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08.06.2015

10:53 Uhr

Privater Luxus-Nahverkehr

Der Google-Bus für Jedermann

VonAxel Postinett

Das Start-up Leap will das Pendeln in San Francisco mit luxuriösen Bussen revolutionieren. Für die einen ist es die Blaupause für die Zukunft des Nahverkehrs, für andere nur ein Luxusdienst auf Kosten der Allgemeinheit.

Das Smartphone ist Ticket und Fahrplan zugleich, denn starre Abfahrtszeiten gibt es nicht. Die vier Fahrzeuge fahren so zügig wie es geht die Route ab. PR

Luxusbusse für Berufspendler

Das Smartphone ist Ticket und Fahrplan zugleich, denn starre Abfahrtszeiten gibt es nicht. Die vier Fahrzeuge fahren so zügig wie es geht die Route ab.

San FranciscoDie junge Frau an der kleinen Bar hinter dem Fahrersitz grüßt freundlich. Mein iPhone in der Tasche meldet mich per Bluetooth und Leap-App automatisch im Bus an – Fahrt bezahlt. Die Wahl fällt auf einen der gemütlich aussehenden, halbrunden Ledersessel in Fahrtrichtung. Heute will ich nicht arbeiten, so wie die an der langen Laptop-Theke mit kleinen Sitzschalen an der linken Seite des Busses. Den Blick auf die Bildschirme fixiert fragen sie mit dem kostenlosen Wlan ihre Mails ab.

Im hinteren Teil fehlt eigentlich nur noch ein offener Kamin vor der rustikal holzgetäfelten Rückwand und man könnte sich in einer der noblen Lounge-Bars des Finanzdistrikts wähnen. Die U-förmige Sitzanordnung der Lederbänke lädt die Fahrgäste zum Chat ein. Wer vorne sitzt, will ungestört bleiben.

Der vom bekannten Investor Marc Andreessen (Netscape) mit über zwei Millionen Dollar finanzierte Linienbus schaukelt in gemütlicher Runde morgens Pendler vom Nobel-Stadtteil Marina in den angesagten Tech-Distrikt SoMa und abends wieder zurück.

Das Smartphone ist dabei Ticket und Fahrplan. Es zeigt an, wann der nächste Bus an den Haltestellen mit dem hoppelnden Hasen auf blauen Säule ankommt und wie viele Plätze noch frei sind. Starre Abfahrtszeiten gibt es nicht, die vier Fahrzeuge fahren einfach so zügig wie es geht die Route ab. Mehr als zehn Minuten beträgt die Wartezeit an einer der wenigen Haltestellen selten. Die Fahrtzeit beträgt kaum 20 Minuten, mit einem öffentlichen „Muni“-Bus 30X ist die Strecke eine Weltreise. Es gibt leckere Fruchtsäfte oder Eiskaffee.

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Soweit die Theorie. Aber die Realität sieht anders aus. Mitte März gestartet, musste der Betrieb auf Druck der „California Public Utility Commission“ am 19. Mai mit sofortiger Wirkung eingestellt werden. Es fehle eine Betriebserlaubnis, heißt es. Außerdem werden diverse Sicherheitsmängel geltend gemacht. Leap selbst geht davon aus, alle notwendigen Voraussetzungen erfüllt zu haben. Die Verfügung des Amtes kam nur wenige Tage nach Beginn einer Werbeaktion des Neulings: Nur zwei statt sechs Dollar sollte die einfache Fahrt in lässigen Lounge-Bus kosten, 25 Cents weniger als im städtischen Linienbus.

„Wir hoffen, wir werden in null Komma nichts wieder auf der Straße sein“, heißt es am 19. Mai noch hoffnungsfroh auf der Facebook-Seite von Leap. Doch seitdem herrscht Schweigen. Die großen blauen Busse stehen Tag für Tag regungslos im Depot. Anfragen bei Leap bleiben ohne Antwort. Twitter und Facebook-Seite werden derzeit nicht aktualisiert. Ein versprochener Rückruf der zuständigen Behörde CPUC traf bis Redaktionsschluss nicht ein.

Zahlen zum Taxigewerbe in Deutschland

Fahrgäste

423 Millionen Menschen haben sich im Jahr 2013 in Deutschland von einem Taxi oder Mietwagen fahren lassen. Rund 2845 Millionen Personenkilometer kamen so zustande, keine Steigerung mehr im Vergleich zu den Vorjahren.

Anbieter

53.554 Taxis teilten sich im Jahr 2012 mit fast 36.000 Mietwagen einen Umsatz von 4,22 Milliarden Euro. Vier Jahre zuvor waren es erst 49.992 Taxis und 29.898 Mietdroschken. Nur 14,6 Prozent der Taxibetriebe hatten mehr als zwei Wagen.

Hier fahren die meisten Taxis

Deutsche Taxihauptstadt ist Berlin mit fast 9000 Taxen und Mietwagen. Die Messestadt Frankfurt hat allerdings die höchste Taxidichte, auf ein Taxi kommen hier nur 404 Einwohner. In Dresden müssen 1082 Menschen die Dienstleistung eines Taxis teilen.

Da bleibt nur der Rücksturz in die Gegenwart: Der 38er zum Beispiel bedient eine der zentralen Linien der Stadt und verbindet den Finanzdistrikt mit dem Richmond District in der Nähe der Golden Gate Bridge. Der Fahrplan ist nicht mehr als eine grobe Orientierungshilfe. Manchmal kommt auf der ständig verstopften Geary Street für 30 Minuten oder mehr gar kein Bus, dann vier direkt hintereinander. Selbst wenn einer der überalterten grauen Kästen endlich schnaufend am Horizont erscheint, ist das Warten noch lange nicht zu ende. Frustrierte Gesichter sind die Regel, wenn Pendler zwei oder drei Busse vorbeiziehen lassen müssen, weil sie bereits restlos überfüllt sind. Die Haltestellen liegen oft keine 100 Meter auseinander. Laut SF Weekly ist die Durchschnittsgeschwindigkeit der Muni-Fahrzeuge mit 8,1 Meilen pro Stunde (13 km/h) die geringste aller öffentlichen Bussysteme in Nordamerika. Das will schon etwas heißen.

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