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21.03.2013

15:12 Uhr

Praktiker

Die Dauer-Baustelle

Praktiker ist noch lange nicht aus der Krise heraus. Die angeschlagene Baumarkt-Gruppe schreibt weiterhin Verluste. Das Unternehmen hat noch einen weiten Weg vor sich und hofft auf den Erfolg seiner neuen Strategie.

Praktiker-Märkte werden seltener - der Konzern rüstet die Märkte auf die Tochter Max Bahr um. ap

Praktiker-Märkte werden seltener - der Konzern rüstet die Märkte auf die Tochter Max Bahr um.

Wer ein Haus oder eine Wohnung renoviert, kennt das Phänomen vielleicht: Bis die eigenen vier Wände wirklich wohnlich aussehen, ziehen viele Monate ins Land. Ähnlich dürfte es dem Management der angeschlagenen Baumarktkette Praktiker gehen. Es gelang zwar im vergangenen Jahr, den Grundstein für eine Neuausrichtung zu legen. Doch bis sich der Strategiewechsel auszahlt, wird es wohl noch eine Weile dauern.

2012 war nicht leicht für die Praktiker. Im Schlussquartal konnte das Unternehmen den Umsatzrückgang verringern, nachdem das Ringen um die Abwendung der Pleite noch Lieferanten und Kunden verunsichert hatte. Außerdem drückte Finanzvorstand Markus Schürholz kräftig auf die Kostenbremse: Mit der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi einigte er sich auf fünf Prozent weniger Lohn für die Mitarbeiter bis 2014, verhandelte neue Mietbedingungen für zahlreiche Märkte und stieg aus dem defizitären Türkei-Geschäft aus.

Die beliebtesten Baumärkte

Ruinöser Preiskampf

Experten sind sich weitgehend einig: In Deutschland gibt es schlichtweg zu viele Baumärkte. Unter diesen Bedingungen ist der Preiskampf hoch und die Margen gering. Es folgt eine Übersicht über die beliebtesten Baumärkte.

Platz 10

Auf Rang zehn liegt Marktkauf. 3,2 Prozent der befragten Deutschen gaben an, 2010 dort eingekauft zu haben. 32,7 Prozent der 23.000 Befragten gaben übrigens an, gar keinen Baumarkt besucht zu haben.

Platz 9

Auf Platz 9 landet Hellweg Baumarkt mit 3,7 Prozent.

Platz 8

Die Globus-Kette steht auf Rang acht: 4,6 Prozent der Befragten gaben an, hier eingekauft zu haben.

Platz 7

Max Bahr rangiert auf dem sechsten Platz mit einem Anteil von 5,5 Prozent.

Platz 6

Nicht unter den Top-Five steht Bauhaus, nämlich nur auf Rang sechs. Mit 9,3 Prozent liegt die Kette nur knapp hinter ...

Platz 5

... Hornbach. Die auch durch intensive TV-Werbung recht bekannte Kette kommt auf zehn Prozent.

Platz 4

Knapp davor rangiert mit 10,4 Prozent Hagebaumarkt.

Platz 3

Etwas überraschend liegen die Baumärkte von Toom vor der Konkurrenz von Hagebaumarkt und Hornbach. Allerdings nur knapp: 10,6 Prozent der Befragten gehen hier gern shoppen.

Platz 2

Mit deutlichem Abstand liegen die beiden Dickschiffe der Branche vorne. Die Silbermedaille geht an Praktiker. Die Kette befindet sich in einem umfangreichen Umbauprozess und musste dabei so manchen Rückschlag einstecken. 20,8 Prozent der Deutschen waren 2010 in einem der blau-gelben Märkte.

Platz 1

Branchenführer im Hinblick auf die Beliebtheit ist Obi. Der Wert liegt bei 26,3 Prozent.

Zudem kehrte der Konzern im Mai 2012 der Billigstrategie den Rücken und setzt jetzt auf Premium. Seit August des vergangenen Jahres werden die Praktiker-Märkte auf die profitablere Schwestermarke Max Bahr umgestellt. „Das Geschäftsjahr 2012 war ein Jahr tief greifender Verwerfungen, die in erheblichem Ausmaß Umsatz und Ertrag belastet hatten“, hieß es von Vorstandschef Armin Burger am Donnerstag anlässlich der Präsentation des Konzernergebnisses 2012. „Existenzsicherung und Neuausrichtung standen dabei im Mittelpunkt.“

Die wertvollsten deutschen Einzelhandelsmarken (2013)

Rang 10

Douglas

Markenwert: 238 Millionen Dollar
im Vorjahr nicht in den Top 10

Rang 9

Netto

Markenwert: 262 Millionen Dollar
minus fünf Prozent gegenüber 2012

Rang 8

Obi

Markenwert: 283 Millionen Dollar
plus zwei Prozent gegenüber 2012

Rang 7

Rewe

Markenwert: 459 Millionen Dollar
plus 5 Prozent gegenüber 2012

Rang 6

dm

Markenwert: 485 Millionen Dollar
plus 19 Prozent gegenüber 2012

Rang 5

Kaufland

Markenwert: 551 Millionen Dollar
plus zwei Prozent gegenüber 2012

Rang 4

Media Markt

Markenwert: 1,3 Mrd. Dollar
minus drei Prozent gegenüber 2012

Rang 3

Edeka

Markenwert: 1,5 Mrd. Dollar
plus fünf Prozent gegenüber 2012

Rang 2

Lidl

Markenwert: 1,52 Mrd. Dollar
plus acht Prozent gegenüber 2012

Rang 1

Aldi

Markenwert: 2,9 Mrd. Dollar
minus sieben Prozent gegenüber 2012

Quelle

Interbrand, März 2013

Im Vorjahr hatte die Baumarktkette unter ihrer Rabattstrategie („20 Prozent auf alles“) gelitten und rund eine halbe Milliarde Euro Verlust gemacht. Zwischen den Großaktionären entbrannte heftiger Streit, sie kritisierten das alte Management und die zunächst angepeilten Zugeständnisse an Geldgeber. Die Auseinandersetzung endete erst, als der vom Saarland nach Hamburg umgezogene Konzern im Herbst wesentliche Teile eines rettenden Finanzpakets unter Dach und Fach gebracht hatte.

Kommentare (2)

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bauer

21.03.2013, 16:03 Uhr

ähnlich wie bei der Metro, nicht wahr?
ein Pleitegeier nach dem anderen

Account gelöscht!

21.03.2013, 17:25 Uhr

Vom Praktiker wird wohl nicht viel übrig bleiben, wenn bis 2015 246 unprofitable Märkte geschlossen werden sollen. So steht es im aktuellen Geschäftsbericht. Es wird wohl einen Grund haben, warum Praktiker auf diese neuen Informationen nicht weiter eingeht. Kaum vorstellbar, dass Praktiker diese Schließungswelle stämmen kann.

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