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12.01.2017

12:25 Uhr

Primark, Tesco

We love shopping

VonKerstin Leitel

Das Brexit-Votum war eine der größten Überraschungen des Vorjahres. Trotz politischer Wirren lassen sich die Briten ihre Kauflust nicht nehmen. Für Händler wie Tesco, Marks & Spencer oder Primark läuft das Geschäft gut.

Der Mutterkonzern Associated British Foods vermeldete für die Tochter Primark einen Umsatzanstieg von elf Prozent. Reuters

Primark

Der Mutterkonzern Associated British Foods vermeldete für die Tochter Primark einen Umsatzanstieg von elf Prozent.

LondonDie Briten haben sich von dem bevorstehenden Brexit und den damit verbundenen Unsicherheiten nicht vom Shopping abbringen lassen. Aktuelle Zahlen der Einzelhandelsunternehmen zeigen, dass die Briten über die Weihnachtsfeiertage – an denen in Großbritannien viele Geschäfte geöffnet waren – einkaufen gegangen sind. Dabei gaben sie mehr Geld für Kleidung und Essen aus als im Jahr zuvor.

Besonders gut lief das Geschäft für Marks & Spencer. Das Unternehmen verbuchte ein Umsatzplus von 2,3 Prozent. Analysten hatten mit deutlich weniger gerechnet, zumal ein Jahr zuvor das britische Traditionsunternehmen sowohl bei Kleidung als auch bei Nahrungsmitteln deutlich schlechter abgeschnitten hatte, woraufhin der damalige Chef zurückgetreten war.

Auch bei der Bekleidungskette Primark ist man zufrieden: Der Mutterkonzern Associated British Foods vermeldete für die Tochter, deren Läden zunehmend auch in deutschen Einkaufsstraßen zu finden sind, einen Umsatzanstieg von elf Prozent. Der Online-Fashion-Verkäufer Asos verkündete ebenfalls „Rekordumsätze“, und die Holding der britischen Bekleidungsmarke Superdry veröffentlichte einen Umsatzzuwachs.

Bei Großbritanniens Marktführer unter den Supermärkten, Tesco, hat es zuletzt ebenfalls laut in der Kasse geklingelt: Die Umsätze stiegen an Weihnachten im Vergleich zum Vorjahr im Heimatmarkt um 0,7 Prozent, länderübergreifend wurde ein Plus von 0,3 Prozent verbucht. „Beeindruckende Zahlen“, lobte Analyst Neil Wilson von ETX Capital.

Schließlich liefern sich die britischen Einzelhandelsunternehmen seit Jahren einen erbitterten Preiskampf. Dabei locken sie Verbraucher mit Angeboten, bei denen die Konzerne selbst keinen Gewinn machen können. Daran schuld sind auch die deutschen Discounter Aldi und Lidl, deren Angebot günstiger Produkte in Großbritannien immer mehr Anklang findet.

Neue Ideen für die Online-Lieferung

Drohnen

Als Amazon-Chef Jeff Bezos Ende 2013 in einem TV-Interview den Prototypen seiner kleinen Fluggeräte zur Warenlieferung vorstellte, hielten das viele zunächst für einen Werbegag. Doch Amazon meint es ernst und hat mit „Prime Air“ sogar schon einen Namen für den Service. Ob und wann Amazon-Bestellungen tatsächlich im Alltag per Drohne geliefert werden könnten, ist offen - der Konzern testet noch. Eine Hürde bleibt auch die rechtliche Grundlage. Dies schreckt Konkurrenten jedoch nicht von eigenen Versuchen ab. So hat die Deutsche Post den automatischen „Paketcopter“, der 2014 testweise die Nordseeinsel Juist unter anderem mit Medikamenten versorgte. Und Google arbeitet bei „Project Wing“ an Mini-Fliegern mit Seilwinde.

Lieferroboter

Die Fahrzeuge, die äußerlich an einen großen Mars-Rover erinnern, sollen neben Fußgängern auf Gehwegen unterwegs sein. Die Firma Starship zum Beispiel, mit der unter anderem der Paketdienst Hermes und der Handelskonzern Metro zusammenarbeiten, will damit Waren mit einem Gewicht von bis zu 15 Kilogramm auf eine Entfernung von fünf Kilometern befördern. Die Vision ist, dass ein Mitarbeiter über das Internet 50 bis 100 automatische Lieferroboter überwacht. Starship peilt Kosten von rund einem Dollar pro Zustellung an. Die Pizza-Kette Domino's testete einen eigenen Lieferroboter in Australien. In Deutschland gibt es das Problem, dass der Betrieb solcher Fahrzeuge im Alltag nicht geregelt ist.

Kofferraum

Warum die Pakete immer nach Hause liefern, wenn der Adressat vielleicht gerade woanders unterwegs ist? Die Idee, die Pakete vom Zusteller einfach im Kofferraum zu platzieren, nimmt dabei konkrete Formen an. Der Zusteller bekommt dafür einen ein Mal gültigen Code, mit dem er die Klappe öffnen kann. Die Position des Fahrzeugs wird per GPS bestimmt. Der Paketdienst DHL testet die Kofferraum-Zustellung in einigen deutschen Städten mit jeweils mehreren hundert Smart-Fahrern. Unter anderem auch Audi, BMW und Volvo arbeiten an einem solchen Verfahren.

Crowdshipping

Warum nicht den Nachbarn zum Paketboten machen? Zahlreiche Start-ups versuchen gerade, daraus eine Geschäftsidee zu machen. Kern ist eine App, die Händler, Lieferanten und Kunden verknüpft. Wer ohnehin unterwegs ist, kann dann Pakete für andere mitnehmen und sich so etwas Geld verdienen. So gut die Idee ist, so schwierig scheint sie umzusetzen zu sein: DHL hat damit schon erfolglos experimentiert, Walmart einen Feldversuch abgebrochen. Auch Amazon testet den Service.

Kühlboxen

Die britische Supermarktkette Waitrose hat als erster mit dieser Idee Furore gemacht: Gekühlte Abholstationen für online bestellte Lebensmittel. Auch die britische Walmart-Tochter Asda experimentiert mit Kühlfächern an Tankstellen. Geöffnet werden sie per QR-Code oder PIN, die Kunde per Mail bekommt. Auch Rewe probiert bereits die Idee aus.

Gerade mit Blick auf den Brexit erhofft man sich hier ein besseres Geschäft. Schließlich hatten Experten prognostiziert, dass die Briten bei einem Ausstieg aus der EU weniger Geld im Portemonnaie haben werden. Bei Tesco will man aber noch keine Veränderung im Verhalten der Verbraucher kurz vor dem Brexit festgestellt haben, wie Firmenchef Dave Lewis erklärte. Allerdings gebe es „Inflationsdruck“, räumte der Manager ein. Tesco werde aber alles tun, um die Auswirkungen zu begrenzen.

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