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10.11.2011

06:23 Uhr

Preisabsprachen

Schienenkartell holt Deutsche Bahn ein

VonMartin Murphy

ExklusivDie Deutsche Bahn hat nach langem Zögern nun doch Konsequenzen aus dem Schienenkartell gezogen. Wie das Handelsblatt erfahren hat, geht der Konzern bei Ausschreibungen nun andere Wege.

Die Bahn muss auf das Schienenkartell reagieren. dapd

Die Bahn muss auf das Schienenkartell reagieren.

DüsseldorfDie Deutsche Bahn geriert sich öffentlich als Opfer von Kartellabsprachen. Um Millionen sei das Unternehmen aufgrund von Preisabsprachen betrogen worden, zuletzt beim Ankauf von Schienen, wie Vorstand Gerd Becht beklagte. Dass ist korrekt. Fraglich ist aber, ob Bahn-Mitarbeiter den Betrug duldeten. Und wenn ja: Aus welchem Grund und mit welchem Motiv?

Die Staatsanwaltschaft Bochum hat am Dienstag Büros und Privatwohnungen von zwei Beschäftigten im Raum Mainz durchsucht. "Wir prüfen, ob Mitarbeiter schon länger Kenntnis von dem Bestehen des Kartells hatten", sagte ein Sprecher der Ermittlungsbehörde.Hintergrund: Seit Monaten berichten Mitglieder des im Mai zerschlagenen Schienenkartells, dass mindestens diese beiden Beschäftigten des Eisenbahnkonzerns seit 2008 über die illegalen Praktiken informiert waren. Und sie wunderten sich, dass die illegalen Preisabsprachen dennoch nicht auffielen. Denn die Verantwortlichen bei dem Kartellopfer - sie schwiegen.

Selbst nachdem das Kartell aufgeflogen war, reagierte die Bahn offenbar nur halbherzig. Die betroffenen Mitarbeiter wurden befragt - sie dementierten jedoch jegliche Beteiligung und damit war der Fall erledigt. Dabei ging es um einen Schaden von bis zu einer Milliarde Euro.

Anlass für Konsequenzen - und seien es nur Vorsichtsmaßnahmen - sah der in der Vergangenheit von Hunderten von Korruptionsfällen erschütterte Staatskonzern nicht. Als kürzlich die Ausschreibung für den Schienenbedarf 2012 anlief, saß zumindest eine Bahn-Mitarbeiterin am Tisch, gegen die der Vorwurf vorgebracht worden war. Ihr Name ist dem Handelsblatt bekannt.

Die Managerin führte die Gespräche mit den Bietern, darunter mit Voestalpine auch mit einem Hauptprofiteur des Kartells, deren Mitglieder sich "Schienenfreunde" nannten. Jahrelang hatte dieser Klub Mengen und Preise auf dem deutschen Markt für Schienen und Weichen abgesprochen, wie aus detaillierten Unterlagen hervorgeht, die dem Handelsblatt vorliegen. Das Bundeskartellamt und die Staatsanwaltschaft ermitteln deshalb gegen rund 100 Verdächtige.

Zu den Betroffenen zählt nach Informationen des Handelsblatts auch jene Mitarbeiterin, die bislang mit dem Einkauf von Schienen betraut ist. Einige Bahn-Beschäftige wundern sich jedoch, dass die Mitarbeiterin erneut die Ausschreibung für 2012 leiten durfte.

Kommentare (2)

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Wolfgang

10.11.2011, 14:07 Uhr

Was wollte ihr denn? Bau- und Stahlindustrie sind doch seit jeher dafür bekannt mit Absprachen und Zugaben eher unaufgeregt umzugehen. Gehört dort zum guten Ton und Österreich ist am Rande des Balkans, c´est la vie.

j.v.

26.11.2011, 14:35 Uhr

erinnern wir uns noch weshalb mehdorn seinen vorstandsvorsitz bei der DB verlor? ja, weil er mitarbeiter "bespitzelte" wegen möglichen bestechungen. wie waren gewerkschaften und presse aufgeregt!
nun regen wir uns auf, weil nicht mit konsequenz präventiv und aufklärerisch und ahndend gehandelt wird.
es ist wie in vielen bereichen unserer republik: wenn ordnungprinzipien verloren gegangen sind und diejenigen, die sie vertreten lächerlich gemacht und eliminiert werden, besteht zuletzt bei den verantwortlich lähmung, schönreden und erst dann handeln, wenn sich ein trend in der öfentlichkeit zeigt.

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