestattet sein. Allerdings wurde den Busgesellschaften eine Übergangsfrist bis 2016 eingeräumt. Bereits angeschaffte Busse müssen gar erst 2019 barrierefrei sein.

Bekommen Schwerbehinderte Ermäßigungen?

Gegen Vorlage eines Schwerbehindertenausweises gewähren die Busgesellschaften Ermäßigungen. Rollstühle, orthopädische Hilfsmittel wie Krücken und ggf. eine Begleitperson dürfen kostenlos mit an Bord. Voraussetzung ist natürlich ein entsprechender Nachweis sowie eine rechtzeitige Anmeldung.

Quelle

Stattdessen setzt die Bahn auf alternative Vertriebswege für Bahntickets, etwa über Supermärkte. Auch soll getestet werden, ob Kunden mit langsameren, aber dafür günstigeren Verbindungen gehalten werden können. Gleichzeitig sollen Schienenstrecken mit dem Bus verlängert werden, etwa vom Ruhrgebiet nach Antwerpen. "Fernbus wird aber nie unser Kerngeschäft werden", sagte Homburg.

Eine rasche Marktbereinigung erwartet Homburg nicht, obwohl wegen des scharfen Preiswettbewerbs die wenigsten Anbieter schwarze Zahlen schreiben dürften. Würden die Preise erhöht, werde das neue Konkurrenten mit günstigeren Angeboten auf den Plan rufen - zumal Genehmigungen leicht zu bekommen seien und es mehr als 2000 Busunternehmer in Deutschland gebe, auf die zurückgegriffen werden könne. Eine Kooperation mit Konkurrenten schließt die Bahn nicht aus. "Das wird sich zeigen", sagte ihr Vorstand.

Deutsche Post und ADAC hatten zuvor angekündigt, der Bahn noch mehr Konkurrenz machen zu wollen. Die Partner wollen ihr Fernbusnetz ab Mitte August verdoppeln. 30 weitere Ziele sollen in den Fahrplan aufgenommen werden. Auch Reisen über die Landesgrenze sollen dann angeboten werden, etwa nach Straßburg oder Zürich.

Von

rtr

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