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03.01.2006

08:25 Uhr

Pilotenverhandlungen

Für die Swiss steigt der Zeitdruck

VonOliver Stock

Für die von der Lufthansa kontrollierte Schweizer Fluggesellschaft Swiss beginnt ein turbulentes Jahr: Sie will ihr Restrukturierungsprogramm in den kommenden zwölf Monaten abschließen, hat aber einen wichtigen Schritt dahin nicht erreicht.

ZÜRICH. Die Verhandlungen mit einem Teil der Piloten sind für einen Monat ausgesetzt worden, nachdem die Situation zum Jahreswechsel zu eskalieren drohte.

Konzernchef Christoph Franz hatte in einem Schreiben unmittelbar vor Weihnachten den rund 300 Regionalpiloten mit ihrer Entlassung gedroht, falls sie nicht bis zum Jahreswechsel einen neuen Arbeitsvertrag unterschrieben. Der neue Vertrag sieht eine niedrigere Bezahlung bei höherer Leistung vor. Franz hatte ihn entwerfen lassen, nachdem der Gesamtarbeitsvertrag mit den Regionalpiloten Ende Oktober ausgelaufen und die Regionalflotte in eine eigene Tochtergesellschaft mit Namen „Swiss European“ überführt worden war. Mit der neuen Organisationsstruktur eröffnete sich die Möglichkeit für neue Arbeitsverträge. Sie wurden versandt und von Franz und dem Swiss-European-Chef Manfred Brennwald mit einem Anschreiben und einer Frist versehen unterschrieben zurückverlangt: „Klar ist, dass sie ab 1. April 2006 definitiv keinen Arbeitsplatz mehr bei Swiss European haben werden, sollte Ihr persönlicher Arbeitsvertrag nicht bis spätestens 31. Dezember unterschrieben bei uns eingetroffen sein“, schrieben die beiden Swiss-Chefs am 22. Dezember und sorgten damit für Empörung. Gewerkschaftspräsident Christoph Frick bezeichnete die unnachgiebige Haltung der Swiss-Führung als „Stahlhelmtaktik“.

Beide Seiten verhandelten daraufhin bis zum 30. Dezember und einigten sich immerhin auf ein Moratorium: Im Januar werden die Verhandlungen ausgesetzt, im Februar soll dann die Auseinandersetzung erneut beginnen. „Beide Seiten sind von den Vorteilen überzeugt, die ein Kollektivvertrag bringt“, sagte der Vizepräsident der Pilotengewerkschaft Swiss-Pilots Tommy Kormalis nach diesem eher mageren Verhandlungsergebnis. Die von der Gewerkschaft eingesammelten Einzelarbeitsverträge von rund vier Fünfteln der Angeschrieben wurden der Unternehmensleitung gerade noch fristgerecht übergeben. Laut Kormalis wurde erreicht, dass die Verträge gegenüber der ursprünglichen Fassung „leichte Verbesserungen bei Lohn und Ferien“ enthalten. Die Zugeständnisse seien im „einstelligen Prozentbereich“. Die angepassten Einzelarbeitsverträge treten aber nur in Kraft, wenn bei den im Februar neu beginnenden Verhandlungen für einen Gesamtarbeitsvertrag kein Ergebnis erzielt werden kann.

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