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02.09.2015

19:43 Uhr

Piloten verärgern ihre Kollegen

Lufthansa droht der 13. Streik

Streit um den Streik: Mit ihrer neuen Drohung isolieren sich die Piloten im Lufthansa-Konzern – neben der Unternehmensleitung sind auch Kabinen-Crews und Bodenpersonal sauer. Sie befürchten Jobverluste bei der Airline.

Lufthansa auf Konfrontationskurs: Wie sinnvoll ist der Streik?

Video: Lufthansa auf Konfrontationskurs: Wie sinnvoll ist der Streik?

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FrankfurtEs ist eine Wende in einem seit fast zwei Jahren schwelenden Konflikt, mit der keiner gerechnet hatte. Kaum hatte die Piloten-Gewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) am Mittwoch die Tarifgespräche mit dem Lufthansa-Management für gescheitert erklärt und neue Streiks angedroht, da wurden die Flugzeugführer massiv von der eigenen Mannschaft angegriffen. Die UFO, die Gewerkschaft des Kabinenpersonals, distanzierte sich mit harschen Worten vom Vorgehen der Piloten.

Die Verweigerung zum Einstieg in Gespräche sei wenig hilfreich, wetterte Uwe Hien, Tarifverantwortlicher bei UFO: „Verhärtete Positionen, die weiter zementiert werden, führen letztlich dazu, dass Arbeitsplätze der gesamten Lufthansa bedroht werden.“ Die Aussagen sind bemerkenswert. Bislang hatte das fliegende Personal in dem Tarifstreit weitgehend an einem Strang gezogen, schließlich verhandeln beide Beschäftigungsgruppen über dieselbe Themen: die Altersversorgung. Doch nun scheinen sich die Piloten mit ihrer starren Haltung immer stärker innerhalb des Konzerns zu isolieren. Beim Bodenpersonal ist man schon nicht gut auf die Piloten zu sprechen.

Die Tarifbaustellen der Lufthansa

Es ist kompliziert

Die Lufthansa führt mit mehreren Gewerkschaften getrennte Tarifverhandlungen für unterschiedliche Berufsgruppen. Das komplizierteste Thema sind die vom Unternehmen zum Jahresende 2013 gekündigten Betriebs- und Übergangsrenten. Lufthansa will künftig nur noch feste Arbeitgeberbeiträge zahlen, aber nicht mehr für die endgültige Rentenhöhe garantieren.

Piloten

Im Tarifstreit der rund 5400 Piloten im Lufthansa-Konzerntarifvertrag (KTV) geht es nicht nur um Gehalt oder Betriebsrenten, wenn letztere auch der offizielle Anlass für bislang 13 Streikrunden waren. Die Gewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) will den ungebremsten Ausbau der Lufthansa-Billigschiene „Eurowings“ verhindern, unter deren Dach etliche Fluggesellschaften mit weit geringer bezahlten Piloten agieren können.

Bodenpersonal

Die Gewerkschaft Verdi hatte zum Verhandlungsauftakt für rund 33.000 Bodenbeschäftigte der Lufthansa versucht, das Rententhema herauszuhalten. Nach vier Runden will die Airline aber immer noch die Gehaltsverhandlungen mit der Frage künftiger Betriebsrenten verknüpfen. Die Parteien haben sich bis Ende September vertagt und wollen die Rentenfrage in Arbeitsgruppen besprechen. Von Streiks war noch nicht die Rede.

Flugbegleiter

Die Kabinengewerkschaft Ufo war nach der gescheiterten Schlichtung zu den Rentenfragen schon bereit zu einem Streik, der Ende Juni erst in letzter Minute abgesagt wurde. Lufthansa hatte ihr Angebot zur Neuregelung der Betriebsrenten von rund 19.000 Flugbegleitern der Kernmarke Lufthansa aufgestockt. Anders als Cockpit ist Ufo zu einem Systemwechsel bei den Renten bereit und lehnt auch den geplanten Unternehmensumbau nicht kategorisch ab. Für die Gespräche hat man sich bis zum 1. November Zeit genommen.

Quelle: dpa

Im Juli hatte es so ausgesehen, als könnten sich beide Seiten doch noch annähern. Die VC hatte ein Bündnis für Wachstum vorgeschlagen. 500 Millionen Euro könne die Lufthansa so einsparen. Doch dafür sollte Lufthansa-Chef Carsten Spohr den Aufbau der Billiglinie Eurowings aussetzen - für die UFO eine „unrealistische Forderung“. Auch Spohr war dazu nicht bereit.

Eigentlich geht es in dem Tarifkonflikt um die Altersvorsorge für Piloten. Doch im Hintergrund dominiert der Streit über die Strategie von Spohr. Wachstum soll vor allem bei der Billigmarke Eurowings stattfinden, die Kernmarke Lufthansa soll dagegen schrumpfen.

In den Augen der VC ist das Tarifflucht, fliegen die Eurowings-Piloten doch außerhalb des Konzerntarifvertrags. „Ich hoffe, dass es zu keinen weiteren Streiks kommt. Aber wenn es notwendig ist, um die Zukunftsfähigkeit der Lufthansa herzustellen, ist das ein Preis, den wir bezahlen müssen“, sagte Spohr.

Kommentar zu Lufthansa-Streiks: Strategie ohne die Crew

Kommentar zu Lufthansa-Streiks

Strategie ohne die Crew

Ein neuer Piloten-Streik droht: Carsten Spohr gelingt es offensichtlich nicht, das fliegende Personal für seine Strategie zu gewinnen. Doch ohne ihre Unterstützung wird es der Lufthansa-Chef schwer haben. Ein Kommentar.

Die Verquickung von Tarifforderungen und Strategie ist problematisch. Gestreikt werden darf grundsätzlich nur wegen tariflicher ‧Forderungen. Dennoch sehen Rechtsexperten keinen Ansatz für rechtliche Schritte gegen die VC. „In der Rechtsprechung des Bundesarbeitsgerichts ist für die Rechtmäßigkeit eines Streiks allein der Inhalt des Streikbeschlusses entscheidend“, sagt Wolfgang Lipinski, Arbeitsrechtler der Kanzlei Beiten Burkhardt.

Ähnlich argumentiert Martin Mönks, Anwalt und Partner bei der Kanzlei Kümmerlein in Essen. Zwar sei es rechtlich sehr zweifelhaft, ob mit einem Arbeitskampf so weit in den Kernbereich der unternehmerischen Entscheidungsfreiheit eingegriffen werden dürfe. „Es ist aber unschädlich, wenn allgemein bekannt ist, dass im Vorfeld auch die Umstrukturierungen als solche Verhandlungsgegenstand waren und die Gewerkschaft diese eigentlich verhindern will.“

Richtig findet Lipinski die Rechtsauffassung allerdings nicht: „Ich bin der Meinung, dass die Sichtweise des BAG falsch ist. Bei der Prüfung, ob ein Streik rechtswidrig ist oder nicht, müssen auch offizielle Verlautbarungen der Gewerkschaft zum Beispiel in Presse-Informationen berücksichtigt werden.“

Von

jkn

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