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09.03.2016

17:34 Uhr

Post-Konkurrenz

Amazon rüstet mit 20 Jets auf

Amazon bläst zum Angriff auf die Platzhirsche im Paketgeschäft. Der Online-Riese hat sein konzerneigenes Verteilernetz mit 20 Frachtflugzeugen aufgerüstet. Die Deutsche Post könnte dadurch weiter unter Druck geraten.

Amazon will die Zustellung von Paketen zunehmend selbst organisieren und auch die Kosten stärker kontrollieren. Reuters

Amazon-Pakete

Amazon will die Zustellung von Paketen zunehmend selbst organisieren und auch die Kosten stärker kontrollieren.

DüsseldorfAmazon rüstet sein konzerneigenes Verteilernetz mit 20 Frachtflugzeugen auf. Der Online-Händler übernimmt die Boeing -767-Maschinen in einem Leasing-Vertrag von der Air Transport Services Group (ATSG), wie der Flugzeugvermieter am Mittwoch mitteilte. Amazon erklärte, die Jets würden Anfang April in den Dienst gestellt. Auf welchen Strecken sie zum Einsatz kommen sollen, blieb zunächst unklar.

Das Internet-Kaufhaus bläst mit dem Vorstoß offenbar zum Angriff auf Platzhirsche im Paketgeschäft wie UPS, FedEx und die Deutsche-Post-Tochter DHL. Die Deutsche Post erklärte erst am Mittwoch, sie sehe sich für einen Amazon-Angriff in ihrem angestammten Paketgeschäft gut gerüstet. Dabei könnte sie jedoch in naher Zukunft stark unter Druck geraten: Wie das Handelsblatt berichtete, hat die Post durch ein Amazon-Pilotprojekt in München fast ein Drittel des Marktanteils verloren.

Amazon: Angriff auf die Post

Amazon

Premium Angriff auf die Post

Der US-Konzern Amazon drängt ins Paketgeschäft. In München hat die Deutsche Post fast ein Drittel des Marktanteils verloren. Der Bonner Konzern reagiert mit Investitionen und bringt seine Tochter DHL in Stellung.

Amazon will die Zustellung von Paketen zunehmend selbst organisieren und auch die Kosten stärker kontrollieren. Der Konzern, in Deutschland bisher Großkunde der Post, baut dafür derzeit ein eigenes Verteilernetz auf. Zudem testet er auch die Auslieferung mit Hilfe von Drohnen, einen Starttermin gibt es aber noch nicht. Laut dem Flugzeugvermieter ATSG laufen die Verträge für die Frachtmaschinen über fünf bis sieben Jahre.

Mit der Vereinbarung habe sich Amazon auch das Recht gesichert, in den kommenden fünf Jahren bis zu 19,9 Prozent von ATSG zum Preis von 9,73 Dollar je Aktie zu kaufen. Das ist ein Nachlass von mehr als 17 Prozent auf den ATSG-Kurs vom Dienstag. Am Mittwoch katapultierte die Nachricht die ATSG-Aktien auf ein Rekordhoch: Die Papiere verteuerten sich um ein Viertel auf 14,65 Dollar.

Aufstieg mit Schattenseiten: Wie funktioniert Amazon?

Wie fing Amazon an?

Jeff Bezos gründete amazon.com im Jahr 1995. Den deutschen Ableger amazon.de gibt es seit 1998. Groß wurde das Unternehmen mit dem Versand von Büchern, Videos und Musik-CDs. Seit dem Jahr 2000 können auch fremde Händler ihre Produkte bei Amazon anbieten. Mittlerweile macht der Konzern mit Sitz in Seattle zwei Drittel seines Umsatzes mit Waren wie Computern, Digitalkameras, Mode oder Lebensmitteln. Amazon ist auch einer der Vorreiter bei elektronischen Büchern sowie Musik- und Video-Downloads. Zweites großes Standbein neben dem Handel sind die Webservices mit dem Cloud Computing.

Wie konnte der Konzern so mächtig werden?

Amazon fährt eine riskante Wachstumsstrategie: Der Konzern lockt die Kunden mit günstigen Preisen sowie einer schnellen und vielfach kostenlosen Lieferung. Zudem investiert er kräftig, in die Versandzentren wie auch in die Entwicklung neuer Technologie. Dieser Wachstumskurs hat jedoch eine Kehrseite: Die Gewinnmargen sind eher dünn. 2012 machte Amazon einen Verlust von 39 Millionen Dollar. Im Jahr 2013 blieben unterm Strich 274 Millionen Dollar (204 Millionen Euro) – bei einem Nettoumsatz von 74,45 Milliarden Dollar im Jahr 2013.

Wie relevant ist der deutsche Markt?

Es ist der größte Auslandsmarkt. 2012 setzte Amazon hierzulande 8,7 Milliarden Dollar um, umgerechnet sind das derzeit etwa 6,5 Milliarden Euro. Damit lag Deutschland noch vor Japan mit 7,8 Milliarden Dollar und Großbritannien mit 6,5 Milliarden Dollar. Der wichtigste Markt überhaupt ist allerdings Nordamerika mit 34,8 Milliarden Dollar. Amazon wuchs in seiner Heimat zuletzt auch deutlich schneller als im Ausland.

Wie wichtig ist Amazon für Deutschland?

Gemessen am Einzelhandelsumsatz insgesamt ist die Rolle von Amazon überschaubar. Etwa 1,5 Prozent trägt Amazon zum Branchenumsatz von fast 428 Milliarden Euro bei. Das meiste sind jedoch Lebensmittel. Betrachtet man den Online-Handel von Unterhaltungselektronik bis hin zu Büchern, sieht die Sache ganz anders aus: Amazon hält hier fast ein Viertel des Marktes.

Wie ist der Konzern aufgestellt?

In Deutschland unterhält das Unternehmen Logistikzentren in Graben bei Augsburg, Bad Hersfeld, Leipzig, Rheinberg, Werne, Pforzheim, Brieselang und Koblenz. Dort arbeiten nach Auskunft von Amazon etwa 10.000 fest angestellte Vollzeitmitarbeiter. In Spitzenzeiten wie dem Weihnachtsgeschäft kommen in jedem dieser Zentren Tausende Saisonkräfte hinzu. Weltweit arbeiteten 124.600 Mitarbeiter (Stand: März 2014) im Unternehmen.

Von

rtr

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