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04.06.2017

17:41 Uhr

Privatjets

Geschäftsflieger leiden unter Luxus-Image

Wer in Hollywood etwas auf sich hält, schwebt per Privatjet ein. Neben dem Luxus-Image stehen diese Flieger aber vor allem für zeitsparende Transportmittel. Ein Image-Wandel soll nun neue Kundengruppen erschließen.

Derzeit gibt es allein in Deutschland 209 große bis mittelgroße Privatjets. Reuters

Jet-Messe in Genf

Derzeit gibt es allein in Deutschland 209 große bis mittelgroße Privatjets.

HannoverSie gelten als Flieger der Schönen und der Reichen, als Inbegriff des obersten Luxussegments: Privat-Jets haben ein Image, das noch oberhalb des Rolls-Royce-Status angesiedelt ist. Das ist für die Anbieter aber auch ein Problem der Extraklasse, baut es doch eher Hürden zu potenziellen Neukunden auf. Das wurde auf der gerade beendeten Fachmesse EBACE in Genf erneut deutlich: „Es gibt eine einseitige Wahrnehmung der Geschäftsluftfahrt, und das ist Teil des Problems“, erklärt die Kommunikationsexpertin des europäischen Branchenverbands EBAA, Tanya Renson-Martin.

Denn das Geschäft mit Business-Jets oder Geschäftsreiseflugzeugen ist alles andere als nur ein Transportdienst für Showgrößen oder hoch bezahlte Profi-Kicker. Geschäftsflieger, die mit ihren Angeboten weltweit eine Vielzahl von Lücken im Transportwesen füllen, setzen daher nach Jahren des Niedergangs gerade auf eine Trend- und Imagewende in der öffentlichen Wahrnehmung. „Die Branche ist bisher extrem diskret aufgetreten; die meisten haben mal davon gehört, dass Tom Cruise oder Rihana mit solchen Flugzeugen unterwegs sind, aber das war's dann“, sagt der Bonner Luftfahrtexperte Volker Thomalla.

Meilen-Tipps für Vielflieger

Prämienmeilen

Es gibt Prämienmeilen und Statusmeilen. Prämienmeilen sind eine Art Währung. Damit kann man später Flüge bezahlen, oder man kann sie für Sachprämien einsetzen wie Teegläser oder eine Sporttasche. Prämienmeilen können Teilnehmer überall sammeln. In Läden, mit Zeitungsabonnements, bei Autovermietern oder in Hotelketten. Und natürlich auch beim Fliegen.

Statusmeilen

Statusmeilen dagegen gibt es nur beim Fliegen. Wer genügend Meilen zusammen hat, schafft es in den Silber-, Gold- oder Platinstatus. Bei der Lufthansa heißt der höchste Status „Hon-Circle“. Der Status verschafft in der Regel Zutritt zu Lounges, gewährt Freigepäck oder eine schnellere Abfertigung am Schalter.

Was sich bei Prämienmeilen lohnt

Beim Sammeln von Prämienmeilen lohnt es sich meist nicht, einen teuren Pullover zu kaufen, nur damit ein paar Meilen herausspringen. Günstiger ist schon ein Zeitungsabonnement. Da können ein paar Hundert Euro den Programmteilnehmer rasch einem Businessclass-Flug näher bringen.

Was sich bei Statusmeilen lohnt

Vielen Fluggästen kommt es vor allem auf Statusmeilen an. Hier raten Profis zum Beispiel, einen Fernflug ab Mailand oder Amsterdam zu planen. Das senkt die Kosten und erhöht häufig die Meilenzahl. Oft bieten Airlines in Aktionen für einen Flug die mehrfachen Meilen. Auf solche Angebote machen spezielle Newsletter aufmerksam. Vorsicht bei der Buchungsklasse P der Lufthansa. Sie gehört zur Businessclass, bietet aber weniger Meilen als der teuerste Economy-Flug.

Gut zu wissen

„Die günstigste Art, Meilen einzulösen, ist fast immer ein Prämienflug in der Business- oder First Class“, sagt Wolfgang Riegert vom Reiseportal „Vornesitzen.de“. Der Gegenwert für eine eingelöste Meile kann locker bis zu vier Cent betragen. Economyclass-Flüge als Prämie lohnen sich selten. Die Gebühren der Prämienflüge sind so hoch, dass es oft günstigere Flüge auf dem freien Markt gibt. Die Gebühren mit Meilen zu bezahlen ist ebenfalls zu teuer. Upgrades in die Businessclass sind nicht von allen Economy-Buchungsklassen aus möglich; umbuchen kann teuer werden. Wesentlich mehr machen Sammler aus ihren Meilen, wenn sie Schnäppchenflüge nutzen.

