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21.09.2014

17:00 Uhr

Pilotenstreiks in Frankreich

Regierung fürchtet um Air France

Sie haben eine Woche gestreikt und wollen weiter machen: Die Piloten der Fluggesellschaft Air France legen die Geschäfte des Unternehmens lahm. Frankreichs Verkehrsminister sieht das Unternehmen in Gefahr.

Air France KLM-Kunden müssen wohl auch in den kommenden Tagen mit Blockaden und Ausfällen rechnen. Das könnte für die Fluggesellschaft zu einem großen Problem werden. ap

Air France KLM-Kunden müssen wohl auch in den kommenden Tagen mit Blockaden und Ausfällen rechnen. Das könnte für die Fluggesellschaft zu einem großen Problem werden.

ParisVor Beginn der zweiten Streikwoche der Air-France-Piloten hat Frankreichs Regierung vor schwerwiegenden Konsequenzen für die Fluggesellschaft gewarnt. Sollten sich Unternehmen und Beschäftigte nicht einigen, könne „das Schicksal des Unternehmens auf dem Spiel stehen“, sagte Verkehrsstaatssekretär Alain Vidalies am Sonntag. Im Streit um den Ausbau einer Billigflugtochter hatten die Mitglieder der größten Air-France-Pilotengewerkschaft zuvor für eine Fortsetzung des Arbeitskampfs gestimmt.

Vidalies forderte im Radiosender France Info eine Kompromisslösung. „Die Regierung möchte, dass der Streik beendet wird“, sagte er. Im Gespräch mit dem Radiosender Europe 1 warnte der Staatssekretär, dass Air France ein „finanziell angeschlagenes“ Unternehmen sei. Die Fluggesellschaft müsse auf das Phänomen der Billigflieger reagieren und sich anpassen. „Ich fordere die Piloten und die Firmenleitung auf, ihrer Verantwortung gerecht zu werden“, sagte Vidalies.

Streiks im deutschen Luftverkehr

5. März 2008

Auf dem Frankfurter Flughafen legen laut Gewerkschaft Verdi rund 2.000 Mitarbeiter von Vorfeld, Passagierkontrolle und Werkstätten für vier Stunden ihre Arbeit nieder.

23. Januar 2009

Wegen eines Warnstreiks des Kabinenpersonals fallen 44 Flüge von und nach Frankfurt aus. Die Flugbegleiter-Gewerkschaft UFO verlangt Tariferhöhungen.

Februar 2012

Bei einem tagelangen Arbeitskampf in Frankfurt fallen mehr als 1.700 Flüge aus. Die Gewerkschaft der Flugsicherung (GdF) will für Verkehrsdisponenten, Vorfeldlotsen und Flugzeug-Einweiser mehr Geld und bessere Arbeitsbedingungen erzwingen.

27. März 2012

Wegen Warnstreiks an den Flughäfen in Frankfurt/Main, Köln/Bonn, Düsseldorf, München, Stuttgart, Bremen und Hannover fallen Hunderte Flüge aus. Über Stunden sorgen die von der Gewerkschaft Verdi vertretenen Mitarbeiter von Feuerwehr, Gepäckabfertigung und Bodenverkehrsdiensten dafür, dass nicht mehr viel geht.

7. September 2012

Die Flugbegleiter-Gewerkschaft UFO verursacht den bis dahin größten Ausfall an einem einzigen Streiktag in der Geschichte der Lufthansa. Rund 1.000 Flüge werden gestrichen, mehr als 100.000 Passagiere sind betroffen. Bei zwei Streikwellen in den Tagen zuvor waren insgesamt bereits rund 500 Flüge ausgefallen.

Januar/Februar 2013

Streiks des Sicherheitspersonals privater Dienstleister legen mehrere deutsche Flughäfen mehrfach weitgehend lahm. In Hamburg, Düsseldorf und Köln/Bonn kommt es zu massiven Behinderungen.

22. April 2013

Die Gewerkschaft Verdi ruft zu einem ganztägigen Warnstreik auf, um Forderungen nach Jobgarantien und 5,2 Prozent mehr Geld durchzudrücken. Das Bodenpersonal der Lufthansa sorgt dafür, dass von 1.720 geplanten Flügen nur noch 32 stattfinden.

21. Februar 2014

Private Sicherheitsleute legen mit einem 21-stündigen Warnstreik den Frankfurter Flughafen nahezu lahm. Verdi fordert für die Beschäftigten einen Einheitsstundenlohn von 16 Euro.

2. April 2014

Im April kommt es zum längsten Arbeitskampf der Piloten bei der Lufthansa jemals. Die Vereinigung Cockpit (VC) ruft ihre Mitglieder bei Lufthansa, Lufthansa Cargo und Germanwings auf, für drei Tage die Arbeit niederzulegen. Die Lufthansa reduzierte in diesen Tagen ihr Flugplanangebot stark und strich insgesamt 3800 Flüge, wodurch weit über 400.000 Passagiere betroffen waren.

29. August 2014

Die Gewerkschaft Cockpit ruft Piloten der Lufthansatochter Germanwings zum Arbeitsausstand auf. Streitpunkt sind vor allem die Regelungen zur Übergangsversorgung der bei Lufthansa angestellten Piloten. Von dem sechsstündigen Streik an sieben Standorten sind 116 von 164 Germanwings-Flügen an dem Tag betroffen, 15.000 Passagiere können nach Angaben der Airline nicht wie gewohnt reisen.

Am Montag wird Air France nach eigenen Angaben nur rund 40 Prozent seiner geplanten Flüge bedienen können. An den Flughäfen Lille und Bordeaux fielen am Sonntag sämtliche Air-France-Flüge aus. Auch in Marseille, Nizza und Toulouse wurden fast alle Flüge gestrichen. Dem Unternehmen zufolge kostet jeder Streittag bis zu 15 Millionen Euro.

Die Mitglieder der größten Air-France-Pilotengewerkschaft SNPL AF Alpa stimmten mit 80,9 Prozent für die Fortsetzung des Ausstands bis zum kommenden Freitag. Eine weitere Verlängerung ist der Arbeitnehmervertretung zufolge nicht ausgeschlossen, sollte die Unternehmensführung ihre „Blockade“ in den Verhandlungen nicht aufgeben.

Die Piloten legen mit ihrem Streik seit einer Woche den Flugverkehr in Frankreich in weiten Teilen lahm. Der Konflikt dreht sich um die geplante Ausweitung der Aktivitäten der Air-France-Billigtochter Transavia auf ganz Europa. Air France reagiert damit auf die wachsende Konkurrenz durch Billigflieger wie Easyjet oder Ryanair.

Die von dem Konzern angebotenen Garantien reichen nach Ansicht der Gewerkschaft bisher nicht aus, um einen Stellenabbau in Frankreich auszuschließen. Die Air-France-Piloten, die bis zu 250.000 Euro im Jahr verdienen, fürchten, dass sie durch billigere Kollegen bei Transavia ersetzt werden.

Die Gewerkschaft forderte am Samstag von Premierminsiter Manuel Valls erneut, sich mit den Piloten zu treffen. Die Arbeitnehmervertretung hoffe, dass der Regierungschef „sich für die Rettung französischer Arbeitsplätze interessiert“, erklärte SNPL-Chef Jean-Louis Barber. Valls hatte die Air-France-Piloten bereits am Mittwoch aufgerufen, ihren Streik zu beenden, der von den Franzosen „nicht verstanden“ werde.

Von

afp

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