Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

23.06.2012

12:26 Uhr

Prestigeprojekt

Berliner Flughafen verteuert und verzögert sich

Um neun Monate wurde die Eröffnung des Großflughafens Berlin verschoben. Nun steht auch dieser Termin wieder in Frage. Um mehr als eine Milliarde Euro teurer wird das Prestigeprojekt wohl auch.

Berliner Flughafen: Der Starttermin verzögert sich weiter. dpa

Berliner Flughafen: Der Starttermin verzögert sich weiter.

SchönefeldDer Hauptstadtflughafen Berlin Brandenburg wird immer teurer - und der Eröffnungstermin wackelt schon wieder. Erst im August wird sich entscheiden, ob der gerade erst auf März 2013 verschobene Starttermin zu halten ist. Zudem wird der Airport wohl mehr als vier Milliarden Euro kosten - also gut eine Milliarde Euro mehr als zuletzt geplant. Die Finanzierung ist auch noch nicht klar. Die Kritik wächst.

Der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD), Chef des Flughafen-Aufsichtsrats, sagte am Freitagabend nach einer mehr als achtstündigen Sitzung des Kontrollgremiums, dass nun die Planungen für die Entrauchungsanlage geprüft würden, um „letzte Zweifel“ am Zeitplan auszuräumen. Aus jetziger Sicht sei der Termin 17. März 2013 zu halten. Zur Sicherheit will das Gremium aber erst im August nach weiteren Prüfungen endgültig entscheiden.

Die ursprünglich für den 3. Juni geplante Eröffnung des milliardenschweren Prestigeprojekts in Schönefeld war wegen massiver Probleme mit der Brandschutztechnik kurzfristig geplatzt. Als neuer Termin war daraufhin erst im Mai der 17. März 2013 genannt worden.

Der Weg zum neuen Berliner Flughafen

Dezember 1991

Gründung der Berlin Brandenburg Flughafen Holding (BBF). Gesellschafter sind die Länder Berlin und Brandenburg.

Januar 1992

Beginn der Planungen für den Flughafen mit dem Projektnamen Berlin Brandenburg International, BBI.

Juni 1996

Die Gesellschafter entscheiden sich für den Ausbau des Flughafens Schönefeld und die Schließung der Flughäfen Tegel und Tempelhof.

August 2004

Zum Abschluss des Genehmigungsverfahrens gibt der Planfeststellungsbeschluss grünes Licht: Der BBI darf unter Auflagen gebaut werden. Im Oktober reichen tausende Gegner beim Bundesverwaltungsgericht in Leipzig Klagen ein.

April 2005

Das Gericht gibt Eilanträgen mehrerer Anwohner statt und verhängt einen weitgehenden Baustopp bis zu seiner endgültigen Entscheidung. Zulässig sind nur Bauvorbereitungen.

März 2006

Das Gericht genehmigt in letzter Instanz den Bau des BBI unter verschärften Lärmschutzauflagen.

Juli 2008

Erster Spatenstich für die Inbetriebnahme des Flughafens.

Oktober 2009

Das Brandenburger Verkehrsministerium erlässt eine neue Nachtflugregelung: Keine Starts und Landungen von Mitternacht bis 5.00 Uhr, Ausnahme Post- und Regierungsmaschinen, Notfälle. In den Randzeiten davor und danach ist die Zahl begrenzt.

Juni 2010

Wegen der Pleite einer Planungsfirma und verschärften Sicherheitsbestimmungen wird die für November 2011 geplante Eröffnung des Flughafens auf den 3. Juni 2012 verschoben.

September 2010

Die Deutsche Flugsicherung legt einen ersten Flugrouten-Vorschlag vor. Tausende Betroffene gehen dagegen auf die Straße. Es gibt neue Klagen gegen den Planfeststellungsbeschluss.

Juli 2011

Nach monatelangen Beratungen in der Fluglärmkommission folgt die Flugsicherung mit einem neuen Vorschlag dem Kompromiss des Gremiums. Rund um den Berliner Müggelsee geht der Protest weiter.

Oktober 2011

Das Bundesverwaltungsgericht gibt grünes Licht für nächtliche Flüge in den Randzeiten. Der Airport kann ohne weitere Einschränkungen an den Start gehen.

Januar 2012

Das Bundesaufsichtsamt für Flugsicherung legt die Flugkorridore fest. Bürgerinitiativen kündigen weitere Klagen an.

Mai 2012

Wegen Problemen beim Brandschutz wird die Anfang Juni geplante Eröffnung des Flughafens erneut verschoben.

