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04.03.2016

15:17 Uhr

Playmobil

Neue Marketingchefin soll Machtstreit beenden

Mit der Marketingchefin Judith Weingart forderte die hausgemachte Führungskrise bei Playmobil ihr erstes Opfer im Vorstand – nun soll es mit einem Firmen-Eigengewächs als Nachfolger wieder voran gehen.

Nach dem Tod des verstorbenen Alleineigentümers Horst Brandstätter war ein Machtkampf an der Spitze des Spielwarenherstellers ausgebrochen. dpa

Machtkampf bei Playmobil

Nach dem Tod des verstorbenen Alleineigentümers Horst Brandstätter war ein Machtkampf an der Spitze des Spielwarenherstellers ausgebrochen.

ZirndorfMit der langjährigen Playmobil-Vertriebsexpertin Silke Heinrich als neuem Vorstandsmitglied soll bei dem fränkischen Spielwarenhersteller personell wieder Ruhe einkehren. Die 46-Jährige folge im dreiköpfigen Management auf die bisherige Marketingchefin Judith Weingart, wie die Playmobil-Herstellerfirma Geobra Brandstätter am Freitag mitteilte. Die langjährige Vertraute des verstorbenen Playmobil-Alleineigentümers Horst Brandstätter hatte ihren Hut wegen interner Querelen bei der geplanten Neuausrichtung des Konzerns nehmen müssen.

Heinrich arbeitet bereits seit 28 Jahren bei Geobra Brandstätter. Die gelernte Industriekauffrau habe in der Vergangenheit etwa den Vertrieb in Polen, der Schweiz und Österreich erfolgreich gesteuert. „Wir wollen neue Umsatzpotenziale erschließen und werden dafür unsere Vertriebsstruktur weiter ausbauen“, kündigte sie an. Auch das Lizenzgeschäft und neue digitale Angebote für die junge Zielgruppe wolle sie entwickeln. Dabei sehe sich Heinrich „klar in der Tradition“ des verstorbenen Inhabers Brandstätter.

Der Tod des Firmen-Patriarchen im vergangenen Juni hatte im Unternehmen jüngst eine Führungskrise ausgelöst. Dem Vorstand gehören außer Heinrich noch der für Personal und Finanzen zuständige René Feser und der Technische Leiter Robert Benker an. Da alle Vorstandsmitglieder gleichberechtigt sind, sei der Konzern zuletzt gelähmt worden, heißt es im Unternehmensumfeld.

Geobra Brandstätter mit Sitz im fränkischen Zirndorf bei Nürnberg ist mit weltweit mehr als 4100 Mitarbeitern nach eigenen Angaben Deutschlands größter Spielwarenhersteller. Playmobil wird derzeit in rund 100 Ländern weltweit vertrieben. 2015 erzielte die Firma einen Gesamtumsatz von 616 Millionen Euro.

Das ist der deutsche Spielzeugmarkt

Neue Rekorde

Die deutschen Spielwarenhändler erzielten im Jahr 2015 einen Rekordumsatz von knapp drei Milliarden Euro. Das entspricht einem Plus von rund sechs Prozent gegenüber 2014 und ist etwa ein Fünftel mehr als Anfang des Jahrzehnts. Klassisches Spielzeug kommt bei den Kindern gut an, aber auch Elektronik wie Drohnen oder Roboter sind bei den Kids begehrt.

Hohe Hürden

Die Branche leidet unter der starken Fokussierung der Kunden auf die Zeit kurz vor Heiligabend. Fast jeden dritten Euro erwirtschaftet die Industrie in den beiden Wochen vor dem 24. Dezember. Noch vor einigen Jahren hat das für die Anbieter überlebenswichtige Weihnachtsgeschäft bereits im November begonnen. Doch mittlerweile shoppen die Menschen in der Hoffnung, Schnäppchen zu ergattern, erst kurz vor dem Fest.

Großes Risiko

Marken und Händler tun sich schwer, die Nachfrage vorherzusagen. Wenn Ware in einzelnen Läden ausgeht, ist es kurz vor Weihnachten meistens zu spät, um nachzuordern. Ein großer Teil der Spielsachen kommt aus Fernost, der Transport dauert Wochen. So gehen wichtige Umsätze verloren. Händler müssen in Kauf nehmen, auf einem Berg von Teddys, Bauklötzchen oder Modellautos sitzen zu bleiben, falls sie nicht dem Geschmack der Kunden entsprechen. Das ist bitter, denn im Januar lässt sich die Ware erfahrungsgemäß nur mit erheblichen Abschlägen absetzen.

Lego

Die Dänen treffen wie kein anderer Anbieter den Geschmack der Kinder. Fast jeden fünften Euro erwirtschaften die Fachhändler hierzulande mit den bunten Klötzchen aus Dänemark. Das liegt unter anderem daran, dass die Lego-Sets vergleichsweise teuer sind. Aufwendige Bausätze kosten schon einmal 100 Euro und mehr.

Playmobil

Das fränkische Familienunternehmen produziert seine Spielewelten aus Plastik ausschließlich in Europa. Mittlerweile gibt es dem Hersteller aus Zirndorf zufolge mehr als 4600 Varianten der bunten Männchen. Weltweit wohnen etwa 2,8 Milliarden Playmobil-Figuren in Kinderzimmern. 2016 setzt Playmobil anlässlich der Europameisterschaft auf ein neues Fußball-Spiel. Erstmals kommt auch ein Kreuzfahrtschiff der Marke in die Läden.

Simba-Dickie

In Deutschland gilt die Simba-Dickie-Gruppe des Unternehmers Michael Sieber als größter Spielwarenanbieter. Der Franke unterhält einen ganzen Markenzoo, vom Bobby-Car-Produzenten Big über die Noris-Spiele bis hin zum Modellbahnhersteller Märklin. An den Schwaben hat Sieber bis jetzt allerdings keine so rechte Freude, 2015 ist der Umsatz mit den Lokomotiven und Waggons aus Göppingen leicht geschrumpft.

Ravensburger

Bekannt für Puzzles ist die Ravensburger AG. Mit dem elektronischen Griffel Tiptoi haben die Schwaben viele Fans dazugewonnen. Anfang 2015 hat das Unternehmen Brio übernommen, den skandinavischen Hersteller von Holzeisenbahnen.

Mattel

Der US-Konzern hat sich zuletzt schwer getan, die Herzen der Kinder zu erobern. So sank der Umsatz 2015 weltweit um fünf Prozent auf 5,7 Milliarden Dollar. Sorgenkind war vor allem Barbie, deren Verkäufe um weitere zehn Prozent zurückgingen. Von 2012 bis 2014 war der Absatz bereits um 20 Prozent gesunken. Allerdings hat Mattel zum Gegenschlag ausgeholt: Neue Varianten der berühmten Puppe, die es nun nicht mehr nur mit ultraschlanker Model-Figur, sondern auch „kurvig“, „groß“ und „klein“ gibt, sollen den 56 Jahre alten Klassiker zurück in die Spur bringen.

Hasbro

Transformers, Monopoly oder Furby: Der amerikanischen Spielwarenkonzern Hasbro hat eine ganze Reihe von bekannten Marken im Portfolio. Im letzten Weihnachtsgeschäft ist der Konzern vor allem mit „Star-Wars“-Figuren gewachsen. In Deutschland sind bei Jungs insbesondere die „Nerf“-Spielzeugpistolen ein Hit.

Von

dpa

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