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30.03.2012

12:09 Uhr

Preissteigerungen

Wie Lidl in Griechenland abkassiert

VonGerd Höhler

„Wir machen die billigen Preise“, wirbt Lidl für seine Märkte. Doch in Griechenland kassiert der deutsche Discounter kräftig ab. Bei einigen Waren sind die Preise doppelt so hoch wie in Deutschland. Jetzt gibt's Ärger.

Lidl treibt in Griechenland die Preise in die Höhe. Reuters

Lidl treibt in Griechenland die Preise in die Höhe.

AthenAusgerechnet im rezessionsgeplagten Griechenland, dessen Bürger mit schwindenden Einkommen und wachsender Arbeitslosigkeit konfrontiert sind, kassiert der Discounter Lidl kräftig ab: viele Eigenmarken sind in de griechischen Lidl-Märkten erheblich teurer als in anderen Ländern.

„Frohe Ostern“ wünscht Lidl seinen griechischen Kunden und bietet deutsche Leberwurst zum Fest mit einem Preisabschlag von 34 Prozent an. Auch der morgige „Super-Samstag“ lockt mit Sonderangeboten. „Wir machen die billigen Preise!“, brüstet sich der deutsche Discounter.

Tatsächlich können die Griechen bei  Lidl manches deutlich günstiger einkaufen als in den großen Supermärkten oder in den Tante-Emma-Läden, die nicht nur auf dem Land sondern auch in Großstädten wie Athen und Thessaloniki noch weit verbreitet sind. Aber wie günstig ist günstig?

Gingen die griechischen Lidl-Kunden in einen deutschen Markt des Einzelhändlers, würden sie erstaunt feststellen: trotz des deutlich höheren Einkommensniveaus in Deutschland sind dort viele Produkte erheblich billiger als bei Lidl Hellas. Wie viel billiger, das hat Sokrates Xynidis recherchieren lassen, der griechische Vizeminister für Wirtschaft und Wettbewerb. Im Auftrag des Ministeriums verglichen Marktforscher die Preise von 70 Lidl-Eigenmarken-Produkten in Griechenland, Frankreich, Italien und Bulgarien. Das Ergebnis: 46 der 70 Produkte sind in Griechenland am teuersten. Nur elf der 70 Produkte sind in den griechischen Märkten am billigsten. Verglichen wurden die Netto-Verkaufspreise, abzüglich der Mehrwertsteuer, die in Griechenland mit 23 Prozent beziehungsweise 13 Prozent für Grundnahrungsmittel deutlich höher ist als in Deutschland.

Die Prüfer, die ihre Daten im vergangenen Dezember erhoben, stellten erhebliche Preisunterschiede fest. So bietet Lidl Champignons der Eigenmarke Freshona in Deutschland für 77 Cent an. Die griechischen Kunden werden dagegen für die gleiche Konserve mit 1,23 Euro zur Kasse gebeten. Die Halbliter-Dose Grafenwalder Pils, die in französischen Lidl-Märkten für 85 Cent zu haben ist, kostet in Griechenland 1,16 Euro. Mirabel Kirschkonfitüre können die deutschen Lidl-Kunden sich schon für 75 Cent aufs Frühstücksbrötchen streichen. Der Grieche muss hingegen 1,28 Euro bezahlen. Besonders krass: WC-Reiniger Aloe Fresh der Lidl-Eigenmarke W5 geht in Deutschland für 70 Cent über den Scanner. In den griechischen Lidl-Märkten zeigt die Kasse mehr als den doppelten Preis an, nämlich 1,51 Euro.

In einer schriftlichen Stellungnahme habe Lidl die höheren Preise unter anderem mit der Wettbewerbssituation in Griechenland gerechtfertigt, teilte das Wirtschaftsministerium mit. Das soll wohl heißen: man reizt die Preise aus soweit es geht. Tatsächlich hat Lidl im Hard-Discounter-Segment in Griechenland, anders als in Deutschland, kaum Konkurrenten. Mit mehr als 200 Läden ist das Unternehmen von Makedonien im Norden bis Kreta im Süden fast flächendeckend präsent.

Kommentare (36)

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Analyst

30.03.2012, 12:30 Uhr

Na ja, die Fakelaki an die griechischen Behörden müssen ja irgendwie wieder reinkommen. Sie werden eben auf die Preise umgelegt.

Wolle

30.03.2012, 12:35 Uhr

Ach, warum sind denn deutsche Autos in Deutschland so teuer???
An den höheren Transportkosten kann es wohl kaum liegen.

hajohans

30.03.2012, 12:41 Uhr

Der Markt diktiert die Preise - die Kosten fuer Transport
und Personal bezogen auf den Umsatz liegen dort moeglicherweise betraechtlich hoeher. Daneben musste moeglicherweise noch Schmiergeld bezahlt werden, um die
Laeden ueberhaupt einrichten zu koennen. Wenn die Preise
bei Lidl hoch sind, ist das eine Chance fuer die Wettbewerber.

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