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30.06.2015

16:20 Uhr

Post und Verdi

Kontrahenten verhandeln wieder

Drei Wochen Streik liegen hinter den Kontrahenten – eine Einigung liegt noch immer in weiter ferne. Immerhin: Post und Verdi wollen sich jetzt wieder an einen Tisch setzen und ernsthaft nach einer Einigung suchen.

Mitarbeiter der Deutschen Post demonstrierten am Montag in München. dpa

Tarifstreit

Mitarbeiter der Deutschen Post demonstrierten am Montag in München.

DüsseldorfDie Deutsche Post und die Gewerkschaft Verdi wollen nach mehr als dreiwöchigen Streiks einen neuen Anlauf unternehmen, ihren erbitterten Tarifkonflikt zu beenden. Die am Freitag beginnenden Gespräche mit der Post sollten bis Samstag andauern, teilte die Gewerkschaft Verdi mit.

Der angekündigte zweitägige Verhandlungsmarathon im rheinland-pfälzischen Bad Neuenahr ist ein klares Zeichen, dass beide Seiten versuchen wollen, ihren Konflikt beizulegen. Insider vermuten, dass nun ernsthaft eine Einigung gesucht werden soll. Verdi-Verhandlungsleiterin Andrea Kocsis rief den Bonner Konzern bereits zur Bereitschaft zum Kompromiss auf. „Das ist unsere Erwartung an den Postvorstand“, unterstrich sie. Das Unternehmen hatte es bereits als „positives Zeichen“ gewertet, dass Verdi zu neuen Verhandlungen bereit sei.

Post-Streik - Eine Chronik

5. Dezember 2014

Pünktlich am Abend vor dem Nikolaustag beruft die Gewerkschaft Verdi bei der Post Betriebsversammlungen ein. Das Muskelspiel ist Auftakt der laufenden Tarifverhandlungen. Weil für mehrere Stunden der Betrieb ausfällt, bleiben Feiertags-Pakete liegen.

28. Januar 2015

Verdi berichtet öffentlich über die Pläne der Deutschen Post, 49 Zustellgesellschaften unter dem Namen „Delivery“ zu gründen, die nicht mehr dem üppigen Haustarifvertrag unterstehen. Befristet Beschäftigten der Post, von denen es mehr als 15.000 gibt, soll der Wechsel in die Delivery-Gesellschaften mit einer Festanstellung schmackhaft gemacht werden. Statt der durchschnittlichen 17,70 Euro Stundenlohn nach dem Haustarifvertrag müssen sie aber mit rund 13 Euro vorlieb nehmen, die der Flächentarifvertrag in den meisten Ländern vorsieht. Die Gewerkschaft kündigt Widerstand an.

1. April 2015

Am ersten Tag nach dem Auslaufen des Manteltarifvertrags startet Verdi erste Warnstreiks bei der Post, die das Ostergeschäft beeinträchtigen. Zahlreiche weitere Warnstreiks folgen, an denen sich jeweils 4000 bis 8000 Mitarbeiter beteiligen. Allerdings sind die Auswirkungen überschaubar: Rund sechs Prozent der Briefzustellungen verzögern sich.

26. Mai 2015

Das Bonner Amtsgericht weist eine Klage von Verdi zurück. Die Gewerkschaft hatte durchsetzen wollen, dass die Post keine Beamten als Streikbrecher einsetzen darf.

27. Mai 2015

Vor den Toren der Frankfurter Jahrhunderthalle, wo sich an jenem Tag die Aktionäre zur Hauptversammlung treffen, demonstrieren Tausende Verdi-Mitglieder, angeführt von Gewerkschaftschef Frank Bsirske, gegen die Tarifpolitik der Deutschen Post.

2. Juni 2015

Im Anschluss an die sechste Verhandlungsrunde unterbreitet Verdi das Angebot, beim neuen Tarifvertrag mit einer Laufzeit von 27 Monaten im ersten Jahr auf eine lineare Gehaltserhöhung zu verzichten. Eine Einmalzahlung von 500 Euro soll vorerst ausreichen. Im Gegenzug fordert die Gewerkschaft aber, die Delivery-Gesellschaften dem Haustarifvertrag zu unterstellen, was sie faktisch überflüssig machen würde. Die gesetzte Antwortfrist lässt der Post-Vorstand verstreichen.

8. Juni 2015

Verdi ruft zu unbefristeten Streiks auf.

5. Juli 2015

Die Gewerkschaft Verdi und die Deutsche Post einigen sich auf einen Tarifabschluss. Der soll in der Nacht von Montag (6.7) auf Dienstag (7.7.) in Kraft treten.

Eine Einigung wird schwer genug: Die Gewerkschaft fordert von der Post, auf 49 neue Subunternehmen in der Zustellung zu verzichten, in denen weniger gezahlt wird als im Konzern. Die neuen Firmen orientieren sich an den Tarifverträgen der Logistik-Branche, die deutlich unter denen der Post liegen. Verdi will die Post mit dem Streik zwingen, dass auch bei den Tochterunternehmen mit derzeit mehr als 6000 Beschäftigten der höhere Haustarif gezahlt wird, der für rund 140.000 Postler gilt. Die Post verweist dagegen darauf, dass sie deutlich höhere Löhne als ihre Wettbewerber zahlt. „Diese neue Struktur ist unverzichtbar“, hatte Personalchefin Melanie Kreis jüngst bekräftigt. Verdi hatte betont, dass die Gewerkschaft ihre Streiks bis zu einer Einigung fortsetzen will.

Von

rtr

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