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07.05.2012

16:45 Uhr

Pleite

Wer beerbt den kranken Onkel Schlecker?

Von der Schlecker-Pleite profitieren vor allem die Drogerie-Konkurrenten dm und Rossmann. Ein Kampf der Giganten kündigt sich an. Die Umsätze mit Drogeriewaren auf anderen Vertriebswegen haben messbar angezogen.

Der Kampf um die Kunden wird auch durch kurze Wege entschieden. dpa

Der Kampf um die Kunden wird auch durch kurze Wege entschieden.

WiesbadenEs ist wie beim Onkel, der im Sterben liegt: Die Familie schaut schon einmal in den Schrank, was es zu erben gibt. Das wertvollste Erbe am insolventen Drogeriekonzern Schlecker-Konzern sind der Umsatz (2011 noch angeblich 4,3 Milliarden Euro) und die Millionen Kunden, die es neu zu verteilen gilt, sollte Schlecker nicht doch noch einen finanzkräftigen Investor finden. Es kommt nicht oft vor, dass einer Branche der Marktführer wegbricht. Vom Niedergang des Konkurrenten profitieren die Drogerieketten dm und Rossmann, doch auch Lebensmittelhändler wie Rewe und Edeka, Discounter wie Lidl und Aldi bekommen einen Anteil ab - das sagten Experten am Montag auf einer Fachtagung „Drogeriemärkte im Umbruch“ in Wiesbaden.

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Der Kampf um die Schlecker-Kunden werde zum Teil durch kurze Wege entschieden, meinte Ralf Weustermann von der Marktforschungsfirma Nielsen. „Es gibt einen erkennbaren Anteil an Shoppern, für die Nähe ein Kriterium ist.“ Innerhalb von 400 Metern rund um die 2200 geschlossenen Schlecker-Filialen findet sich 600 mal ein Verbrauchermarkt, 950 mal eine andere Drogeriekette und 2000 mal ein Lebensmitteldiscounter.

Die Umsätze mit Drogeriewaren auf anderen Vertriebswegen haben messbar angezogen. Selbst Aldi oder Penny hübschen mittlerweile die Regale für Körperpflegemittel auf. Doch werden die Kunden künftig vermehrt ihr Duschgel und ihre Zahnpasta zusammen mit Wurst und Gemüse im Lebensmittelhandel kaufen?

So einfach ist es nicht. Gerade bei der Körperpflege, die die Hälfte der Drogeriewarenumsätze ausmache, sei die Markentreue hoch, erklärte Professor Thomas Roeb von der Fachhochschule Bonn-Rhein-Sieg. Doch die Discounter setzten weder auf Marken, noch könnten sie die bei den Kundinnen gefragte Beratung leisten. Also werde der Weg eher zu anderen Drogeriemärkten führen.

„Beim sehr gewichtigen Segment Körperpflege werden die Drogeriemärkte als Sieger hervorgehen“, gab sich auch GfK-Konsumforscher Wolfgang Adelwarth in der Zeitschrift „Lebensmittel Praxis“ überzeugt. „Bei Putz-, Wasch- und Reinigungsmitteln werden eher die Discounter und SB-Warenhäuser gewinnen.“

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