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20.10.2014

16:21 Uhr

Pilotenstreik auch auf der Langstrecke

Analyst sieht Lufthansa-Prognose in Gefahr

Es ist der achte Streik bei der Lufthansa in diesem Jahr: Seit 13 Uhr haben die Piloten die Arbeit niedergelegt. Am Dienstag wird der Streik auf die Langstrecke ausgeweitet – ab Frankfurt geht dann nichts mehr.

Streik-Wirren

GDL pausiert, Lufthansa legt Arbeit nieder

Streik-Wirren: GDL pausiert, Lufthansa legt Arbeit nieder

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FrankfurtDie Piloten nehmen die Lufthansa mit einer massiven Ausweitung der Streiks in die Zange. Neben innerdeutschen und Europa-Strecken legen die Flugzeugkapitäne ab Dienstag auch ihre Arbeit auf den rentableren Langstreckenverbindungen nieder. Zwei von drei Lufthansa-Flügen fallen aus. Mit dem achten Ausstand in dem monatelangen Arbeitskampf wächst der Schaden für Europas größten Luftfahrtkonzern.

Entnervte Passagiere könnten sich künftig zwei Mal überlegen, ob sie die Airline noch buchen. Analysten warnen bereits davor, dass die Fluggesellschaft ihre Ziele für den Jahresgewinn kippen könnte.

„Wir weiten den Streik aus, um ein deutlicheres Signal zu setzen - vielleicht schwenkt die Lufthansa jetzt endlich ein“, sagte Markus Wahl, Vorstand der Piloten-Gewerkschaft Vereinigung Cockpit, am Montag zu Reuters. Aus Sicht der Lufthansa ist der Arbeitsausstand unverhältnismäßig. „Die Streiks verursachen nicht nur einen großen direkten wirtschaftlichen Schaden, sondern auch einen Imageschaden für Lufthansa“, sagte Finanzchefin Simone Menne. Die Folgen für das Unternehmen mit rund 115.000 Mitarbeitern seien unabsehbar. In dem Arbeitskampf, der sich seit sieben Monaten hinzieht, geht es um die bezahlte Frührente der 5400 Piloten. Die Lufthansa hält die alten Pensionszusagen auf Dauer für unbezahlbar.

Die Streiks bei der Lufthansa 2014

2.-4. April 2014

Mit einem dreitägigen Streik legen Piloten die gesamte Lufthansa praktisch lahm. 3800 Flüge fallen aus, etwa 425.000 Fluggäste sind betroffen.

29. August

Die Pilotenvereinigung Cockpit (VC) bestreikt die Lufthansa-Tochter Germanwings. 116 Flüge fallen aus. Laut Schätzungen der Airline sind rund 15.000 Passagiere betroffen.

5. September

VC bestreikt Kurz- und Mittelstreckenflüge der Lufthansa, die in Frankfurt starten. 218 Verbindungen fallen aus.

10. September

VC streikt am Drehkreuz München. 140 Flüge fallen aus.

16. September

Den in Frankfurt geplanten Langstrecken-Streik sagt die VC am Vorabend mit der Begründung ab, dass neue Gespräche angepeilt würden. Die Lufthansa hatte zuvor angekündigt, alle 40 bedrohten Überseeflüge auch ohne VC-Piloten anzubieten.

25. September

VC erklärt die erneuten Verhandlungen mit der Lufthansa für gescheitert und kündigt weitere Streiks an.

30. September

Im Zuge eines erneuten Streiks am Drehkreuz Frankfurt streicht die Lufthansa knapp 50 Flüge - inklusive Rückflüge. Rund 20.000 Kunden sind den Angaben zufolge betroffen.

16. Oktober

Germanwings-Piloten legen ihre Arbeit nieder. 100 Flüge werden gestrichen.

Der Streik trifft zum Wochenbeginn 250.000 Fluggäste. Durch nicht streikende Piloten, Flugkapitäne aus dem Management und andere Airlines der Lufthansa-Gruppe könnten aber 84.000 dieser Passagiere an ihre Ziele gebracht werden. Von den geplanten 2330 Verbindungen sollen 1510 ausfallen.