Nach einer aktuellen Übersicht des Flugzeugfinanzierers Global Jet Capital gibt es allein in Deutschland 209 große bis mittelgroße Privatjets. Nach Großbritannien (255) wäre das in Europa die größte derartige Flotte. Insgesamt zählte das Unternehmen in einer im Mai veröffentlichten Marktstudie 1742 Privatflugzeuge in Europa, die in die mittelschwere bis große Kategorie entfallen. „Das sich verbessernde ökonomische Umfeld in Europa sowie die Tatsache, dass es mehr als 1000 große bis mittelgroße Jets auf dem Kontinent gibt, bedeutet, dass wir diesen Markt zunehmend positiver beurteilen“, erläutert Unternehmens-Manager Graeme Shanks die Zahlen.

Nach den jüngsten Statistiken des Branchenverbands EBAA liegt die Zahl der Starts von Geschäftsreiseflugzeugen seit November 2016 über den Zahlen des Vorjahresmonats. Mit 52 385 Starts in Europa gab es dabei den besten Monat April seit 2011. Denn die Reise mit dem Privatflieger ist für viele Unternehmen aus Zeit und Kostengründen ein lohnendes Investment - auch wenn sich das nur wenige Unternehmen angesichts des Luxus-Image der Nischen-Flieger öffentlich eingestehen mögen. Dabei geht es nicht nur um sieben- bis zehnsitzige Flugzeuge, sondern zum Teil auch kleinere Airbusse.

Business-Jets: Zwischen Bruchlandung und Höhenflug

Business-Jets

Zwischen Bruchlandung und Höhenflug

Bis heute hat sich das Geschäft mit Business-Jets in Europa nicht von der Finanzkrise im Jahr 2008 erholt. 2017 soll es endlich wieder aufwärts gehen. Doch Experten bremsen die Erwartungen in der Branche.

„Bei großen Messen oder auch der VW-Hauptversammlung sind hier oft große Teile des Vorfelds vollgestellt mit kleineren Privat-Jets oder Turboprop-Flugzeugen“, sagte der Chef des Flughafens Hannover, Raoul Hille. Der Manager, der selbst privat oft als Pilot am Himmel unterwegs ist, gibt den Herstellern dieser Maschinen einen Teil Mitschuld am Luxus-Image: „Die meisten Hersteller legen bei ihrer Werbung ja gerne den Fokus aufs Luxus-Interieur aus Leder, Holz und Champagner-Kühler statt auf den enormen Zeit- und Produktivitätsgewinn, den diese Maschinen bieten.“

Denn ob schnelle Transferflüge für Organspenden oder ganze Technikergruppen, die in Lappland unter Winterbedingungen Autos oder Reifen testen: Geschäftsflieger sind äußerst vielseitig einsetzbar. Und sie sind zudem alles andere als nur der kleine Bruder der großen Airline-Welt. Das beweisen die großen Hersteller Airbus und Boeing, die diverse Klassiker aus ihrer Modellpalette als geräumige Geschäftsreise-Jets anbieten. Airbus stellte in Genf gerade eine Privatjet-Version des zweistrahligen Verkehrsjets A330 vor: Die ACJ330neo kann 25 Passagiere nonstop über eine Distanz von 17 400 Kilometer transportieren - in etwa die Distanz Europa-Australien.

Wer es größer mag, für den hält die Firma Sparfell & Partners das geeignete Fluggerät bereit: vier doppelstöckige Gebrauchtflugzeuge vom Typ A380. Bei 550 Quadratmetern Fläche wäre sogar eine Kegelbahn über den Wolken drin - auch wenn diese Flugzeugklasse eher für Regierungen und ihre Delegationen gedacht sind.

„Die Branche stellt sich gerade neu auf und versucht auch durch neue Digitalmodelle, neue Kunden zu gewinnen“, sagt Volker Thomalla. Der Chefredakteur des Informationsdienstes Aerobuzz.de sieht darin eine Möglichkeit, die Kosten der kleinen, aber feinen Nischenflieger weiter zu senken. Denn als Alternative zu nervigen Sicherheits-Checks mit langen Warteschlangen in überfüllten Airports bieten Anbieter im Internet Mitflüge in Privatjets oder kleineren Propellermaschinen. Als Trendsetter gilt die 2011 gegründete Mitflugzentrale „Victor“.

Von

dpa

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