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10.04.2012

10:04 Uhr

Praktiker-Chef Fox

„Keine Frage, wir haben Geld verbrannt“

VonKirsten Ludowig

Thomas Fox, Chef der angeschlagenen Baumarktkette Praktiker, stemmt sich gegen den Verkauf des Osteuropa-Geschäfts und den Vergleich mit dem Fall Schlecker. Er will weiter günstig sein - aber ohne „20 Prozent auf alles“.

Thomas Fox bei der Bilanz-Pressekonferenz seines Unternehmens in Hamburg. Die Praktiker Gruppe hat das Jahr 2011 mit einem operativen Verlust in Höhe von 375,1 Millionen Euro abgeschlossen. dpa

Thomas Fox bei der Bilanz-Pressekonferenz seines Unternehmens in Hamburg. Die Praktiker Gruppe hat das Jahr 2011 mit einem operativen Verlust in Höhe von 375,1 Millionen Euro abgeschlossen.

Handelsblatt: Herr Fox, ist Praktiker der nächste Fall Schlecker?

Thomas Fox: Nein, sicher nicht. Manche meinen zwar, Praktiker sei – ähnlich wie Schlecker – als Marke angeschlagen. Unsere Marktforschung hat aber das Gegenteil ergeben. Praktiker ist als Marke unverändert stark. Sie muss nur neu ausgerichtet und aufgeladen werden.

Handelsblatt: Auch bei Schlecker hieß es: neuer Markenauftritt, neues Ladenkonzept, Kehrtwende – und am Ende fehlte das Geld, stand die Insolvenz.

Fox: Ich bin seit sechs Monaten bei Praktiker, und seitdem hat sich viel getan. Wir haben Ad-hoc-Maßnahmen ergriffen, um das operative Geschäft zu stabilisieren. Es sind schon vier Märkte auf das neue Konzept umgestellt, und weitere werden bald folgen. Praktiker ist jetzt auch ohne Rabatte günstig, bietet Orientierung und Service. Und wir sind weg von der Droge der 20-Prozent-Aktionen, die jede Weiterentwicklung verhindert hatte.

Baumärkte: Mit neuem Markenkonzept zu schnellen Erfolgen

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Sparmaßnahmen allein reichen nicht aus, um die Baumarktkette aus ihrer lebensbedrohlichen Krise zu retten. Erstmal will man für Veränderungen Geld in die Hand nehmen. Bis der Kunde die wahrnimmt, vergeht allerdings Zeit.

Handelsblatt: Aber ganz haben Sie die Rabatte nicht verbannt ..

Fox: Wir haben im zweiten Halbjahr 2011 noch mit starken Preiszugeständnissen vermarktet, weil wir ein Problem mit zu hohen Altwarenbeständen hatten. Ware wurde bei Praktiker lange Zeit nur zögerlich abgeschrieben. Das hat das Ergebnis geschont, aber zur Vermüllung in den Märkten geführt. Im ersten Quartal des laufenden Jahres sind wir schon weniger preisaggressiv aufgetreten. Ich bin jetzt gespannt, wie sich das auf die Marge ausgewirkt hat.

Handelsblatt: Das Jahr 2011 war mit einem Nettoverlust von einer halben Milliarde Euro katastrophal für Praktiker. Der Cash-Flow lag 79,2 Millionen Euro im Minus.

Fox: Keine Frage, wir haben Geld verbrannt. Wir rechnen auch in diesem Jahr nicht damit, welches zu verdienen. Aber es geht nach vorne. Das erste Quartal macht uns Mut. In Deutschland nimmt der Umsatz wieder zu, und wir haben mehr Liquidität als ursprünglich erwartet. In zwei Jahren soll die Rendite vor Steuern dann bei ein bis zwei Prozent liegen. Wir wollen sanieren, nicht siechen.

Die beliebtesten Baumärkte

Ruinöser Preiskampf

Experten sind sich weitgehend einig: In Deutschland gibt es schlichtweg zu viele Baumärkte. Unter diesen Bedingungen ist der Preiskampf hoch und die Margen gering. Es folgt eine Übersicht über die beliebtesten Baumärkte.

Platz 10

Auf Rang zehn liegt Marktkauf. 3,2 Prozent der befragten Deutschen gaben an, 2010 dort eingekauft zu haben. 32,7 Prozent der 23.000 Befragten gaben übrigens an, gar keinen Baumarkt besucht zu haben.

Platz 9

Auf Platz 9 landet Hellweg Baumarkt mit 3,7 Prozent.

Platz 8

Die Globus-Kette steht auf Rang acht: 4,6 Prozent der Befragten gaben an, hier eingekauft zu haben.

Platz 7

Max Bahr rangiert auf dem sechsten Platz mit einem Anteil von 5,5 Prozent.

Platz 6

Nicht unter den Top-Five steht Bauhaus, nämlich nur auf Rang sechs. Mit 9,3 Prozent liegt die Kette nur knapp hinter ...

Platz 5

... Hornbach. Die auch durch intensive TV-Werbung recht bekannte Kette kommt auf zehn Prozent.

Platz 4

Knapp davor rangiert mit 10,4 Prozent Hagebaumarkt.

Platz 3

Etwas überraschend liegen die Baumärkte von Toom vor der Konkurrenz von Hagebaumarkt und Hornbach. Allerdings nur knapp: 10,6 Prozent der Befragten gehen hier gern shoppen.

Platz 2

Mit deutlichem Abstand liegen die beiden Dickschiffe der Branche vorne. Die Silbermedaille geht an Praktiker. Die Kette befindet sich in einem umfangreichen Umbauprozess und musste dabei so manchen Rückschlag einstecken. 20,8 Prozent der Deutschen waren 2010 in einem der blau-gelben Märkte.

Platz 1

Branchenführer im Hinblick auf die Beliebtheit ist Obi. Der Wert liegt bei 26,3 Prozent.

Kommentare (14)

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Account gelöscht!

10.04.2012, 08:58 Uhr

Wenn ich im Baumarkt für Baustoffe, Elektromateril, Sanitärmaterial, Werkzeuge etc. das Doppelte zahle, als im Fachhandel, dann stimmt da irgendetwas nicht mehr.
Ist ja gut, wenn der Gewinn in jedem Jahr stärker steigen muß, als im Vorjahr. Aber irgendwann geht die Rechnung eben nicht mehr auf.
und dabei ist noch nichtmal die sprichwörtliche Baumarktqualität angesprochen.

Account gelöscht!

10.04.2012, 10:23 Uhr

Am einfachsten ist es, selbst mal bei Praktiker-Baumärkten nachzusehen: gähnende Leere, sogar an Samstagen.
Es liegt weder an der Lage, noch an den Preisen; auch nicht an der Marke oder am Personal. Es liegt an der miserablen Produktqualität.

watsolles

10.04.2012, 11:09 Uhr

Wer pfeifend durch den Wald geht, hat einfach Angst. Das zweite Quartal wird bestimmt die Wende bringen. Mit Geranien hängend oder stehnd und mit Blumenerde. Das erinnert einen doch sehr an die Eurorettung der Kanzlerin.

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