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02.11.2012

14:56 Uhr

Preissteigerung

Aldi erhöht Milchpreise um bis zu 20 Prozent

Die Zeit der sehr billigen Milch ist vorbei. Aldi hebt den Preis um 9 Cent je Liter an und läutet damit wohl eine Erhöhungsrunde im Handel ein. Für die Landwirte ist das ein Schritt in die richtige Richtung.

9 Cent mehr verlangt Aldi nun pro Liter Milch und läutet damit eine Preissteigerungsrunde ein. dpa

9 Cent mehr verlangt Aldi nun pro Liter Milch und läutet damit eine Preissteigerungsrunde ein.

DüsseldorfDie Verbraucher müssen mit kräftig steigenden Preisen bei Milchprodukten und Säften rechnen. Der Billiganbieter Aldi Süd hob am Freitag nach einer Verhandlungsrunde mit Molkereien den Milchpreis um 9 Cent je Liter an. Das sind je nach Fettgehalt bis zu 20 Prozent mehr. Erfahrungsgemäß orientieren sich an den Aldi- Preisen die großen Supermarkt-Gruppen in ihrer untersten Preislage. Edeka und Rewe hielten sich am Freitag aber noch bedeckt, ob und wann sie Preisanhebungen planen. Der Discounter Lidl will sich bei Milch „marktkonform“ verhalten und ebenfalls Preiserhöhungen vornehmen.

In den vergangenen beiden Monaten war bereits Butter der untersten Preislage durch zwei relativ kurz aufeinanderfolgende Preiserhöhungen um insgesamt gut ein Viertel teurer geworden. Hintergrund ist laut Branchenkennern eine starke Nachfrage nach Milchprodukten im Ausland.

Deshalb hatten die Molkereien in der jüngsten Verhandlungsrunde mit den Handelskonzernen über neue Milch-Halbjahresverträge gute Karten. Aldi Süd erhöhte am Freitag nach eigenen Angaben den Preis für weitere Molkereiprodukte „aufgrund von Marktentwicklungen beziehungsweise gestiegenen Rohstoffpreisen“.

Nicht nur bei Milch gibt es einen Preissprung. Apfelsaft wurde bei Aldi Süd um 10 Cent je Liter teurer. Das entspricht einem Plus von bis zu 15 Prozent. „Der Apfelsaft-Preis ist seit schon Jahren auf dem steigenden Ast“, sagte der Discountexperte Matthias Queck vom Handelsinformationsdienst Planet Retail.

Warum Aldi billig ist

Es ging ums Sattwerden

Es ist eine Gretchenfrage: Wie viele Artikel biete ich meinen Kunden an? 1946 ging es um nichts mehr als ums Sattwerden. Die Aldi-Brüder schauten auf ihren Tages- und Wocheneinkauf. Erst im Laufe der Jahre kamen Non-Food-Artikel hinzu – anfangs waren sie verpönt.

Zahl der Artikel

Mit der Zeit pendelte man sich bei 400 Artikeln ein. Inzwischen – in Zeiten der feiner werdenden Nuancen – ist die Zahl auf 900 Artikel gewachsen. Der Stellplatz in den Filialen hat natürliche Grenzen. Zudem ist Produktpflege ein aufwändiges Geschäft.

Das oberste Gebot

Von Beginn an galt bei den Albrechts das Gebot der Warengleichheit: In allen Filialen sollten die Kunden dieselben Produkte finden. Schnell ging es soweit, dass sie es sogar an derselben Stelle fanden.

Die Revolution

Eine echte Revolution war die Einführung von Kühlware in den 70er-Jahren. Sowohl bei Aldi Nord als auch bei Aldi Süd gingen Grundsatz-Diskussionen voraus. Entgegen der Behauptungen gab es darüber aber keinen brüderlichen Zwist. Allerdings musste der vorpreschende Karl Überzeugungsarbeit leisten beim abwägenden Theo. Doch die Kühltruhe kam, erst im Kleinformat, dann immer mehr.

Markenartikel? Nein, Danke!

Seit Jahren macht andere Discounter wie Netto (vorher Plus) gute Geschäfte mit Markenartikeln. Aldi hat stets eine Aversion gegen sie gehabt. Auf der anderen Seite taten sich die Hersteller von Markenartikeln anfangs auch sehr schwer, bei einer Billigkette zu listen, als die Aldi galt.

