Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

18.08.2011

15:14 Uhr

Piraten befeuern Sicherheitsfirmen

Auf in den Kampf!

VonFlorian Brückner

ExklusivDie Koalition ist sich einig: Schwer bewaffnete private Sicherheitsfirmen dürfen künftig offiziell deutsche Schiffe vor Piratenangriffen schützen. Die Politiker haben den Weg für ein lukratives Geschäftsfeld geöffnet.

Ein bewaffneter französischer Soldat steht auf einem Trawler. Quelle: AFP

Ein bewaffneter französischer Soldat steht auf einem Trawler.

Ob im Irak, in Afghanistan oder in Somalia - in den weltweiten Krisenherden an Land sind sie längst im Dienst. Und nun wird auch das Meer zum Geschäftsfeld für private Sicherheitsdienste aus Deutschland. Ganz besonders vor der Küste Somalias. An Bord von Handelsschiffen sollen oft mit scharfen Waffen ausgerüstete Söldner Crew, Schiff und Ladung vor Piraten schützen. Dafür wurden diese Wochen die Weichen in der Berliner Regierungskoalition gestellt.

International boomt das Geschäft schon jetzt. “Die Nachfrage übersteigt derzeit das Angebot”, sagt Walfried O. Sauer,  der sein Handwerk bei der polizeilichen Spezialeinheit SEK gelernt  hat und heute Chef der Result Group ist. Rund 260 feste und freie Mitarbeiter sind inzwischen für das Sicherheitsunternehmen von Sauer tätig. Größtes Wachstumsfeld: maritime Sicherheit.

Experten gehen davon aus, dass sich mittlerweile Hunderte von Anbietern auf dem Markt tummeln. Die Mehrzahl kommt aus dem Ausland: den USA genauso wie aus England oder Dänemark. Darunter sind bekannte Namen wie der Blackwater-Nachfolger XeCompany genauso wie maritime Spezialisten wie etwa die dänische MaRisk oder ein Analysehaus wie Exclusive Analysis. “In Deutschland ist die Branche noch relativ jung, wächst aber stark”, sagt Piraterie-Expertin Kerstin Petretto, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Friedensforschung und Sicherheitspolitik der Universität Hamburg. Die Zahl der Anbieter ist überschaubar - noch.

Es sind am Ende aber eben auch Deutsche, oft ehemalige Bundeswehrsoldaten, die dann etwa für Sauers Result Group mit geladenen Waffen an Bord von Handelsschiffen durch den Golf von Aden fahren. Täglich gehen in Sauers Firma Anrufe besorgter Reeder ein, die bewaffneten Schutz benötigten, wie Sauer im Gespräch mit Handelsblatt Online sagt.

Und das unter deutscher Flagge. Die Bundesregierung wird laut dem innenpolitischen Sprecher der CDU/CSU-Fraktion nach der Sommerpause die rechtlichen Rahmenbedingungen für den Einsatz privater Sicherheitsdienste an Bord deutscher Schiffe schaffen - und das Waffengesetz und die Gewerbeordnung entsprechend ändern. Der Grund liegt auf der Hand: Der Handelsdruck ist einfach zu hoch geworden.
Nach einer aktuellen Studie von PriceWaterhouseCoopers sind 86 Prozent der von der Unternehmensberatung befragten deutschen Reeder der Meinung, dass sich die Belastung der Schifffahrt durch Piraten vergrößert hat. Mehr noch: Gut jedes dritte von PWC befragte Unternehmen ist selbst schon Opfer von Piratenangriffen geworden. Und die Piraten werden immer gewalttätiger und kampfbereiter, wie etwa 90 Prozent der befragten Unternehmer meint.

Kommentare (4)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Prenden

18.08.2011, 16:25 Uhr

So macht die Abschaffung der Wehrpflicht wieder Sinn. Gute Ausbildung bekommen und dann in die Privatwirtschaft gehen. Und es wird wie immer Geld mit dem Töten verdient. Schade das wir solche Volksvertreter haben...;( Und kommt jetzt bitte nicht mit Sprüchen wie "wenn wir es nicht machen, dann machen es andere...". Man muss zu seinen Entscheidungen stehen und auch mal auf Geld verzichten. Was willst du sonst deinen Kindern an moralischen Werten mit auf den Weg geben.

leatho

18.08.2011, 17:30 Uhr

Ich finds gut: Endlich bekommen diese Verbrecher-Terroristen das was sie verdienen: Eine Kugel in den Kopf!

sat

18.08.2011, 17:55 Uhr

@prenden
Das sehe ich auch so!
Dazu kommt dass ausgerechnet die Reeder mit allen Steuervermeidungsmodellen eigentlich auf Steuergelder geschützt werden wollten und ich hoffe sehr, dass sie für ihre Security nicht auch noch "Beihilfen" bekommen.

@leatho
Erst wird mit internationalen Fangflotten der Fischbestand so minimiert, dass die einheimischen Fischer keine Chance haben. Raubbau nennt man das. Was Wunder dass sich manche (!) auf das lukrative Piratenhandwerk verlegen. Die echten "Verbrecher-Terroristen sitzen woanders.
Mal soeben wusch Kopf ab war noch nie eine Lösung!

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×