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06.01.2005

11:52 Uhr

Privater Konsum bleibt "Achillesferse der Konjunktur"

Rabattschlachten im Einzelhandel gehen weiter

Von wegen „Geiz ist gewesen“. Kaum hat das neue Jahr begonnen, laufen im Einzelhandel schon wieder die Rabattschlachten.

HB BERLIN. Der Kaufhaus-Konzern Karstadt hat die ersten Januar-Tage zu „Tiefpreis-Tagen“ mit Preisnachlässen von bis zu 50 Prozent erklärt. Beim Konkurrenten Kaufhof verlängerten die Marketing-Strategen die Feiern zum Firmen-Jubiläum einfach: Auch im 126. Jahr werden (bis zu 40) „Jubiläums-Prozente“ angeboten. Und auch viele kleine Geschäfte sind beim vorzeitigen Winterschlussverkauf dabei.

Dabei ist die Branche froh, dass die freiwillige Selbstverpflichtung auf ein Ende der Rabattschlachten zumindest im Weihnachtsgeschäft gehalten hat. In den beiden Vorjahren hatten sich die Einzelhändler mit immer höheren Preisnachlässen noch vor dem Fest gegenseitig das Geschäft ruiniert. „Diesmal hat der Geiz wenigstens vor Weihnachten eine Pause gemacht“, sagt der Sprecher des Einzelhandelsverbandes HDE, Hubertus Pellengahr.

Allerdings steht noch nicht fest, ob das Ziel, im Weihnachtsgeschäft 2004 knapp 70 Milliarden Euro zu erlösen und damit eine Milliarde mehr als im Vorjahr einzunehmen, wirklich erreicht wurde. Im November wurde nur ein marginales Umsatzplus von nominal 0,2 Prozent verbucht - unter Berücksichtigung der Inflation betrug der Zuwachs sogar nur 0,1 Prozent.

Gewissheit wird in vier Wochen bestehen, wenn das Statistische Bundesamt seine Zahlen für Dezember vorlegt. Erst dann wird auch klar sein, wie hoch das Minus im Gesamtjahr liegt. Erwartet wird ein Rückgang zwischen 0,5 und einem Prozent. Auch der HDE, der in der Vergangenheit häufig zu optimistisch war, will sich dann auf eine genaue Prognose für 2005 festlegen.

Die Konjunkturexperten gehen davon aus, dass den rund 400 000 selbstständigen Einzelhändlern mit insgesamt 2,5 Millionen Beschäftigten zum vierten Mal in Folge ein schweres Jahr bevorsteht. Der private Konsum bleibe die „Achillesferse der Konjunktur“, urteilt das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung. Laut Forsa-Umfrage wollen trotz Entlastung durch die Steuerreform mehr als 60 Prozent der Bundesbürger auch im neuen Jahr mindestens genauso viel sparen wie 2004.

Ob die „Geiz-ist-geil“-Stimmung damit weiter anhält, wird sich so noch zeigen. Einstweilen verweisen die Einzelhändler darauf, dass der Januar traditionell als „Schnäppchen-Monat“ gilt. Die ersten Tage im neuen Jahr hießen vor Jahrzehnten schon „weiße Wochen“ - nicht wegen der Witterung, sondern weil Haushaltswaren damals schon billig zu bekommen waren. Auch jetzt haben viele Kaufhäuser Kaffee-Services, Porzellanvasen und Tischdecken zum Jahresbeginn im Angebot.

„Reduzierungen nach Weihnachten sind ganz normal“, heißt es bei der Textilkette C&A. Das Düsseldorfer Unternehmen hat seine Ware bis zu 50 Prozent reduziert und verlängert seine DM-Aktion bis Ende Januar. Ursprünglich konnten die Kunden nur bis Heiligabend noch in Mark und Pfennig bezahlen. Mittlerweile seien mit der seit dem 22. November laufenden Aktion 22 Millionen DM-Umsatz erzielt worden. Der Textilhändler Peek&Cloppenburg hat die Preise bei mehr als der Hälfte seiner Winterware gesenkt - zum Teil gibt es Rabatte von mehr als 50 Prozent.

Fest steht schon, dass zum Monatsende eine neue Rabattrunde eingeläutet wird. Trotz des Wegfalls der gesetzlichen Regelungen wird es wieder einen Winterschlussverkauf geben - vor allem um die Lager zu räumen. Diesmal allerdings schon eine Woche früher als üblich. Der Einzelhandel hat sich darauf verständigt, nicht erst am letzten Januar-Montag zu beginnen, sondern schon am 24. Januar. Hauptgrund ist, dass der Winterschlussverkauf nicht bis in den Karneval dauern soll. Und so lustig sind die Zeiten für die Branche nun wirklich nicht.

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