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11.02.2013

16:00 Uhr

Pferdefleisch-Skandal

„So etwas ist auch bei uns möglich“

VonDana Heide

Lebensmittelbetrug: In europäischen Ländern wurde Pferdefleisch als Rindfleisch verkauft – wie sich Verbraucher hierzulande schützen können und warum Kontrollen versagt haben, erklärt Ernährungsexpertin Daniela Krehl.

Pferdefleisch in einer Metzgerei: „Sehr ähnlich in Textur und Geschmack zu Rindfleisch“. dpa

Pferdefleisch in einer Metzgerei: „Sehr ähnlich in Textur und Geschmack zu Rindfleisch“.

Erst Großbritannien, dann Frankreich und Schweden - der Skandal um das als Rindfleisch verkaufte Pferdefleisch in Supermarktregalen weitet sich aus. Ist das allein ein Problem von Großbritannien - dort haben ja auch die Skandale um BSE und PCB-verseuchtes Schweinefleisch begonnen?

Nein, so etwas ist auch bei uns möglich. Es handelt sich ja hierbei laut dem aktuellsten Stand der Behörden um kriminelle Machenschaften, also Betrug. Und so etwas lässt sich auch in Deutschland nicht vermeiden. Erst 2011 hat es einen großen Skandal um hunderttausende Tonnen von gefälschten Bio-Lebensmitteln gegeben. Eine Bande aus Italien hatte jahrelang konventionell erzeugte Produkte als ökologisch verkauft – auch nach Deutschland.

Daniela Krehl, Ernährungsexpertin bei der Verbraucherzentrale Bayern.

Daniela Krehl, Ernährungsexpertin bei der Verbraucherzentrale Bayern.

Warum ist bei den Kontrollen nicht aufgefallen, dass das Fleisch gar nicht von Rindern, sondern von Pferden stammt?

Es gibt in Deutschland wie in anderen EU-Ländern zwar umfangreiche vorgeschriebene Kontrollen, so muss etwa eine Stichprobe auf Keime untersucht und dokumentiert werden, wo das Tier aufgewachsen ist und geschlachtet wurde. Aber es wird natürlich nicht standardmäßig kontrolliert, ob es sich bei dem Fleisch auch um das Fleisch handelt, was der Hersteller beim Schlachter bestellt hat. Da muss schon ein konkreter Verdacht bestehen, wie in Großbritannien.

Antworten zum Pferdefleisch-Skandal

Wie kam der Skandal ans Licht?

Mitte Januar entdeckten irische Lebensmittelinspekteure bei Routinekontrollen zunächst Spuren von Pferdefleisch in Rindfleisch-Hamburgern. Es ging um Fertigprodukte der britischen Supermarktketten Tesco, Iceland, Aldi (UK) und Lidl (UK). Anfang Februar wurde in einer Fertigungsanlage und in einem Fleischlager in Irland weiteres Rindfleisch mit Pferdefleischspuren entdeckt. Daraufhin ordnete die britische Lebensmittelaufsicht umfangreiche Untersuchungen an. In der Folge wurden mit Pferdefleisch versetzte Rindfleischprodukte auch in Frankreich und Schweden entdeckt. Mittlerweile wurden auch in Deutschland in vielen Fällen falsch deklariertes Pferdefleisch gefunden.

Um welche Produkte geht es?

Es geht um Tiefkühl-Fertigkost aus Hackfleisch, die größtenteils bei Discountern verkauft wird, darunter Rindfleisch-Lasagne, Spaghetti Bolognese und fertige Hamburger-Frikadellen. In den Produkten wurden teilweise zwischen 30 und 100 Prozent Pferdefleisch gefunden.

Wie kam Pferdefleisch in den Produktionskreislauf?

