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27.04.2012

11:00 Uhr

Privatmolkerei Bauer

Werbung für Joghurt setzt Konkurrenz herab

VonCarina Kontio

„Frischer Joghurt mild ohne Gentechnik“ ist das allerneueste Produkt aus dem Hause Bauer, das die begehrte „Ohne Gentechnik“-Kennzeichnung trägt. Das hört sich zunächst sehr schön an, wirft aber unangenehme Fragen auf.

Hier soll offenbar nicht nur ein Produkt an den Mann gebracht werden (Quelle: Screenshot www.bauer-milch.de).

Hier soll offenbar nicht nur ein Produkt an den Mann gebracht werden (Quelle: Screenshot www.bauer-milch.de).

DüsseldorfMit der Bild-Zeitung unterm Arm kommt der Kollege heute in die Redaktion und sagt: „Das musst du dir unbedingt mal anschauen!“ Auf der Titelseite die üblichen Schlagzeilen: „Michelle: Heisse Küsse“, „Echt stark! Bier mit 57 % Alkohol“ und „Die sechs billigsten Urlaubsländer“.

Aber dann, unten rechts, springt einem die Anzeige der Privatmolkerei Bauer ins Auge. Weil die nicht nur neugierig, sondern auch stutzig macht. Dort wirbt das bayerische Familienunternehmen für seine neuen Fruchtjoghurts, die es gentechnikfrei auf den Markt bringen will. Mit dem Siegel „Ohne Gentechnik“ garantiert die Molkerei, dass alle verwendeten Inhaltsstoffe – von den Joghurtkulturen über den Zucker bis hin zu den Früchten – nachweislich gentechnikfrei sind.

„Nur von Bauer: Der erste gentechnikfreie Fruchtjoghurt Deutschlands!“

Klingt an und für sich erstmal richtig gut, stehen doch Lebensmittel ohne Gentechnik beim deutschen Verbraucher hoch in Kurs. Nur: Was bedeutet diese Werbeaussage eigentlich im Umkehrschluss? Für die Experten des Fachmagazins „Horizont“ scheint die Antwort klar: Für Bauer geht diese Aktion ins Auge. Weil das Unternehmen ein Produkt hochjubelt und seine anderen Marken damit herabwürdigt. Denn: Wenn der Bauer-Fruchtjoghurt mit frischer Milch „der erste gentechnikfreie Fruchtjoghurt Deutschlands“ ist, sind demzufolge dann alle übrigen Fruchtjoghurts, die von der Privatmolkerei produziert werden, keine gentechnikfreien Joghurts? Und was ist mit den anderen Fruchtjoghurts, die von anderen Molkereien in Deutschland produziert werden?

„Horizont“ kritisiert außerdem die Online-Werbung auf der Homepage der Privatmolkerei, wo man „aus dem Staunen gar nicht mehr heraus“ kommt. Tatsächlich sieht man dort, wie Testimonials einen ganz anderen Joghurt essen, als den eigentlich beworbenen (der am Rande ins Bild modelliert ist), der ja laut Bauer als einziger gentechnikfrei ist. Und daneben wird auch noch der „Mövenpick“-Joghurt von Bauer angepriesen. Auf einem anderen Bild taucht sogar zusätzlich „Knirps“, der kleine Weinkäse aus dem Hause Bauer auf und - man ahnt es schon - auch der Schnittkäse wird irgendwie noch untergebracht. Ob mit oder ohne Gentechnik: Bauer bleibt die Antwort schuldig.

Warum Fleischessen schädlich ist

Dürfen wir töten?

Schweine haben ein höheres Schmerzempfinden als zum Beispiel Hunde. Dennoch mutet die Massentierhaltung und vor allem die industrielle Schlachtung den Tieren entsetzliche Schmerzen zu. Dürfen wir Menschen andere Lebewesen so behandeln? Noch muss das jeder Mensch für sich selbst entscheiden, aber die Tierschutzgesetze werden allmählich strenger.

Fleischkonsum mehrt den Welthunger

Rund 840 Millionen Menschen leiden weltweit unter Hunger. Dabei fressen in der heutigen Massentierhaltung Nutztiere Unmengen an Getreide. Dabei sind zum Beispiel Rinder darauf geeicht, Gras zu fressen, was Menschen unmöglich ist. Doch die Produktionsmethoden kippen den eigentlich so idealen Ausgleich um.

Vegetarier leben gesünder?

Vegetarier leben länger und gesünder, da sie wenige Fette zu sich nehmen. Bäuerlein will diese klassische Aussage entlarven: So würden Vegetarier keineswegs gesünder leben als Fleischesser. Alles ist eine Frage der Menge, das gelte für den Verzehr von pflanzlichen Produkten aber genauso wie für den von Fleisch.