Aldis Problem

Vereinfacht gesagt besteht Aldis größtes Problem darin, die erforderlichen Liefermengen von mehreren Anbietern zu beziehen. Bei vergleichenden Qualitätsstandards heißt es immer wieder: Bedarfsdeckung versus Preis. Gerade zu Ostern und Weihnachten ist es eine Sisyphusarbeit in Planung und Organisation, für ausreichend Waren zu sorgen und sie auf die Filialen zu verteilen.

Harte Gespräche mit Lieferanten

Die Preisfindung in diesem „Wettkampf“ ist das eigentliche Erfolgsrezept Aldis. Als Marktführer, ausgestattet mit dem Hebel der Mengemacht, hat man hier natürlich Vorteile. Dabei bündeln Aldi Nord und Aldi Süd ihre Einkaufsstrategie in vielen Sortimenten. Auf der anderen Seite hat Aldi auch kein Interesse, die Lieferanten so sehr zu schröpfen, dass sie in den Ruin gehen. 

Die große Verlockung

Lieferanten unterliegen leicht der großen Verlockung, mit Aldi so zu verhandeln, dass die eigentlichen Kapazitätsgrenzen überschritten werden. Zwar kann man mit Aldi vermögend werden, aber das Risiko, sich zu sehr abhängig zu machen, ist groß. Denn Aldi streicht durchaus schnell einen Lieferanten. Fachleute raten dazu, maximal 50 Prozent seiner Produkte an Aldi zu verkaufen.

Das Preisdiktat

Die Wettbewerber sind dem Preisdiktat ausgesetzt. In den vergangenen Jahres war gut zu beobachten, was passiert, wenn Aldi die Preise für Alltagsprodukte wie Milch senkte: Die Konkurrenz zog innerhalb weniger Stunden nach. Preisvergleich und Preispolitik sind Tagesaufgaben.

Wie preissensibel ist der Kunde

Doch warum agieren die Discounter eigentlich so nah am „gerechten Preis“? Die Frage ist durchaus berechtigt, denn die Durchschnittskunde ist eigentlich sehr wenig mit den Preisen vertraut. Er stellt seinen Warenkorb den Bedürfnissen und Gepflogenheiten zusammen. Die meisten gehen nicht mit offenen Augen durch die Läden. Angebote werden auch bei Aldi sehr deutlich mit andersfarbigen Schildern gekennzeichnet, damit sie überhaupt auffallen. Umso wichtiger ist also, dauerhaft der Preisführer zu sein – und dieses Image zu pflegen.

Mit 75 Cent je Liter koste normaler Apfelsaft bei Aldi Süd jetzt fast wieder so viel wie vor vier Jahren. Zeitweise war der Preis bei 49 Cent je Liter im Keller. Milch mit 3,5 Prozent Fettgehalt sei mit dem neuen Aldi-Süd-Preis von 60 Cent je Liter nun wieder so teuer wie vor dem November 2011.

Kommentare (5)

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02.11.2012, 15:19 Uhr

Moment, das dürfen die doch nicht!

Dragi (aka Graf Dragilar) hat doch gesagt, dass Inflation kein Problem ist - da muss sich Aldi doch dran halten ...

Ichbinsdoch

02.11.2012, 16:06 Uhr

Inflationsrate von 2% oder was wollen uns die Machthaber ständig verkaufen?
Wo Energierpreise exorbitant steigen?
Wo Lebensmittelpreise stetig zulegen?
Wo Abgaben immer mehr steigen?
Also wenn ich mal rechne, gegen letztes Jahr komm ich übern Daumen gepeilt auf 15-20%
Sollte die EU und der Euro bis 2014 überleben, wird er spätestens da im Bürgerkrieg endlich abgeschafft.

Account gelöscht!

02.11.2012, 16:46 Uhr

Mir fallen im Zusammenhang mit der Mobilität noch weitere Preise ein, die in keinem Warenkorb auftauchen:
ÖPNah- und Fernverkehr
Bussen bei Geschwindigkeitsüberschreitungen
Führerschein (ich bezahlte 1988 für den "3er" komplett umgerechnet € 650: bis 7.5 t sowie Anhänger)
etc...

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