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07.06.2012

17:28 Uhr

Politik läuft Sturm

Schufa will sich an Facebook-Daten bedienen

Ist mit einem „Like“ bei Facebook bald die Kreditwürdigkeit in Gefahr? Die Schufa will sich im Internet an Daten von Bürgern bedienen und zur Bonitätsberechnung verwenden. Verbraucherschutz und Politik laufen Sturm.

Die Schufa will öffentliche Daten aus sozialen Netzwerken wie Facebook für Statistiken nutzen. Reuters

Die Schufa will öffentliche Daten aus sozialen Netzwerken wie Facebook für Statistiken nutzen.

Wiesbaden/BerlinEs sollte nur um ein Forschungsprojekt gehen, doch die Politik hat die Facebook-Pläne der Schufa eigentlich schon begraben, bevor es richtig losging. Schon allein die Überlegung, bei der Berechnung der Bonität auch Informationen aus Online-Netzwerken wie Facebook zu berücksichtigen, löste eine Lawine der Ablehnung aus. Politiker aller Parteien stellten unmissverständlich klar: Mit uns nicht! Die Wahrscheinlichkeit, dass die Schufa kurz das Profil bei Facebook oder Twitter durchleuchten darf, bevor man sich ein neues Auto oder Sofa auf Pump kaufen kann, ist damit gleich null.

Die Aufregung im Internet brach am Donnerstagmorgen aus: SCHUFA! WILL! FACEBOOK-NUTZER! DURCHLEUCHTEN! Dabei spielte es auch kaum eine Rolle, dass die größte Auskunftei Deutschlands eigentlich nur ein Forschungsprojekt am Hasso-Plattner-Institut in Potsdam gestartet hatte: „Es geht nicht darum, jetzt zusätzliche Datenquellen zu erschließen“, versicherte Schufa-Sprecher Andreas Lehmann. Das Forschungsprojekt solle nur klären, ob die Analyse öffentlicher Informationen aus dem Internet sinnvoll und überhaupt rechtlich zulässig sei. Die Äußerungen des Schufa-Sprechers belegen aber auch: Die Schufa macht sich durchaus konkrete Gedanken darüber. Das zeigt auch die Liste mit „Projektideen“, die der Radiosender NDR Info veröffentlichte.

Wie sich Kunden gegen ein falsches Scoring wehren

Transparenz

Kunden, denen aufgrund des Scorings eine Vertragsleistung verweigert wird, sollten bei dem betreffenden Unternehmen eine Begründung für die Ablehnung verlangen. Laut § 6a Bundesdatenschutzgesetz steht Betroffenen zu, dass ihnen die wesentlichen Gründe dieser Entscheidung mitgeteilt und erläutert werden.

Datenschutz

Wer zweifelt, ob die Berechnung des Scorings seriös ist, kann sich an den Datenschutzbeauftragten des Landes wenden, in dem die Auskunftei ihren Sitz hat. Denn er hat die behördliche Aufsicht und kann Einblick in Berechnungsverfahren nehmen. Das ist die einzig wirkliche Kontrollmöglichkeit, die Verbraucher haben, wenn sie nicht gleich Sachverständige und Gerichte bemühen wollen.

Kontakt suchen

Unter Umständen lohnt es sich, mit der Auskunftei selbst Kontakt aufzunehmen. Laut Geschäftsführer Wolfgang Hübner gibt es bei Arvato Infoscore die Möglichkeit, externe Scorewerte im Rahmen einer Sperrung „neutralisiseren“ zu lassen, das heißt einer Übermittlung grundsätzlich zu widersprechen. „Dazu ist eine entsprechende schriftliche Nachricht an uns ausreichend.“

Die Fragestellungen, denen das „SCHUFAlab“ am Potsdamer HPI nachgehen könnte, haben es zum Teil in sich. Auf der Liste steht dem NDR zufolge auch die Idee, einen Zusammenhang zwischen dem Freundeskreis von Facebook-Mitgliedern und ihrer Kreditwürdigkeit zu erforschen. Könnte man also irgendwann keinen Kredit mehr bekommen, wenn man bei Facebook zu viele arme Schlucker kennt? Zudem sei die Analyse von Textdaten denkbar, um „ein aktuelles Meinungsbild zu einer Person zu ermitteln“. Unter den „Projektideen“ sind auch die Einordnung des Wohnorts, des Arbeitsplatzes und auch eine automatische Identifizierung der „Personen öffentlichen Interesses, Verbraucherschützer und Journalisten“. Sollen diese dann bei einer Kreditvergabe bevorzugt werden?

Ebenso könnten die Wissenschaftler untersuchen, wie die Schufa über eigene Facebook-Profile oder Zugänge zum Kurznachrichtendienst Twitter verdeckt an „Adressen und insbesondere Adressänderungen“ anderer Nutzer gelangen kann. Angedacht sei auch die „automatisierte Identifikation von Personen öffentlichen Interesses, Verbraucherschützern und Journalisten“.

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Ein HPI-Sprecher betonte, der NDR zitiere „eine lange Ideenliste“, die aber noch kein Projektplan sei. Für Wissenschaftler dürfe es im Vorfeld eines Projektes keine Denkverbote geben. Nur ein kleiner Teil der Ideen beziehe sich überhaupt auf ausdrücklich personenbezogene Daten. „Der viel größere Teil betrifft ganz allgemeine Daten aus dem Internet, zum Beispiel Bevölkerungsdaten.“ Die Schufa verteidigt sich, man wisse selbst nicht, ob das so gute Ideen seien. „Deshalb auch das Forschungsprojekt“, sagt Sprecher Lehmann in Wiesbaden.

Kommentare (14)

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Account gelöscht!

07.06.2012, 11:29 Uhr

Die Gestappo und Stasi haben am Ende doch überlebt und können sogar 'privatisiert' werden. Hätte ich ein FB Account, würde ich ihn heute noch löschen. Ich bin aber vom Anfang an, nicht auf dem 'Social Network'-Zug gesprungen.

A.K.

07.06.2012, 11:35 Uhr

AK
Auf diese Nachricht hin habe ich sofort mein Profil bei FB gelöscht.

KFR

07.06.2012, 11:49 Uhr

Super !! dann wer ich mal einen super colen FB account aufsetzen,
prime locations, prime car, prime clothing, prime gadgets, royals und stars, beste linkdln Kontakte ...
so ein Rating hat die Welt noch nicht gesehen !!

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