Fleischproduktion ist klimaschädlich

Kühe rülpsen Unmengen an Methan aus, ein sehr schädliches Klimagas. Der Anteil der Viehzucht am Gesamtausstoß an Treibhausgasen liegt bei 18 Prozent, wie die Welternährungs-Organisation FAO errechnete. Das ist deutlich mehr als zum Beispiel der Verkehr, also alle Autos, Schiffe und Flugzeuge zusammen.

Die Umweltschäden sind erheblich

Außerdem verbraucht die Produktion von Fleisch enorm viel Wasser. Dazu kommen die Gülleseen, die vor allem in Nord- und Südamerika zu erheblichen Umweltverschmutzungen beitragen. Es geht nicht nur um Ammoniak-Gase. In den Exkrementen sind Rückstände von Medikamenten enthalten.

So oder so drängt sich der Verdacht auf, dass hier gleich die ganze Bauer-Produktpalette an den Mann gebracht werden soll. Und das, so das Urteil von Horizont, ist „ungut.“ Dass es auch noch Joghurts anderer Hersteller mit Nüssen oder Schokolade gibt, die möglicherweise ebenfalls gentechnikfrei produziert werden - das sei nur der Vollständigkeit halber noch erwähnt.

Kommentare (7)

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Michael-Berlin

27.04.2012, 11:19 Uhr

Ja Suuuper!!
Kein Mensch will wirklich Gentechnisch manipulierte Lebensmittel kaufen und essen.

Egal ob es nun wirklich ungesund ist oder nicht. Die Frage ist ja nicht ob es machbar ist sondern brauchen wir das.

Es ist eben auch ein Problem der wachsenden Abhängigkeiten an Monsanto und Co und der sich reduzierenden Biodiversität.

Wenn nun ein Händler anfängt massiv mit "Ohne Gentechnik" zu werben , wird über kurz oder lang der Verbraucher eben auch den Umkehrschluss machen, wo das Label NICHT dräu ist , ist Gentechnik drin.

Dan kann man eben auch vernünftig entscheiden und das unterjubeln hat ein ende.

In so fern, danke Herr Bauer.



Account gelöscht!

27.04.2012, 11:35 Uhr

Es geht um die Milch, die Kühe bekommen nämlich GEN-techsnich verändertes SOJA zum Futter. In der Milch selbst ist das nicht nachweisbar, daher kann dies nur über Dokumentation sicher gestellt werden.

Das Problem sind die Futtermittelströme. Da wird wahrscheinlich nicht so scharf getrennt zwischen konventionell und GEN-Technik, so dass bei der Vielzahl von Bauern die es gibt (diese beliefern ja die Molkereien) keine Molkerei mich 100% Sicherheit GEN-Freiheit sicher stellen kann. Dies geht nur über Dokumentation, was Aufwand und Kosten bedeutet. Schön dass Bauer wenigstens mal anfängt, bei aller Kritik.

Das Pferd ist m.E. falsch rum aufgezäumt, denn Verbraucher interessieren sich sehr dafür. Von daher sollte meiner Meinung nach nicht drauf stehen, dass etwas GEN-frei ist, sondern es sollte drauf stehen, wenn etwas GEN enthält! Hier liegen leider die Lobbyinteressen auf der falschen Seite.

Account gelöscht!

27.04.2012, 11:51 Uhr

"Kein Mensch will wirklich Gentechnisch manipulierte Lebensmittel kaufen und essen."

=> Ich habe damit kein Problem...
Also sprich gefälligst für dich selbst bevor du solch starke Worte wie "Kein" verwendest.

"Egal ob es nun wirklich ungesund ist oder nicht. Die Frage ist ja nicht ob es machbar ist sondern brauchen wir das. ""
=> Die Antwort ist ein eindeutiges Ja!
Nicht wir als Deutsche oder Europäer natürlich,
aber der Mensch generell wird bei der derzeitigen Anzahl an Bewohnern auf der Welt, früher oder später auf gentechnisch veränderte Lebensmittel angewiesen sein. Sofern es zum Ziel steht alle Menschen auf der Welt mit einer Grundmenge an Nahrungsmitteln zu versorgen natürlich.

Angenommen jeder Mensch auf der Erde würde die selbe Menge an Nahrung zur Verfügung haben, wie der durchschnittliche Deutsche, dann würden die Lebensmittelpreise ganz schön explodieren.
Ausserdem gibt es nur begrenztes natürliches Anbauland, mit Hilfe von gentechnik können Getreide etc. für derzeit unwirtliche Gegenden angepasst werden.

Und wenn man jetzt mal von den Nahrungsmitteln absieht,
kann Gentechnik dabei helfen Arten vor dem Aussterben zu bewahren...was gerade die Ökofritzen eigentlich freuen dürfte.

Es gibt eigentlich nur zwei große Probleme die ich bei der Gentechnik sehe:
1.) Die Gesellschaft mit ihrer Denkweise, die weiteren Fortschritten im Wege steht.
2.) Die Profitgier der Unternehmen die verhindert das die Produkte ausreichend getestet werden auf diverse Nebenwirkungen.

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