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19.01.2011

12:34 Uhr

Preiskampf

Das Ringen um Mandate mit Renommee

VonDieter Fockenbrock

Seit Jahren berichten Deloitte, E&Y, KPMG und PwC über sinkende Umsätze. Der Preiskampf tobt vor allem im Topsegment Dax. Trotzdem sind Aufträge von Telekom und Co. weiter heiß begehrt - vor allem wegen ihres Türöffner-Effekts.

Dax-Mandate sind für Wirtschaftsprüfer der Türöffner für weitere Aufträge. Quelle: ap

Dax-Mandate sind für Wirtschaftsprüfer der Türöffner für weitere Aufträge.

DÜSSELDORF. Für Siemens-Chef Peter Löscher ist der Tausch des Wirtschaftsprüfers ein gutes Geschäft. 19 Millionen Euro spart der Münchener Technologiekonzern durch den Wechsel von KPMG zu Ernst&Young (E&Y), davon allein zehn Millionen Euro für die Erstellung des Jahresabschlusses.

Jetzt wartet die Branche gespannt auf den nächsten großen Kostendrücker. Telekom-Chef René Obermann lässt den Konzernabschluss künftig von Pricewaterhouse Coopers (PwC) prüfen. E&Y, neun Jahre gemeinsam mit PwC bei der Telekom im Geschäft, wird das Feld räumen. Obermann will nur noch einen Berater. Für diesen Renommeeauftrag hatten sich alle großen Wirtschaftsprüfer interessiert.

Ob und wie viel der Bonner Kommunikationskonzern dadurch spart, wird erst mit Veröffentlichung der nächsten Geschäftsberichte sichtbar. Vorher will sich niemand dazu äußern. Zuletzt legte die Telekom 43 Millionen Euro Honorar für PwC und E&Y auf den Tisch, davon allein 17 Millionen Euro für das Bilanz-Testat. In der Branche gilt es als gesichert, dass 20 Prozent Sparpotenzial drin sind. Den Wirtschaftsprüfern bereitet die Preisdrückerei ihrer Kundschaft große Sorgen. Seit Jahren berichten Deloitte, E&Y, KPMG und PwC über sinkende Umsätze. Die Geschäftsberichte der Dax-Konzerne signalisieren in der Tat, dass die Honorare sinken. Statt 426 Millionen Euro im Jahr 2007 gaben die 30 führenden deutschen Unternehmen 2009 nur noch 375 Millionen Euro für die Bestätigung des Konzernabschlusses aus. Inklusive Steuerberatung und sonstiger Dienstleistungen sank das Honorarvolumen von 610 Millionen auf 553 Millionen Euro.

Der Preiskampf tobt vor allem im Topsegment Dax. Ein Vergleich der Vergütungen über alle wichtigen Börsensegmente Dax, MDax, SDax und TecDax zeigt hingegen: Die Honorare steigen. Und zwar kräftig. Plus 16 Prozent für die Abschlussprüfung, plus 21 Prozent sogar für alle Dienstleistungen.

Ein vermeintlicher Widerspruch. Aber: Dax-Mandate sind Türöffner für weitere Aufträge. "Da werden schon mal Offerten unter Selbstkosten gemacht", sagt der Partner eines großen Wirtschaftsprüfers.

Auch deshalb bauen alle Prüfer das Beratungsgeschäft aus. Denn Stundensätze für strategische Beratung sind zum Teil doppelt so hoch wie die für reine Prüfungsarbeiten. Ein Viertel ihrer Gesamthonorare zahlen die 160 führenden Konzerne schon jetzt für Dienstleistungen am Rande der eigentlichen Abschlussprüfung. Tendenz: steigend.

Die gerade gescheiterte Übernahme des Unternehmensberaters Roland Berger durch Deloitte ist ein Beleg dafür. Der weltgrößte Wirtschaftsprüfer Deloitte wäre damit auch zum weltgrößten Unternehmensberater aufgestiegen. Das kritisiert nicht nur EU-Kommissar Barnier. "Ein Prüfer gestaltet nicht die Strategie der Unternehmen, sondern er prüft sie", sagt Herbert Müller, Deutschland-Chef von E&Y.

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