Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

31.07.2012

12:04 Uhr

Pharmahandel

„Es ist eine Art Notbremsung“

VonSiegfried Hofmann, Martin-W. Buchenau

Der Celesio-Chef Markus Pinger erläutert im Handelsblatt-Interview die neue Strategie des Konzerns. Nach vier Jahren sinkender Gewinne soll ein neues Apothekenkonzept dem Pharmahändler aus der Patsche helfen.

Markus Pinger, der neue Celesio-Vorstandsvorsitzende. dpa

Markus Pinger, der neue Celesio-Vorstandsvorsitzende.

Handelsblatt: Herr Pinger, vor knapp einem Jahr hat Sie Ihr Großaktionär Haniel nach Stuttgart geholt, um Celesio wieder auf Kurs zu bringen. Was haben Sie denn bisher erreicht?
Markus Pinger: Wir sind in den letzten Monaten schnell vorangekommen und sehen uns auf einem guten Weg bei der Neuausrichtung des Konzerns. Nach vier Jahren Ertragsrückgang ist unser operativer Gewinn im ersten Quartal erstmals wieder gestiegen, um gut fünf Prozent. Wir sind zuversichtlich, dass wir diese positive Entwicklung beibehalten.

Klingt wie aus dem Kommunikationshandbuch für Manager. Doch die Börse haben Sie noch nicht überzeugt. Der Aktienkurs ist weit unter seinem einstigen Niveau.
Das stimmt, aber so schnell geht das nicht. Seit 2007 ist die Gewinnentwicklung von Celesio negativ. Allein 2011 musste mehrfach die Gewinnprognose nach unten revidiert werden. Ende Oktober haben wir unsere neue Strategie präsentiert. Seitdem hat die Aktie mehr als 25 Prozent zugelegt. Das zeigt, dass die Investoren unseren neuen Kurs positiv sehen und wieder Vertrauen fassen.

Die neue Strategie besteht derzeit vor allem aus Desinvestitionen ...
und Effizienzverbesserungen. Das ist ein wichtiger Teil unseres Programms. Es ist eine Art Notbremsung, um die jahrelang negative Entwicklung so schnell wie möglich zu stoppen. Der offensive Teil unserer Strategie besteht darin, unsere Apotheken und den Pharmagroßhandel wieder durch Innovation und organisches Wachstum voranzubringen. Es macht keinen Sinn, viel Geld für Zukäufe auszugeben und das bestehende Geschäft dabei zu vernachlässigen. Man sägt so den Ast ab, auf dem man sitzt. Wir wollen wieder einen gesunden Mix aus organischem und externem Wachstum finden.

Wann wollen Sie das Verkaufsprogramm abschließen?
Wie angekündigt bis Ende des laufenden oder Anfang des nächsten Jahres. Mit dem Verkauf des Logistikdienstleisters Movianto und der Servicefirma Pharmexx haben wir gerade zwei wichtige Schritte gemacht, schneller und erfolgreicher als erwartet. Das zeigt auch das positive Feedback des Kapitalmarkts.

Die Trennung von der Versandapotheke Doc Morris wird wohl schwieriger.
Wir haben genug Interessenten und sind auch hier zuversichtlich. Wir haben aber immer gesagt, dass bei allen Veräußerungen für uns nicht das Tempo im Vordergrund steht, sondern das Ziel, im Interesse der Unternehmen und deren Mitarbeiter den richtigen Partner zu finden. Das ist uns bei den Veräußerungen von Movianto und Pharmexx auch gelungen.

Kommentare (1)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Nehm

31.07.2012, 21:41 Uhr

Dass Nachfolger den Vorgänger selten bis in den Himmel loben, ist sicherlich kein Novum. Pinger hat das Unternehmen innerhalb eines Jahres auf den Kopf gestellt. Interessanterweise geschah dies in Abwesenheit jeglicher Branchenkenntnis. Wie in solchen Fällen üblich, kauft man die Expertise extern hinzu. Wie man hört, geben sich die Unternehmensberater nun die Türklinke in die Hand. Dass man im Vergleich zur Oesterle-Ära Einsparungen erzielen wird, steht außer Frage. Allerdings wird man wohl recht lange brauchen bis die Umstrukturierungen selber bezahlt sind. Allein das Auswechseln des Vorstands war schon ein sehr teures unterfangen. Und das sind nicht die einzigen Personen, die das Unternehmen verlassen haben. Ein sehr teures Unterfangen. Und der Rest der Belegschaft? Hat entweder mehr zu tun oder verbringt die Zeit auf einschlägigen Jobportalen. Sehr viel Negatives hört man auch über die Allüren u. Manieren des jungen Vorstandsvorsitzenden. Ob das gut geht? Dem Traditionsunternehmen, der Familie Haniel und den Mitarbeitern ist es zu wünschen.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×