„Es ist ein Armutszeugnis für Klaus Wowereit, dass auch nach der Sitzung des Aufsichtsrats weiter Unklarheit herrscht, wann der Flughafen eröffnet werden kann“, kritisierte am Samstag die Grünen-Fraktionschefin im Berliner Abgeordnetenhaus, Ramona Pop. Auch beim Finanzierungskonzept für die Zusatzkosten angesichts der Verschiebung des Betriebsstarts fehlten Antworten.

Die Vorsitzende der Grünen-Bundestagsfraktion, Renate Künast, warf den Akteuren Dilettantismus vor. „Der Bund muss jetzt für eine ausreichende Kontrolle sorgen.“ Künast, die in Berlin auf Landesebene zuletzt als Spitzenkandidatin angetreten war, ergänzte: „Der Bau des Flughafens Willy Brandt wird zu einer Chronique scandaleuse.“

Flughafenchef Rainer Schwarz rechnete am Freitag vor, dass wegen der Verschiebung des Betriebsstarts vorerst mit Mehrkosten von 586 Millionen Euro kalkuliert werde. Dies komme zu den zuletzt mit 3,1 Milliarden Euro veranschlagten Gesamtkosten dazu. Ursprünglich war von 2,5 Milliarden Euro Kosten ausgegangen worden.

Zusätzlich muss laut Wowereit mit bis zu 591 Millionen Euro für einen erweiterten Lärmschutz gerechnet werden, den ein Entscheid des Oberverwaltungsgerichtes Berlin-Brandenburg verlangt - dies erreiche ganz andere Dimensionen als geplant. Wowereit kündigte weitere juristische Prüfungen an. Insgesamt könnten die Mehrkosten bei bis zu 1,17 Milliarden Euro liegen - das bedeutet, dass das Gesamtprojekt etwa 4,2 Milliarden Euro verschlingen würde. Der Finanzrahmen für den Flughafen liegt bisher bei 3,36 Milliarden Euro - davon stammen 2,4 Milliarden aus Krediten.

Nun steht auch die Frage im Raum, wie die Mehrkosten aufgebracht werden sollen. Ein Konzept soll die Flughafengesellschaft bis zur nächsten Aufsichtsratssitzung im August vorlegen. Dabei sei sie zuerst selbst am Zuge, betonte Wowereit. Der Bund und die beiden Länder stünden aber zu ihrer Verantwortung als Gesellschafter. Dass sie Kapital nachschießen könnten, sei nicht ausgeschlossen.

Für Berlin hatte Finanzsenator Ulrich Nußbaum (parteilos) schon einmal die Ausgabe von Anleihen zur Entlastung der Landeskasse angeregt. Anleihen würden von der Flughafengesellschaft ausgegeben und von privaten und institutionellen Anlegern erworben. Sie würden von der Gesellschaft verzinst und zurückgezahlt und somit die öffentlichen Haushalte nicht direkt belasten. Diese würden allerdings einspringen, wenn die Flughafengesellschaft Zahlungsschwierigkeiten haben sollte.

Von

dpa

Kommentare (18)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

THHL

22.06.2012, 21:39 Uhr

[+++ Beitrag von der Redaktion gelöscht +++]

Account gelöscht!

22.06.2012, 23:25 Uhr

Pleite. Völlig überschuldet. Schadenersatzansprüche. Bekanntermaßen niemals wirtschaftlich zu betreiben. Private Geldgeber schon vor Jahren mit wehenden Fahnen geflüchtet. Für immer am Tropf der Steuerzahler. Viele weitere Millardenrisiken noch gar nicht eingerechnet.

Wann hört endlich diese Staatsgläubigkeit auf, diese Planwirtschaft? Warum werden immer wieder solche Politiker gewählt? Hat denn niemand aus der Mangelverwaltung der DDR und der faktischen Staatspleite in den letzten Jahren des Kommunismus gelernt?

Macht diese Ruine zu und wickelt diese sozialistische Wohlstandsvernichtungsflughafenstaatsgesellschaft ab. Das wird billiger. Ein Ersatzkonzept mit allen Vorteilen für Anwohner, Wirtschaftsentwicklung und Umwelt existiert längst.

hoppala

23.06.2012, 00:22 Uhr

ist doch egal wann ein flieger dort geht.
Die feinen Damen und Herren wereden es schon richten.

Läßt man sich ersteinmal auf diese kackblase ein wird man wird man sich darüner klar werden müssen dass man verraten une verkauft ist.
nachdem man diese Kacxkblase verlassen hat wird man sich auf die nächste kackblase einstellen müssern.
bei uns zu haus jedenfalls haben wir keinen platz für kackblasen: seit inzwischen 1200 jahren.
und die kackblasen die hier auf blähung machen: wir haben andere sorgen als kleinbürgersblähungen.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×