Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

26.08.2015

11:19 Uhr

Preisstreit mit Colgate-Palmolive

Dm wirft Dentagard aus dem Regal

Wenn um Preise gefeilscht wird, geht es im Handel rau zu. Doch selten werden Unternehmen so vorgeführt wie derzeit der Konsumgüterhersteller Colgate-Palmolive von Deutschlands größter Drogeriemarktkette dm.

Wer dieser Tage einen dm-Markt betritt, um eine Tube Dentagard zu kaufen, wird enttäuscht. dpa

„Gleicher Preis bei weniger Inhalt“

Wer dieser Tage einen dm-Markt betritt, um eine Tube Dentagard zu kaufen, wird enttäuscht.

KarlsruheEigentlich sollte in dem Regal bei der Drogeriemarktkette dm Zahncreme der Marke Dentagard liegen. Die Packung mit 100 Millilitern zum Preis von 75 Cent. Doch der Platz im Regal ist leer. Stattdessen klebt dort ein Schild: „Gleicher Preis bei weniger Inhalt: Da streiken wir! dm.“

Dann folgt noch die Erklärung: Der Hersteller von Dentagard – der Konsumgüterkonzern Colgate-Palmolive – habe die Inhaltsmenge der Tube von 100 Milliliter auf 75 Milliliter reduziert, fordere aber weiterhin den bisherigen Preis. Da wolle dm im Kundeninteresse nicht mitmachen. Und daher sei die Zahncreme aktuell nicht verfügbar. Deutschlands größte Drogeriemarktkette stellt einen ihrer wichtigsten Lieferanten an den Pranger.

Werbung mit Stars: Nichts Müller, oder was?

Werbung mit Stars

Premium Nichts Müller, oder was?

Ob Fußballer oder Top-Model – viele Unternehmen werben mit bekannten Gesichtern. Doch manch eine Kampagne schadet mehr, als dass sie hilft. Das Problem: Das Image der Stars passt nicht immer zur Marke.

Ein spektakulärer Schritt, findet der Marketing-Experte Martin Fassnacht von der Wirtschaftshochschule WHU. „Der Trick, den Inhalt zu verringern, ohne den Preis zu senken, wird im Handel ja öfter benutzt. Aber dass ein Händler die Kunden explizit darauf aufmerksam macht, dass ein Hersteller das Preis-Leistungsverhältnis verschlechtern will, das ist neu.“

Der Vorsitzende der dm-Geschäftsführung, Erich Harsch, bekräftigt auf Nachfrage der Deutschen Presse-Agentur: „Wir möchten diese Preiserhöhung nicht an unsere Kunden weitergeben.“ Es sei der Anspruch, auch in Zukunft „der günstigste Anbieter von Drogeriewaren zu sein“, betont Harsch.

Colgate-Palmolive ist diese neue Offenheit aber anscheinend überhaupt nicht geheuer. „Als Hersteller von Konsumgütern ist es ein übliches Vorgehen, Abgabepreise an den Handel an steigende Kosten zum Beispiel für Energie und Rohstoffe anzupassen. Unüblich ist es, uns öffentlich zu Verhandlungen mit unseren Handelspartnern zu äußern“, wiegelt das Unternehmen in einer Stellungnahme Nachfragen zu dem Vorgang ab. Und fügt dann noch hinzu: „Wir hoffen darauf, mit dm eine einvernehmliche Lösung zu finden.“

Für den Handelsexperten Fassnacht ist die Taktik des Drogeriemarkt-Riesen dm allerdings gut nachvollziehbar. Der Schritt unterstütze das Image von dm als ehrliches Unternehmen und setze Colgate-Palmolive unter Druck, meint er. Und wahrscheinlich sei auch die Hoffnung damit verbunden, dass die dm-Handelsmarke Dontodent davon profitiere.

Armin Valet von der Verbraucherzentrale Hamburg begrüßt den Schritt ausdrücklich. Verdeckte Preiserhöhungen seien für viele Verbraucher ein Ärgernis. Sie fühlten sich über den Tisch gezogen. „Dass da mal ein Händler Position bezieht, finden wir gar nicht so unsympathisch.“ Allerdings habe auch dm in der Vergangenheit bei ähnlichen Versuchen von anderen Markenartiklern durchaus mitgezogen.

Dass dm jetzt viel aggressiver reagiert, könnte auch mit der jüngsten Offensive des Discount-Marktführers Aldi zu tun haben, der immer mehr Markenprodukte in sein Angebot aufnimmt und damit die Preise auf breiter Front ins Rutschen bringt. „Das sorgt nicht nur bei den klassischen Supermärkten, sondern längst auch bei den Drogerieketten für Nervosität. Umso wichtiger ist es für dm, seinen Ruf als ehrlicher Anbieter mit gutem Preis-Leistungsverhältnis zu verteidigen“, meint Fassnacht.

Von

dpa

Kommentare (6)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Herr Robert Bosch

26.08.2015, 12:24 Uhr

was hier durch den Hersteller gelaufen ist, ist doch mittlerweile an der Tagesordnung. Hat DM auch gestreikt, als die Sheba-Katzenfutter-Schale bei gleichem Preis von 100 Gramm auf 85 Gramm gesenkt wurde?!

Interessant auch, dass offensichtlich die infame Preiserhöhung bei der Maggi-Würze über eine Mengenreduzierung ohne Aufschrei und ohne Probleme über die Bühne gegangen ist.

Man kann sich des Eindruckes nicht erwehren, dass auf breitester Front der Verbraucher getäuscht wird. Werden eigentlich diese Mengenreduzierungen bei diesen Preisentwicklungsstudien berücksichtigt?

G. Nampf

26.08.2015, 12:52 Uhr

@Robert Bosch:


- "Interessant auch, dass offensichtlich.... "

Immerhin nacht dm eine Anfang.

- "Man kann sich des Eindruckes nicht erwehren, dass auf breitester Front der Verbraucher getäuscht wird."

Richtig. Am Besten, die Hersteller reduzieren gleich die Menge auf 0 (Gramm/ ml /Stück) und behalten den Preis bei. Dann herrscht wenigstens Klarheit.
(/Sarkasmus aus)

Herr Helmut Metz

26.08.2015, 13:05 Uhr

Versteckte Teuerung durch Mengenreduktion ist ein ganz beliebtes Instrument der Kundentäuschung.
Richtig übel wird es aber, wo man die Preise nicht so leicht erhöhen kann, weil sich Standardgrößen bzw. -mengen etabliert haben - wie bei der Milch.
Damit den Milchbauern beim Preisdiktat der großen Händler überhaupt noch etwas zum Leben übrig bleibt, müssen sie Hochleistungs-Milchkühe mit monströsen Zitzen heranzüchten, die permanent mit High-Tech-Melkmaschinen abgemolken werden.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×