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11.06.2015

17:34 Uhr

Pille per Paket

Versandapotheken wachsen mit „Dr. Google“

Den Gang zur Apotheke spart sich mancher gelegentlich und bestellt online – auch wegen des Preises. Langsam, aber stetig wachsen die Versand-Apotheken. Doch den Weg zum Online-Boom versperrt der ärztliche Rezeptblock.

Die meisten Kunden bestellten ihre Medikamente vor allem online, weil es günstiger sei, so die Ergebnisse der GfK-Untersuchung. dpa

Faktor Preis

Die meisten Kunden bestellten ihre Medikamente vor allem online, weil es günstiger sei, so die Ergebnisse der GfK-Untersuchung.

BerlinEin Nasenspray-Vorrat im Herbst, Heuschnupfen-Tabletten im Frühling und alles, was man lieber unbeobachtet kauft: Ihre Medikamente besorgen sich immer mehr Menschen in Versandapotheken. Vor allem rezeptfreie Präparate, die sie regelmäßig brauchen, kaufen Patienten im Internet. Doch anders als bei Büchern und Elektronik steht auf dem Arzneimittelmarkt der ganz große Durchbruch für das Online-Geschäft noch aus.

„Der Umsatzanteil der Versandapotheken steigt weiter“, sagt GfK-Gesundheitsexperte Walter Pechmann am Donnerstag in Berlin. Er schätzt den Markt für rezeptfreie Medikamente auf jährlich 9,5 Milliarden Euro. Davon hätten sich die Onliner unter den Pharmazeuten im vergangenen Jahr jeden fünften Euro gesichert.

Gemessen am Gesamtumsatz der Apotheken sind das zwar nur gut vier Prozent. Aber 2014 hat laut GfK schon gut jeder zweite Apotheken-Kunde mindestens einmal online eingekauft.

„Besonders die 45- bis 65-Jährigen bestellen“, sagt der Wittenberger Apotheker Christian Buse. Er betreibt mit 250 Beschäftigten neben drei festen Niederlassungen mycare.de, eine der größten Versandapotheken. Bestellt werden etwa Mittel wie Kopfschmerztabletten, weil es da für viele einen planbaren Bedarf gebe. Oder Mittel gegen Blasenschwäche, weil es vielen unangenehm sei, solche Präparate am Ladentresen zu ordern, wo andere zuhören.

Rund 3000 der gut 20.000 Apotheken in Deutschland haben sich eine Versanderlaubnis besorgt. Doch 90 Prozent des Umsatzes machen nach Schätzungen 30 bis 40 große, darunter ausländische Anbieter wie DocMorris.

Apotheker Buse klagt: „Die Bremse ist das Papierrezept.“ Wer verschreibungspflichtige Arzneien braucht, muss den roten Schein mit der ärztlichen Verordnung einschicken – eine große Hürde, die aus Sicht der Versandapotheken vor dem 38 Milliarden Euro großen Markt der rezeptpflichtigen Medikamente steht.

Wie andere große Anbieter übernimmt Buse das Porto fürs Rezepteinschicken und liefert auch kleine Bestellungen auf Rezept versandkostenfrei – dennoch kommt das verschreibungspflichtige Segment nicht in Gang.

Kommentare (1)

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Herr Wolfgang Trantow

11.06.2015, 19:22 Uhr

Boom? Bin ich krank, brauche ich die Medikamente sofort und nicht Tage später! Streik kommt bei den Menschenfreunden nicht vor! Was nützen Medikamente, wenn ich sie Wochen später erhalte?

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