Laut britischen Medienberichten handelt es sich um eine kriminelle „Pferdemafia“ in Rumänien. Das Fleisch wird demnach vor Ort verarbeitet und an französische Fleischverarbeitungsfirmen exportiert, die es nach Firmenangaben ohne Wissen darüber, dass es sich eigentlich um etwas Anderes handelt, als Rindfleisch verarbeitet haben. Mittlerweile zeigt sich jedoch, dass in den Pferdefleisch-Skandal europaweit mehr Unternehmen verwickelt sind, als bislang vermutet. Darunter auch deutsche Hersteller.

Welche Firmen sind in welchen Ländern involviert?

In einem Fall geht es um den Tiefkühlhersteller Findus in Großbritannien (der nichts (mehr) mit Nestlé zu tun hat, auch wenn der Konzern eine gleichnamige Tochterfirma in der Schweiz hat). Er vertreibt Fertigkost der französischen Firma Comigel, die wiederum einen Teil ihres zu verarbeitenden Fleischs aus Rumänien bezieht und damit bei der luxemburgischen Firma Tavola produzieren lässt. Zwischen November 2012 und Ende Januar 2013 kamen mindesten 359.722 Packungen Lasagne und Cannelloni aus dem verdächtigen Betrieb in Luxemburg nach Deutschland. Comigel gibt an, das Fleisch vom französischen Lieferanten Spanghero bezogen zu haben. Dieser weist wiederum auf einen rumänischen Zulieferer hin. Eine weitere Spur führt laut französischen Regierungsangaben vom französischen Hersteller Poujol zu einem Händler nach Zypern.

Sind die Produkte gefährlich?

Die Behörden sehen keine unmittelbare gesundheitliche Gefahr durch den Verzehr von Pferdefleisch. Das Fleisch kann jedoch unter Umständen Spuren von Medikamenten enthalten. Es wird auf Rückstände des Schmerzmittels Phenylbutazon getestet. Erste Test-Resultate bestätigen den Verdacht. In französischen Tiefkühlprodukten sind Reste von Phenylbutazon enthalten. Es wird bei Pferden häufig therapeutisch angewendet, teilweise auch als Doping-Mittel im Pferdesport. In der Medizin ist es ein Medikament gegen Rheuma.

Wieso wurden Pferdefleischspuren nicht schon vorher entdeckt?

In Großbritannien wurde Rindfleisch nach Angaben der Lebensmittelaufsichtsbehörde FSA in den vergangenen zehn Jahren nicht routinemäßig auf Pferdefleischspuren getestet. Eigentlich sollen solche Fälle durch das Passsystem verhindert werden. Seit 2009 braucht jedes Pferd in der Europäischen Union einen sogenannten Equidenpass, der unter anderem über Herkunft und Impfung des Tieres Auskunft geben soll. In Deutschland werden die Pässe auch durch Pferdezüchter- oder Reitsportverbände vergeben, was das System manipulationsfähig macht.

Wie haben die Firmen reagiert?

Die Firmen haben die fraglichen Produkte sofort aus dem Handel genommen. In Deutschland waren bereits Aldi Nord, Aldi Süd, Eismann, Edeka, Kaiser´s, Kosnum Leipzig, Lidl, Metro, Real, Rewe und Tengelmann betroffen.

Wie reagieren die Behörden?

Bundesverbraucherministerin Ilse Aigner (CSU) will Konsequenzen aus dem Skandal mit falsch deklariertem Pferdefleisch in Fertigprodukten ziehen. Bei einem Treffen der Verbraucherminister von Bund und Ländern hat sie einen Entwurf für einen Nationalen Aktionsplan vorgelegt. EU-Gesundheitskommissar Tonio Borg spricht indes von einer dauerhaften Einführung von DNA-Tests für Fleisch auf EU-Ebene.

Wie viel Pferdefleisch ist als Rindfleisch verzehrt worden?

Die Behörden in Frankreich und anderen EU-Staaten wissen bisher nicht, seit wann und in welchem Umfang Pferdefleisch als Rindfleisch verkauft wurde. „Das kann man nur sehr schwer feststellen“, sagte der Leiter der luxemburgischen Veterinärinspektion, Felix Wildschütz, der Nachrichtenagentur dpa. Vor allem in Frankreich suchten die Behörden ältere Lagerbestände von Tiefkühlkost, um Proben zu entnehmen und auch die möglicherweise verwendeten Mengen von Pferdefleisch abschätzen zu können.

