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24.11.2016

10:49 Uhr

Pilotenstreik

Lufthansa-Vorstand drängt auf eine Schlichtung

Mitten im Streik bei der Lufthansa wendet sich der Vorstand der Airline direkt an die Piloten. Der direkte Schaden belaufe sich schon auf einen zweistelligen Millionenbetrag. Doch noch bleibt die Pilotenvereinigung hart.

Die Piloten fordern eine rückwirkende Lohnerhöhung von 3,7 Prozent pro Jahr. dpa

Pilotenstreik bei der Lufthansa

Die Piloten fordern eine rückwirkende Lohnerhöhung von 3,7 Prozent pro Jahr.

FrankfurtDie Lufthansa richtet sich mitten im Drei-Tage-Streik der Pilotenvereinigung Cockpit an die Flugzeugführer. „Ich appelliere an die Piloten, Cockpit unter Druck zu setzen, damit wir an den Verhandlungstisch kommen”, sagte Lufthansa-Vorstand Harry Hohmeister am Donnerstag. Er plädiere für eine Schlichtung. Die Kosten des Streiks seien hoch. Der direkte Schaden aus den ersten beiden Streiktagen belaufe sich für die Airline auf etwa 20 Millionen Euro. „Wir haben nicht nur einen akuten Schaden, sondern merken in den mittelfristigen Buchungszahlen, dass sich das Buchungsverhalten ändert”, sagte der Manager.

Cockpit bestreikt die größte deutsche Fluglinie seit Mittwoch für drei Tage. Allein für Donnerstag strich die Airline gut 900 Flüge, nachdem bereits am Mittwoch rund 880 Verbindungen ausgefallen waren. Für Freitag forderte die Gewerkschaft alle Kurzstrecken-Piloten dazu auf, die Arbeit niederzulegen.

Rechte von Fluggästen bei Streiks

Ansprechpartner/Informationsquellen

Erster Ansprechpartner für Flugreisende ist immer die Fluggesellschaft, bei Pauschalreisen der Reiseveranstalter. Auch der jeweilige Flughafen bietet auf seiner Internetseite ausführliche Informationen über die aktuellen Abflug- und Ankunftszeiten. Bei Informationen aus dem Internet ist es sinnvoll, sich diese auszudrucken, um später einen Beleg zu haben.

Stornierung, Umbuchung, Umsteigen

Einen streikbedingt gestrichenen Flug kann der Kunde stornieren, er bekommt dann sein Geld zurück. Wer trotzdem fliegen will, hat Anspruch auf einen späteren Flug. Das kann aber dauern, bis der Streik vorbei ist – und auch länger, da ein Rückstau entstehen kann. Bei langen Ausständen muss die Fluggesellschaft eine Ersatzbeförderung organisieren, zum Beispiel mit der Bahn oder Bussen.

Verspätung

Verspätet sich der Flug wegen des Streiks, stehen Betroffenen bestimmte Leistungen zu. Bei einer Flugstrecke bis 1500 Kilometer haben die Passagiere ab einer Verspätung von zwei Stunden Anspruch auf Leistungen wie Telefonate, Getränke und Mahlzeiten. Ist der Flug zwischen 1500 und 3500 Kilometer lang, greift die Vorschrift ab einer Verspätung von drei Stunden, bei Langstreckenflügen ab vier Stunden. Auch eine Übernachtung im Hotel muss ggf. bezahlt werden. Ist eine Verspätung absehbar, sollten Passagiere trotzdem zur ursprünglichen Abflugzeit am Flughafen sein, da der Reisende sonst möglicherweise einen kurzfristig organisierten Ersatzflug verpasst.

Entschädigung

Bei Annullierung, Überbuchung oder Verspätung ab drei Stunden haben Passagiere zwar laut EU-Verordnung Anspruch auf eine Entschädigung von bis zu 600 Euro – aber nur, wenn kein „außergewöhnlicher“ Umstand daran schuld ist. Die Fluggesellschaften werten Streiks, wie zum Beispiel auch miserables Wetter, als außergewöhnlichen Umstand. Eine Entschädigung gibt es daher nicht.

Die Gewerkschaft fordert rückwirkend ab 2012 eine Lohnerhöhung von 3,7 Prozent im Jahr. Die Lufthansa bietet 2,5 Prozent über eine Laufzeit von gut sechs Jahren. Es ist der 14. Streik in der seit April 2014 schwelenden Tarifauseinandersetzung zwischen der Pilotengewerkschaft und der größten deutschen Airline. „Die Ausgangslage ist, dass wir deutlich mehr zahlen als die Konkurrenz”, sagte Hohmeister. So gesehen müsste der Konzern eigentlich ein dickes Minus fordern. „Es ist klar, wer sich bewegen muss.” Doch verfolge Cockpit offenbar noch andere Interessen.

Unterdessen forderte der stellvertretende Unions-Fraktionsvorsitzende Michael Fuchs ein Gesetz zur Zwangsschlichtung. „Es kann nicht sein, dass ein paar Piloten immer wieder Hunderttausende in Geiselhaft nehmen”, sagte er der „Bild”-Zeitung.

Von

rtr

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24.11.2016, 12:12 Uhr

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