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28.07.2013

15:00 Uhr

Praktiker- und Bahr-Insovenz

Jeder dritte Baumarkt-Job wackelt

Viele Mitarbeiter der insolventen Baumarktketten Praktiker und Max Bahr bangen um ihre Arbeitsplätze. 4.000 von 12.000 Jobs könnten verloren gehen. Derweil zeichnen sich erste Filial-Schließungen ab.

Die Baumarkt-Kette Max Bahr mit 132 Standorten ist nach der Insolvenz des Mutterkonzerns Praktiker ebenfalls zahlungsunfähig. Praktiker hatte vor zwei Wochen Insolvenz beantragt. dpa

Die Baumarkt-Kette Max Bahr mit 132 Standorten ist nach der Insolvenz des Mutterkonzerns Praktiker ebenfalls zahlungsunfähig. Praktiker hatte vor zwei Wochen Insolvenz beantragt.

Nach den Insolvenzanträgen der Baumarktketten Praktiker und Max Bahr befürchten Arbeitnehmervertreter den Verlust von insgesamt bis zu 4.000 Jobs. „Wenn man ehrlich ist und nichts schönreden will, muss man von der Größenordnung 80 bis 100 Märkten reden, die sich im Moment ernsthaft Sorgen machen müssen“, sagte Max-Bahr-Gesamtbetriebsratschef Ulrich Kruse am Samstag auf dpa-Anfrage. Dabei ging er von einer durchschnittlichen Mitarbeiterzahl pro Markt von 35-40 aus. Zuvor hatte die „Bild“-Zeitung (Samstag) darüber berichtet. „Das ist eine erschreckende Zahl und eine Menge Holz“, sagte er dem Blatt mit Blick auf den drohenden Jobverlust.

Es werde davon ausgegangen, dass von 280 Praktiker- und Max-Bahr-Märkten nur etwa 180 eine Perspektive hätten, sagte Kruse, der auch stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender von Praktiker ist. Das könne sich noch positiv drehen, wenn man auch Praktiker-Märkte, die nicht zu Max Bahr wechseln können oder sollen, an jemanden verkaufen könne. Aber das seien eben Märkte, die nicht „unbedingt die Top-Baumarkt-Voraussetzungen haben“. Da sei die Frage, was man mit diesen Märkten alternativ machen könne.

Auch die Zentrale in Hamburg müsse wohl bei einer Reduzierung der Märkte mit Einschnitten rechnen, wenn sie überhaupt bestehenbleibe „und der Verkauf nicht an jemanden geht, der schon eine Zentrale hat“. Insgesamt sind nach Konzern-Angaben bei den beiden Baumarktketten in Deutschland 12.000 Menschen beschäftigt, davon 6.775 bei Max Bahr.

Die Praktiker AG wollte zu möglichen Jobverlusten am Samstag nicht Stellung nehmen. „Kein Kommentar zu solchen Spekulationen“, sagte Konzernsprecher Harald Günter auf Anfrage. Er verwies aber darauf, dass das Insolvenzverfahren auch dazu diene, möglichst viele Arbeitsplätze zu erhalten und ein Investorenprogramm einzuleiten, das das Unternehmen voranbringe.

Ein Sprecher der Insolvenzverwaltung sagte: „Zu Arbeitsplätzen können wir derzeit gar nichts sagen.“ Dazu müsse der Investorenprozess abgewartet werden. Die Gewerkschaft Verdi hatte am Freitag vor einer drohenden Zerschlagung des gesamten Konzerns gewarnt.

Unterdessen berichtete die „Wirtschaftswoche“, dass sich erste Schließungen von Filialen abzeichneten. Es gehe um rund ein Dutzend Praktiker-Standorte, die kurz vor der Umstellung auf die Schwestermarke Max Bahr standen, hieß es in dem Bericht. Der Sprecher der Insolvenzverwaltung bestätigte am Samstag die Schließungen, betonte aber, dass damit keine endgültige Entscheidung über die Zukunft der betroffenen Standorte gefallen sei.

Der Insolvenzantrag von Max Bahr sei bei einigen Filialen mitten in den Umflaggungsprozess von Praktiker- in Max-Bahr-Märkte gekommen. Da dieser Vorgang aber Investitionsmittel erfordere, sei er im Insolvenzverfahren erst mal gestoppt worden.

Zwei Wochen nach der Baumarktkette Praktiker hatte am Freitag auch deren Tochtergesellschaft Max Bahr in Hamburg Insolvenzanträge für mehrere Firmen eingereicht. Nach dem Rückzug eines Warenkreditversicherers sei die Versorgung der Max-Bahr-Märkte nicht mehr gesichert und es gebe keine positive Prognose für die Fortführung des Unternehmens, hatte Praktiker den Schritt begründet.

Die 132 Märkte bleiben jedoch geöffnet und sollen ihren Geschäftsbetrieb stabilisieren. Max Bahr ist höherwertig positioniert als Praktiker und sollte in Deutschland zur Hauptvertriebslinie der Gruppe ausgebaut werden.

Kommentare (16)

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Account gelöscht!

28.07.2013, 15:56 Uhr

Und wenn es auch noch Obi erwischen sollte...,
dann kaufen wir eben wieder bei Eisen-Karl. ((:

Klaes

28.07.2013, 16:08 Uhr

Soll man solchen Hungerlohnjobs nachweinen? Die Betroffenen sollten froh sein, ihren miesen Job los zu sein.

Account gelöscht!

28.07.2013, 16:15 Uhr

Das kann nicht ihr ernst sein.

Ich bin als Leiharbeiterin bei Max Bahr betroffen. Ja, der Job ist schlecht bezahlt, mit 8,19 Euro die Stunde. Aber das Betriebsklima ist gut, man gehört auch als Leiharbeiter dazu, wird akzeptiert und ernst genommen. Das kann ich von anderen Arbeitsplätzen, die ich vorher hatte (unter anderem auch im öffentlichen Dienst) nicht behaupten. Dort war ich Arbeitnehmerin dritter Klasse.

Und die Festangestellten wurden (bis vor den Sparmaßnahmen) immerhin nach Tarif bezahlt.

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