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07.06.2011

15:46 Uhr

Pflegemarkt

Heuschrecke im Altersheim

VonSönke Iwersen

ExklusivZahlreiche Finanzinvestoren verhoben sich in der Vergangenheit am deutschen Markt für Altenpflege. Jetzt startet ein Frankfurter Riesen-Fonds die nächste Attacke. Sein Ziel: der gebeutelte Branchenführer Curanum.

Der Finanzinvestor Triton könnte mit seinem Einstieg beim Altersheimbetreiber Curanum eine Konsolidierungswelle am Pflegemarkt auslösen. Quelle: dpa

Der Finanzinvestor Triton könnte mit seinem Einstieg beim Altersheimbetreiber Curanum eine Konsolidierungswelle am Pflegemarkt auslösen.

DüsseldorfSeit mehr als zwei Jahren suchen Aktionäre der Münchener Curanum AG nach einem Käufer für ihre Anteile an dem kränkelnden Altersheimbetreiber. Nun ist plötzlich ein milliardenschwerer Investor aufgetaucht: Triton. Wie die Frankfurter Beteiligungsgesellschaft dem Handelsblatt auf Anfrage bestätigte, hält Triton bereits 17 Prozent an Curanum und ist damit größter Aktionär. Zu seinen Plänen äußerte sich Triton nicht.

Der Altersheimbetreiber Curanum wirkt auf den ersten Blick nicht wie ein attraktives Investment. 2010 schrieb das Unternehmen bei einem Umsatz von 257 Millionen Euro einen Verlust von 16 Millionen Euro, das erste Quartal 2011 lag nochmals 50 Prozent unter dem Vorjahreswert. Im vergangenen September trennte sich Curanum im Streit von seinem Vorstandschef, das Unternehmen musste Häuser schließen und hohe Abschreibungen tätigen.

Die Zahlen passten so überhaupt nicht zu den Vorstellungen der Aktionäre. So war 2007 unter anderem der US-Investor Guy Wyser-Pratte eingestiegen und versprach sich hohe Gewinne. Die Branche sei reif für eine Konsolidierung, hieß seine These, doch es kam anders: Die Curanum-Aktie brach Anfang 2008 von neun auf vier Euro ein und orientierte sich dann weiter abwärts. Die Aktionäre übten sich mit Durchhalteparolen.

Im April 2009 sagte Wyser-Pratte: „Es gibt permanent Diskussionen mit potenziellen Käufern von Curanum. Sobald ein konkretes Übernahmeangebot auf den Tisch kommt, werde ich zusammen mit weiteren Eignern Curanum dazu drängen, es zu akzeptieren.“

Das Angebot allerdings kam nie – oder es war nicht attraktiv genug. Der Curanum-Kurs fiel weiter und erreichte Mitte 2010 die Marke von zwei Euro. Wyser-Pratte taucht auf der Internetseite von Curanum als Aktionär nicht mehr auf. Im Herbst war die Lage des Unternehmens so prekär, dass der Aufsichtsrat sich von seinem Wunschkandidaten für den Vorstandssessel kurzfristig einen Korb holte.

Seitdem führt der ehemalige Finanzvorstand der Varta AG, Walther Wever, die Geschäfte. Wevers Aufgabe war es, das Schlimmste zu verhindern. Curanum brach seine Kreditvereinbarungen, das Unternehmen stand auf der Kippe. Nur mit Mühe gelang eine Refinanzierung, im Mai folgte eine Kapitalerhöhung.

Genau in dieser Situation tritt nun der neue Großinvestor in Erscheinung. Triton will sich zu seinem Einstiegsgründen und Absichten nicht äußern. Insider berichten, Triton beobachte Curanum schon seit Jahren - und habe nun einen denkbar günstigen Einstieg gewählt.

Triton sammelte am Markt Aktien auf und profitierte davon, dass mehrere gebeutelte Großaktionäre bei der Kapitalerhöhung nicht mitziehen wollten. Die große Frage für die anderen Aktionäre ist nun, was Triton bei Curanum vorhat. Ein Aktienpaket von 17 Prozent würde dem Investor nicht viel nützen, wenn er nicht weitere Anteile dazukauft.

An Offerten herrscht kein Mangel. Sowohl die NordLB als auch der britische Pentagon-Fonds sitzen auf Curanum-Aktien, die sie nie haben wollten. Wie die Landesbank im März 2008 mitteilte, hatte sie mehrfach Aktien von Curanum gekauft und verkauft und hielt schließlich 4,3 Millionen Stück. Allerdings behauptete die Bank, sie habe die Aktien nur für einen Kunden geordert - den Finanzinvestor Vatas.

Der Streit ging vor Gericht, Vatas pleite. Die Landesbank hält aktuell 13 Prozent an Curanum. Ihr Kaufkurs: rund neun Euro. Noch ein bisschen wilder kam der britische Finanzinvestor Pentagon zu seinen Curanum-Anteilen. Er ging einen Vertrag erst mit Vatas und dann mit dem Unternehmer Winfried Kill ein, der ihm erlaubte, 2,5 Millionen Aktien zum Preis von 7,35 Euro zu erwerben und später für 8,50 Euro zurückzugeben.

Als der Stichtag kam, wollte Kill jedoch nicht zahlen. Kills Familie behauptete, er sei bei Vertragsschluss geistesgestört gewesen, der Vertrag deshalb nichtig. Pentagon klagte, der Streit dauert an. Bis zu seinem Ende bleibt Pentagon Altersheim-Aktionär wider Willen – der Fonds hält aktuell acht Prozent an Curanum.

Beide unglücklichen Investoren dürfen nun auf Angebote von Triton hoffen. Dass der neue Curanum-Großaktionär vielleicht größere Pläne in der Branche hat, deutete sich schon vor gut einem Jahr an. Anfang 2010 kaufte Triton gemeinsam mit dem Finanzinvestor KKR den skandinavischen Pflegebetreiber Ambea für 850 Millionen Euro.

Sollte Triton tatsächlich die lang erwartete Konsolidierungswelle im Markt für Altenpflege auslösen, könnte sich endlich ein Ausstiegsszenario für die NordLB und Pentagon öffnen. Bis zu ihren Einstiegskursen wäre es allerdings noch ein sehr weiter Weg.  

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