Wie ist Deutschland betroffen?

In Deutschland sind seit Mitte Februar Fälle bekannt, in denen Händler mit Produkten beliefert wurden, die Pferde- statt Rindfleisch enthalten. Auch die britische Regierung gerät weiter unter Druck. Ein früherer Mitarbeiter der Lebensmittelaufsicht FSA will schon im April 2011 geholfen haben, einen Brief des größten britischen Pferdefleisch-Exporteurs High Peak Meat Exports an den damals zuständigen Minister aufzusetzen, in dem auf unzureichende Kontrollen in der Pferdefleischverarbeitung hingewiesen wurde.

Hätte man den Unterschied denn bei der Verarbeitung nicht sehen müssen?

Pferdefleisch ist sehr ähnlich in Textur und Geschmack zu Rindfleisch, sodass es schwierig ist, eine Täuschung zu erkennen. Pferdefleisch ist übrigens auch genauso hochwertig und nährstoffreich wie Rindfleisch. Wenn es sich aber um Tiere handelt, die ursprünglich nicht für den Verzehr gezüchtet wurden, besteht die Gefahr, dass Medikamente eingesetzt wurden, die bedenklich sind für den Konsumenten. Ansonsten geht es hier aber vor allem um ethische Bedenken.

Kommentare (13)

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Account gelöscht!

11.02.2013, 16:54 Uhr

Ob es sich bei dem Pferdefleisch um Fleisch geschlachteter oder toter Tiere handelt wird überhaupt nicht erwähnt. Wenn schon von Rümänien oder andern Balkanländern gekauft wird,müßte man schon genauer kontrollieren, da dort unrechtes Handeln weit verbreitet ist. Pferdefleisch ist natürlich nicht schlecht, aber es sollte als solches gekennzeichnet sein und auch garantiert frei von Medikamenten sein und natürlich auch nicht von gefallenen Tieren stammen. Der Schlendrian ist aber in der ganzen Nahrungsmittelkette, besonders auch in Bayern, wie aus der Vergangenheit hinlänglich bekannt.Solange man Verbraucher-
kontrollen und -belange bei der Landwirtschaftsministerin
ansiedelt,sind die Landwirte und deren Profite wichtiger als die Verbraucher. Es ist doch ein Skandal, dass die
Schuldigen bei Lebensmittelverstößen nicht mit Namen und Adresse genannt werden dürfen !!

Account gelöscht!

11.02.2013, 17:18 Uhr

Fertigfraß
==========
Mein Tiefkühl McWürg muhte nicht, er wieherte, als ich ihn in der Mikrowelle zubereitete.
Auf der Verpackung stand: "100% argentinisches Rindfleisch".
Als ich den Burger dann fragte woher er komme, sagte er mir: "Aus dem EU-Land Rumänien". Und warum tarnst Du dich als Rindfleisch? "Das ist doch normal!"
Am nächsten Tag bestand der Burger aus 100% Ratte, danach aus Hund. Der Kaninchenbraten war Katze und das Sushi war "Seperatorenfisch".
Aber: Geiz ist geil und billig will ich!
Es grüßt der deutsche Verbraucher!

virgilbestea

11.02.2013, 17:30 Uhr

Frau Krehl,

wenn Sie ein echter Metzger auf die Probe stellen und ihm zwischen Pferd und Rind, nur auf Grund von Textur und Geruch entscheiden lassen, behaupten Sie weiter, dass die folgende Aussage trifft ?"Pferdefleisch ist sehr ähnlich in Textur und Geschmack zu Rindfleisch, sodass es schwierig ist, eine Täuschung zu erkennen." Ich wette mit Ihnen 100 Euro bar auf dem Pfoten, dass der Profi wissen wird, wenn jemand ihm "von Pferd erzählt" :-)

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