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25.06.2014

15:00 Uhr

„Preiskrieg“

Fernbusse könnten teurer werden

Die Preise für Fernbusse könnten steigen. Der Omnibusverband geht von einer Verteuerung aus, da sich der Betrieb von Fernbussen sonst auf Dauer kaum rechne. Ein Billig-Konkurrent stößt den Anbietern besonders sauer auf.

Fernbusse unterschiedlicher Anbieter an einem Busbahnhof. Verbandschef Steinbrück geht nicht davon aus, dass von den Bus-Unternehmen bisher „irgendjemand Gewinne geschrieben hat“. dpa

Fernbusse unterschiedlicher Anbieter an einem Busbahnhof. Verbandschef Steinbrück geht nicht davon aus, dass von den Bus-Unternehmen bisher „irgendjemand Gewinne geschrieben hat“.

BerlinFernbus-Kunden müssen für die kommenden Jahre mit steigenden Fahrpreisen rechnen. „Ich bin davon überzeugt, dass die Branche die Preise anziehen wird“, sagte der Präsident des Bundesverbands Deutscher Omnibusbetreiber (BDO), Wolfgang Steinbrück, am Mittwoch in Berlin der Nachrichtenagentur AFP. Er gehe nicht davon aus, dass von den Unternehmen, die seit der Liberalisierung des Fernbusmarkts Anfang 2013 ins Geschäft eingestiegen seien, bisher „irgendjemand Gewinne geschrieben hat“, sagte Steinbrück, der selbst in Thüringen ein Busunternehmen betreibt. Dafür seien die Auslastungszahlen und vor allem die Ticketpreise viel zu niedrig.

Über Billigpreise versuchten Anbieter derzeit noch, Marktanteile zu gewinnen. „Aber irgendwann geht das nicht mehr“, sagte Steinbrück. „Da werden die Investoren den handelnden Personen schon auf die Finger klopfen“, fügte der BDO-Präsident an. Mit entfacht habe den aktuell tobenden „Preiskrieg“ auch die Deutsche Bahn, indem sie für ihre Fernbus-Marken selbst unrentable Billigtickets anbiete. „Das geht uns Mittelständlern schon an die Nieren, dass teilweise mit Staatsgeldern Fernbusse betrieben werden“, kritisierte Steinbrück.

Die wichtigsten Fragen zum Fernbus

Welche Linien fahren welche Städte an?

In Deutschland gibt es Busgesellschaften, die zum Teil nur einzelne Fernbuslinien bedienen, während andere Anbieter fast alle großen Städte des Landes und auch Ziele im europäischen Ausland ansteuern. Alle Routen und ihre Preise zu vergleichen, ist für den Reisenden fast unmöglich.

Wo kann man Fahrkarten kaufen?

Fahrkarten für den Fernbus können bei den jeweiligen Busgesellschaften erworben werden. Am einfachsten geht das über deren Internetseiten. Einige Anbieter verkaufen ihre Tickets auch über Reisebüros oder andere Verkaufsstellen in größeren Städten.

Was kosten Fernbus-Karten?

In der Regel ist die Fahrt mit dem Fernbus günstiger als mit allen anderen Verkehrsmitteln – selbst mit der Bahn. Wer direkt beim Anbieter bucht, geht meist sicher, dass er den günstigsten Fahrpreis zahlt. Reist man mit mehreren Personen, ist mitunter auch eine Gruppenermäßigung drin.

Wo findet man Sparangebote und Aktionen?

Der zunehmende Wettbewerb zwischen den Anbietern von Fernbusfahrten kommt dem Kunden zugute. Sie profitieren von Spar- und Aktionspreisen sowie Rabatten, beispielsweise für Frühbucher. So sind Fahrpreise von wenigen Euro selbst für lange Strecken keine Seltenheit. Zu finden sind die Angebote auf den Internetseiten der Busgesellschaften.

Sind Fahrkarten übertragbar?

Je nach Anbieter können bereits gekaufte Fahrkarten auf einen anderen Namen ausgestellt werden. Dabei kann eine Gebühr anfallen, insbesondere wenn die Änderung des Namens kurzfristig erfolgt.

Lassen sich Karten umbuchen oder stornieren?

Häufig ist eine Umbuchung auf eine andere Zeit – zum Teil auch kostenlos – möglich, allerdings unterscheiden sich die Bedingungen der Anbieter in Bezug auf die Gebühren und auch den Zeitraum, indem eine Umbuchung möglich ist. Eine Stornierung ist wie die Buchung meist problemlos über das Internet möglich, jedoch fällt hier meist eine Stornogebühr an.

