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29.11.2016

16:32 Uhr

Pilotenstreik

Lufthansa-Flugzeuge bleiben am Boden

Die Lufthansa-Piloten sind in den Streik getreten – pünktlich. Am Dienstag und Mittwoch fallen mehr als 1.700 Flüge aus, Kurz- und Langstreckenflüge sind betroffen. Im Konzern formiert sich derweil Widerstand.

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Frankfurt/MainBei der Lufthansa hat am Dienstag der jüngste Streik der Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit begonnen. Der Sonderflugplan sei wie geplant angelaufen und werde „stabil abgeflogen“, sagte ein Unternehmenssprecher am Morgen der Nachrichtenagentur AFP. Im Tagesverlauf fallen demnach insgesamt 816 Kurzstreckenflüge aus, rund 82.000 Passagiere mussten ihre Pläne ändern.

Am Montag hatte die Fluggesellschaft eine Niederlage vor dem Arbeitsgericht München hinnehmen müssen, das einen Eilantrag der Lufthansa gegen den auf zwei Tage angelegten Streik zurückwies. Das Unternehmen rief daraufhin das Landesarbeitsgericht München an. Am späten Abend nahm die Lufthansa ihren Antrag aber nach rund eineinhalbstündiger Verhandlung zurück, wie das Landesarbeitsgericht mitteilte. Damit wurde die Entscheidung aus erster Instanz rechtskräftig.

Rechte von Fluggästen bei Streiks

Ansprechpartner/Informationsquellen

Erster Ansprechpartner für Flugreisende ist immer die Fluggesellschaft, bei Pauschalreisen der Reiseveranstalter. Auch der jeweilige Flughafen bietet auf seiner Internetseite ausführliche Informationen über die aktuellen Abflug- und Ankunftszeiten. Bei Informationen aus dem Internet ist es sinnvoll, sich diese auszudrucken, um später einen Beleg zu haben.

Stornierung, Umbuchung, Umsteigen

Einen streikbedingt gestrichenen Flug kann der Kunde stornieren, er bekommt dann sein Geld zurück. Wer trotzdem fliegen will, hat Anspruch auf einen späteren Flug. Das kann aber dauern, bis der Streik vorbei ist – und auch länger, da ein Rückstau entstehen kann. Bei langen Ausständen muss die Fluggesellschaft eine Ersatzbeförderung organisieren, zum Beispiel mit der Bahn oder Bussen.

Verspätung

Verspätet sich der Flug wegen des Streiks, stehen Betroffenen bestimmte Leistungen zu. Bei einer Flugstrecke bis 1500 Kilometer haben die Passagiere ab einer Verspätung von zwei Stunden Anspruch auf Leistungen wie Telefonate, Getränke und Mahlzeiten. Ist der Flug zwischen 1500 und 3500 Kilometer lang, greift die Vorschrift ab einer Verspätung von drei Stunden, bei Langstreckenflügen ab vier Stunden. Auch eine Übernachtung im Hotel muss ggf. bezahlt werden. Ist eine Verspätung absehbar, sollten Passagiere trotzdem zur ursprünglichen Abflugzeit am Flughafen sein, da der Reisende sonst möglicherweise einen kurzfristig organisierten Ersatzflug verpasst.

Entschädigung

Bei Annullierung, Überbuchung oder Verspätung ab drei Stunden haben Passagiere zwar laut EU-Verordnung Anspruch auf eine Entschädigung von bis zu 600 Euro – aber nur, wenn kein „außergewöhnlicher“ Umstand daran schuld ist. Die Fluggesellschaften werten Streiks, wie zum Beispiel auch miserables Wetter, als außergewöhnlichen Umstand. Eine Entschädigung gibt es daher nicht.

Der Lufthansa-Sprecher bestätigte am Dienstag die Rücknahme der Beschwerde. Zu den Hintergründen wollte er sich nicht äußern. Zur Frage, ob das Unternehmen gegen den zweiten Streiktag am Mittwoch noch einmal vor Gericht ziehen könnte, machte der Sprecher keine Angaben.

Am Mittwoch fallen wegen des Ausstands 890 Flüge auf der Kurz-, Mittel- und Langstrecke aus. Davon sind laut Lufthansa etwa 92.000 Passagiere betroffen.

Bereits in der vergangenen Woche hatte die Vereinigung Cockpit von Mittwoch bis Samstag Ausstände organisiert. Seit dem Start der Streikwelle musste die Lufthansa einschließlich der neuesten Streichungen knapp 4500 Flüge ausfallen lassen. Mehr als eine halbe Million Passagiere mussten ihre Reisepläne ändern. Hintergrund ist der Tarifstreit um die Vergütung der Piloten.

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Im Lufthansa-Konzern formiert sich derweil Widerstand gegen die streikenden Piloten. Der Betriebsrat des Frankfurter Bodenpersonals hat für Mittwoch zu einer Gegendemonstration an der Unternehmenszentrale aufgerufen. Zeitgleich will die Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) für die Belange der Piloten demonstrieren.

Der Boden-Betriebsrat fordert in seinem Aufruf ein schnelles Ende des „zerstörerischen Streits“ und verlangt von der VC, in eine Schlichtung einzuwilligen. Die Durchsetzung von Partikularinteressen gehe auf Kosten aller anderen Kollegen. „Vielmehr muss es darum gehen, den notwendigen Konzernumbau im Sinne aller Lufthanseaten konstruktiv und in die Zukunft gerichtet zu begleiten. Tarifforderungen müssen sich den realen Marktbedingungen stellen“, heißt es in dem nicht namentlich unterzeichneten Aufruf.

Kommentare (2)

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Herr Hans Schönenberg

29.11.2016, 12:42 Uhr

Für mich persönlich werden auf Dauer das Cockpit-Personal die Verlierer sein. (ich bin kein Kenner/Insider-meine Flugaktivitäten beschränken sich auf 2-3 Urlaubsflüge pro Jahr) - Der Zwang für die Lufthansa geht einfach in Richtung der Billigflieger, denen man auf Dauer paroli bieten muß. - Sehr schade, daß hochqualifizierte Piloten sowas nicht erkennen. - Auf Dauer geht es um das Überleben der Lufthansa-Group.

Frau Lana Ebsel

29.11.2016, 12:56 Uhr

Ich würde den Laden dicht machen und das gierige Pack sich selbst überlassen. Hier wird eine Monopolstellung unverschämt ausgenutzt und durch Umfragen bei Bürgern, die fast nie fliegen und das mit einem unreflektierten Solidaritätsreflex auch noch begrüßen, unterstützt. Die Gutmenschenpresse verschweigt monoton, dass die Piloten sowieso schon jedes Jahr 3,3% Lohnerhöhung bekommen. Das was sie fordern, soll noch zusätzlich kommen.

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