Der Streik auf der Kurz- und Mittelstrecke begann um 13.00 Uhr. Am Dienstag ab 6.00 Uhr wird der Ausstand auf Interkontinentalverbindungen ausgeweitet. Hier sind nahezu alle Flüge vom Drehkreuz Frankfurt gestrichen. Streikende ist am Dienstag um Mitternacht. Die Lufthansa-Billig-Tochter Germanwings ist ausgenommen, nachdem sie vergangene Woche bestreikt worden war.

Die Streikwelle nagt an den Nerven der Passagiere und könnte Experten zufolge die Prognose des Konzerns für dieses Jahr zunichte machen. Der direkte Schaden aus den bisherigen Streiks dürfte sich auf 70 Millionen Euro belaufen, dazu kämen noch 30 Millionen Euro für die Ausstände am Montag und Dienstag, sagte Analyst Jochen Rothenbacher von der Equinet Bank. Hinzu komme der langfristige Effekt. „Passagiere könnten künftig anderen Airlines den Vorzug geben.“ Daher könnte die Prognose für 2014 von einer Milliarde Euro operativen Konzerngewinns in Gefahr sein. Die Aktien verloren in der Spitze 2,5 Prozent.

Die Flugzeugführer kämpfen für die Beibehaltung der Frührentenregelung für die Piloten. Die Lufthansa sieht sich wegen harter Konkurrenz außerstande, die im Branchenvergleich großzügigen Vorruhestandsregeln weiter zu finanzieren. Bislang konnten die Piloten frühestens mit 55 Jahren das Steuer aus der Hand legen - durchschnittlich starten sie mit 59 Jahren in die Rente. Die Lufthansa will den Schnitt auf 61 Jahre erhöhen. Zudem kämpfen die Piloten gegen Pläne der Konzernleitung für neue Billig-Fluglinie.

Von

rtr

Kommentare (3)

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Herr Peter Petersen

20.10.2014, 10:29 Uhr

Lasst uns den Ast absägen, auf dem wir sitzen. Mit wehenden Fahnen untergehen..... warum nicht, wenn es den Piloten gefällt! Aber warum müssen die Piloten die arbeitenden Mitarbeiter der Lufthansa mit ruinieren? Höhenstrahlung, Giftgase im Cockpit oder einfach nur Größenwahn. - Natürlich sollen Piloten ob deren hohen Verantwortung und der gesundheitlichen Risiken auch sehr gut bezahlt werden. Es ist aber ein Job, der weder exorbitante Intelligenz noch überdurchschnittliche körperliche Fitness voraus setzt. Allerdings benötigt ein wirklich guter Pilot ausergewöhnliche charakterliche Eigenschaften, die nur wenige besitzen, leider auch einige Piloten nicht.

Herr Stefan Lehnert

20.10.2014, 13:09 Uhr

Irgendwann wird das Krisenmanagement bei der Lufthansa soweit fortgeschritten sein, dass man trotzdem alle Flüge mit externen und Managementpiloten starten kann :-) und vielleicht kann man dabei sogar noch sparen weil die eigenen teuren Piloten an Streiktagen nicht bezahlt werden müssen... dann wird jede neue Streikankündigung an der Börse mit Kursgewinnen honoriert :-)

Frau Stephanie Maurer

20.10.2014, 13:12 Uhr

Die Piloten haben es nicht verstanden: Lufthansa Kunden bezahlen ihre Jobs. Und wir als Kunden tolerieren dieses Verhalten nicht. Wir buchen nicht mehr bei der Lufthansa AG. Nebenbei fahren wir auch nicht mehr Bahn. Wer Kunden nicht respektiert, sein eigenes Unternehmen und die gesamten Wirtschaft derart konsequent sabotiert, darf gerne bei Null anfangen. Das merkt man diesen Mitarbeitern übrigens auch an. Wer will solche Mitarbeiter schon beschäftigen. Wir sicher nicht.

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