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19.09.2014

19:09 Uhr

Pläne seien „unzumutbar“

Verdi weist Sparkurs bei Karstadt zurück

Die Gewerkschaft Verdi leistet erbitterten Widerstand gegen den harten Sparkurs des neuen Karstadt-Eigentümers Benko. Eine Einigung ist nicht in Sicht. Tausende von Arbeitsplätzen stehen auf dem Spiel.

Karstadt verhandelt mit seinen Mitarbeitern: Die Gespräche sollen am 21. Oktober fortgesetzt werden. dpa

Karstadt verhandelt mit seinen Mitarbeitern: Die Gespräche sollen am 21. Oktober fortgesetzt werden.

Essen/GöttingenIn der ersten Runde der Karstadt-Tarifgespräche nach der Übernahme durch den Investor René Benko hat die Gewerkschaft Verdi Forderungen nach einer deutlichen Verschärfung des Sparkurses zurückgewiesen. Die von dem Unternehmen vorgelegten Pläne seien für die Beschäftigten unzumutbar, sagte Verdi-Verhandlungsführer Arno Peukes nach der Sitzung am Freitag. Die Gespräche sollen am 21. Oktober fortgesetzt werden. Karstadt war für eine Stellungnahme zunächst nicht zu erreichen.

Die Arbeitgeber hätten unter anderem eine Verlängerung der tariflichen Regelarbeitszeit sowie einen weiteren Verzicht auf Tariferhöhungen in den kommenden Jahren gefordert. Auch ein Vorstoß zur Streichung des Weihnachtsgeldes sei von Verdi nicht akzeptiert worden, so dass das die Zahlung in diesem Jahr für die rund 17 000 Karstadt-Mitarbeiter gesichert sei. Daneben sei auch das Urlaubsgeld von den Arbeitgebern auf den Prüfstand gestellt worden.

Karstadts Krisen-Chronik (Teil 1)

Keine Wende

Mit seinem früheren Mutterkonzern Arcandor war Karstadt 2009 in die Insolvenz gerutscht. Im Juni 2010 stieg Investor Nicolas Berggruen ein. Von seinem Einspringen wurde die Wende erhofft. Die Chronik der Krise.

1. September 2009

Für die wichtigsten Arcandor-Gesellschaften - darunter die Karstadt Warenhaus GmbH - wird das Insolvenzverfahren eröffnet.

1. Dezember

Zehn Karstadt-Standorte mit teils mehreren Häusern sollen nach Angaben der Insolvenzverwaltung geschlossen werden. Etwa 1200 Mitarbeiter sind betroffen.

15. März 2010

Beim Essener Amtsgericht wird ein Insolvenzplan vorgelegt. Am 12. April stimmen die Gläubiger dem Plan zu.

1. Juni

Von bundesweit 94 Kommunen haben bis auf drei alle einem Verzicht auf Gewerbesteuer zugestimmt. Die im Insolvenzplan geforderte Zustimmungsquote von 98 Prozent gilt damit als sicher.

7. Juni

Die vom Privatinvestor Nicolas Berggruen gesteuerte Berggruen Holding erhält vom Gläubigerausschuss den Zuschlag zur Übernahme. Einen Tag später unterschreibt Berggruen den Kaufvertrag unter Vorbehalt. Berggruen fordert vom Karstadt-Standortvermieter Highstreet deutliche Mietsenkungen.

14. Juni

Eine erste Verhandlungsrunde zu den künftigen Mieten endet ohne Ergebnis. Am 20. Juni lehnt Berggruen ein Angebot von Highstreet über Mietsenkungen von mehr als 400 Millionen Euro ab.

26. August

Berggruen hat sich mit der Essener Valovis-Bank geeinigt. Die Bank hatte Highstreet ein Darlehen über 850 Millionen Euro gewährt und dafür im Gegenzug 53 Waren-, Sport- und Parkhäuser als Sicherheit erhalten. Man habe sich unter anderem darauf verständigt, dass Berggruen dieses Darlehen bis 2014 ablösen könne, heißt es.

2. September

Die Highstreet-Gläubiger stimmen den von Investor Berggruen geforderten Mietsenkungen zu.

30. September

Das Essener Amtsgericht hebt das Insolvenzverfahren auf. Damit erhält Berggruen zum 1. Oktober die Schlüsselgewalt für die Karstadt Warenhaus GmbH. 40.000 Gläubiger verzichten auf zwei Milliarden Euro. Die Belegschaft verzichtet auf 150 Millionen Euro.

Die Gewerkschaft halte dagegen an ihrer Forderung nach einer Rückkehr in die Tarifbindung sowie nach einer Standort- und Beschäftigungssicherung fest, berichtete Peukes. In dem Gespräch seien auch die Sanierungspläne vorgelegt worden, die nach Angaben von Peukes den Abbau von 2000 Arbeitsplätzen vorsehen. „Die Pläne der Arbeitgeber erschöpfen sich bisher fast ausschließlich in weiteren Kosteneinsparungen“, sagte er. Ein tragfähiges Zukunftskonzept fehle dagegen immer noch. In der vergangenen Woche hatte der Aufsichtsrat die Weichen für die geplanten Einsparungen gestellt.

Von

dpa

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