Wie viel Gepäck ist erlaubt?

Üblich im Fernbus sind Gewichte und Mengen wie beim Fliegen, dennoch gibt es Unterschiede zwischen den Anbietern. Reist man mit mehr als nur Handgepäck, empfiehlt es sich daher, vor Fahrtantritt genauerer Informationen bei der jeweiligen Busgesellschaft einzuholen. Schwere und sperrige Gegenstände wie Sportgeräte, Musikinstrumente oder große Koffer können meist gegen eine zusätzliche Gebühr mitgenommen werden. Rollstühle und Kinderwagen fahren kostenlos mit. Wichtig: Sperrgepäck rechtzeitig anmelden!

Darf ein Fahrrad mit?

Manche Busgesellschaften erlauben die Mitnahme eines Fahrrades. Dafür fallen in der Regel Extra-Kosten von einigen Euro an.

Darf ein Haustier mit?

Das Mitnehmen von Haustieren ist meist nicht erlaubt. Davon ausgenommen ist das Mitführen eines Blindenhundes.

Sind Fernbusse barrierefrei?

Im Zuge der Novellierung des Personenbeförderungsgesetzes wurde auch die Barrierefreiheit von Fernbussen beschlossen. Demnach muss jeder Fernbus mit zwei Plätzen für Rollstuhlfahrer ausgestattet sein. Allerdings wurde den Busgesellschaften eine Übergangsfrist bis 2016 eingeräumt. Bereits angeschaffte Busse müssen gar erst 2019 barrierefrei sein.

Bekommen Schwerbehinderte Ermäßigungen?

Gegen Vorlage eines Schwerbehindertenausweises gewähren die Busgesellschaften Ermäßigungen. Rollstühle, orthopädische Hilfsmittel wie Krücken und ggf. eine Begleitperson dürfen kostenlos mit an Bord. Voraussetzung ist natürlich ein entsprechender Nachweis sowie eine rechtzeitige Anmeldung.

Quelle

Insgesamt sei der Fernbusmarkt auch eineinhalb Jahre nach seiner Öffnung noch immer am Wachsen. „77 Prozent der Deutschen wissen, dass es Fernbusse gibt, aber nur drei Prozent haben bisher einen Fernbus genutzt, und 45 Prozent könnten sich vorstellen, mit dem Fernbus zu fahren“, sagte Steinbrück. „Es ist also noch ein gewaltiges Potenzial da, um den Fernbusmarkt noch weiter auszubauen.“ Im Fokus der Branche stehen demnach dabei vor allem junge Reisende, die mit dem Bus günstiger fahren wollen als mit dem Zug, und Senioren, die hinterm Steuer des eigenen Autos keine größeren Strecken mehr zurücklegen möchten. „Wir gehen davon aus, dass die Fahrgastzahlen bis 2030 bei 25 Millionen liegen werden“, sagte Steinbrück. 2013 waren Schätzungen zufolge rund neun Millionen Fahrgäste im Fernbus unterwegs gewesen.

Neben dem Unterbietungswettbewerb treibt die Busunternehmer - die neben Fernrouten auch Nahverkehrsstrecken bedienen und Busausflüge anbieten - derzeit noch ein ganz anderes Problem um: Der Branche insgesamt gehen die Fahrer aus. Aktuell fehlen Steinbrück zufolge bereits rund 2.000 Busfahrer in Deutschland. In den kommenden Jahren werde sich diese Lücke auf „mindestens 10.000“ vergrößern, prognostizierte der Verbandspräsident. "Das ist eine gewaltige Zahl", sagte er. Der Fernbus-Verkehr habe den Fahrermangel weiter verschärft. "Der öffentliche Nahverkehr hat nun einen weiteren Mangel an Fahrern zu verzeichnen, weil diese auf Fernbussen sitzen", beschrieb Steinbrück.

Nach dem Wegfall der Beschränkungen für den Fernverkehr per Bus dürfen seit Anfang 2013 in Deutschland Busse auf Fernstrecken unterwegs sein. Mittlerweile sind rund 40 Anbieter am Markt, unter deren Namen Fernbus-Linien angeboten werden. Sie beschäftigen ihrerseits häufig Subunternehmer, die die Strecken für sie fahren. Insgesamt werden ohne Flughafenzubringer aktuell knapp 170 innerdeutsche Linien bedient. Rund 300 Busse sind laut BDO im Fernbusbetrieb auf den deutschen Straßen unterwegs

Von

afp

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