Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

05.01.2007

23:00 Uhr

Praktikanten aus aller Welt

Aus Schanghai zu Thyssen-Krupp

VonSara Kammler

Schätzungsweise 30 000 Praktikanten aus aller Welt arbeiten bei deutschen Unternehmen. Die ausländischen Praktikanten sind begehrt: Denn sie bringen Kenntnisse des Heimatlandes und Fremdsprachen mit – und tragen damit zum Erfolg bei.

Für Thyssen-Krupp ist die Vergabe von Praktikantenstellen an Ausländer auch ein Stück Imagepflege. Foto: dpa

Für Thyssen-Krupp ist die Vergabe von Praktikantenstellen an Ausländer auch ein Stück Imagepflege. Foto: dpa

DÜSSELDORF. Ana Kostic ist erst 25 Jahre alt, doch im gläsernen Postturm der Deutschen Post in Bonn ist die Serbin bereits fast ganz oben angekommen – in der Controlling-Abteilung knapp unter dem Dach. Um den Ausblick über Rhein und Siebengebirge zu genießen, fehlt ihr aber die Zeit: Ein knappes Jahr lang absolviert sie ein Praktikum bei dem weltweit ativen Konzern.

Kostic ist eine von schätzungsweise 30 000 ausländischen Praktikanten, die nach Daten des Deutschen Akademischen Austauschdiensts (DAAD) in der Bundesrepublik arbeiten. Besonders internationale Konzerne profitieren von den Fähigkeiten, die ausländische Praktikanten einbringen, wie etwa die Kenntnis der jeweiligen Heimatmärkte und Fremdsprachen. „Ihre Aufnahme kann durchaus helfen, den Markt in einem anderen Land zu erschließen“, sagt Barbara Fabian, Referatsleiterin EU-Bildungspolitik beim Deutschen Industrie- und Handelskammertag (DIHK).

Praktikantin Kostic hat in Belgrad Wirtschaftswissenschaften sowie Bank- und Finanzwesen studiert. „Ich wollte ein Praktikum in einem internationalen Unternehmen machen, um einen Eindruck davon zu bekommen, wie dort gearbeitet wird“, sagt sie. Wichtig ist für sie auch, im Studium erworbenes Wissen praktisch anzuwenden und in Deutschland Kontakte zu knüpfen. Ähnliche Motive haben Studenten aus Malaysia, Kenia, den Niederlanden oder China, die ebenfalls in der Post-Zentrale arbeiten.

Der Konzern ist seit einigen Jahren Partner der Studentenorganisation Aiesec, die Praktika weltweit vermittelt. „Etliche dieser Studenten gehören irgendwann zur Landeselite“, sagt Christine Maria Hermeling, die die Praktikanten bei der Deutschen Post betreut. Wenn es dann um die Vergabe von Staatsaufträgen geht – etwa für einen Logistik-Dienstleister – werde die Deutsche Post von ihren Ex-Praktikanten ins Gespräch gebracht, hofft Hermeling. Etwa 120 ausländische Praktikanten kommen über Aiesec im Jahr zur Deutschen Post, etwa 50 von ihnen arbeiten bei einer Niederlassung in Deutschland. Mehr als die Hälfte der Praktikanten übernimmt der Konzern später.

Laut Ute Köstner von der Zentralstelle für Arbeitsvermittlung (ZAV) nimmt die Zahl chinesisch sprechender Praktikanten seit vergangenem Jahr zu. „Viele Konzerne, die auf den chinesischen Markt wollen oder schon dort vertreten sind, brauchen die Sprachkenntnisse der chinesischen Praktikanten.“ Thyssen-Krupp profitiert von dem Chinesisch-Deutschen Hochschulkolleg (CDHK), einer Gemeinschaftseinrichtung des DAAD und der Tongji-Universität in Schanghai.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×