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12.01.2011

18:52 Uhr

Preiskampf

Lebensmittel bleiben trotz höherer Rohstoffkosten billig

VonChristoph Kapalschinski, Christoph Schlautmann

Die Nahrungshersteller kämpfen mit stark gestiegenen Rohstoffpreisen. An den Handel können sie die höheren Kosten nicht weiterreichen. Denn unter den Lebensmittelhändlern tobt ein erbitterter Preiskrieg. Die Rohstoffkosten führen am Ende wohl dazu, dass der Handel das gesamte Preisgefüge überarbeiten muss.

Blick aus einem Einkaufswagen: Am Preiskrieg bei Lebensmitteln beteiligen sich nicht mehr nur die Discounter. Quelle: dpa

Blick aus einem Einkaufswagen: Am Preiskrieg bei Lebensmitteln beteiligen sich nicht mehr nur die Discounter.

DÜSSELDORF. Rein rechnerisch ist der Fall klar: Am Weltmarkt ist der Preis für die Menge Kakao, die in einer Tafel Halbbitterschokolade steckt, innerhalb von drei Jahren von elf auf 16 US-Cent gestiegen. Noch drastischer ist die Entwicklung bei einem T-Shirt: Die verwebte Baumwolle hat sich in nur einem Jahr von 60 US-Cent auf 1,60 Dollar verteuert. Doch die Verbraucherpreise in Deutschland bleiben stabil. Der Grund ist auch der scharfe Preiskampf im Handel.

Die Lebensmittelhersteller wünschen sich naturgemäß Preissteigerungen. Steigende Rohstoffkosten, etwa für Kakao, müssten an die Verbraucher weitergegeben werden, sagt ein Oetker-Sprecher dem Handelsblatt. Der Lebensmittelkonzern appelliert an die Supermärkte: "Der Handel weiß, dass er am besten Wertschöpfung gemeinsam mit den Herstellern schafft."

Für die ist klar: Sie wollen die Preissteigerungen nicht übernehmen - und viele, vor allem kleinere Produzenten, können die Belastung auch gar nicht stemmen.

Ein Beispiel ist der Schokoladenhersteller Ritter: Rund 150 Millionen Euro, das zeigen die Geschäftsberichte, geben die Schwaben pro Jahr für Rohstoffe aus - bei einem Umsatz von knapp 300 Millionen Euro. Allein mit dem Preis für Kakao, dem Hauptbestandteil von Ritter Sport, ging es indes von Januar 2009 bis heute um 16 Prozent nach oben. Auch Nüsse wurden deutlich teurer. Hochgerechnet dürften sich Ritters Aufwendungen für den Einkauf in den vergangenen Jahren damit um fast 25 Millionen Euro erhöht haben, ohne dass es seither zu weiteren Anhebungen der Regalpreise in den Supermärkten kam. Für das Familienunternehmen, das nach zahlreichen Verlustjahren 2008 erstmals wieder einen bescheidenen Gewinn von 1,2 Millionen Euro auswies, werden die steigenden Rohstoffpreise damit zur Gefahr. Über eine Reserve für höhere Beschaffungspreise verfügen auch zahlreiche andere mittelständische Lebensmittelhersteller nicht.

Viele von ihnen sitzen in der Klemme. Eine derzeit laufende Umfrage des Verbands der Lebensmittelhersteller zeigt: Drei Viertel der Firmen glauben nicht, dass sie die Preissteigerungen komplett an den Handel weitergeben können.

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